#bloggerproalpenplan – und wo sind die anderen

Vor einiger Zeit diskutierte ich mit Nadine von Kulturnatur, dass sich die Münchner Bloggeria unter anderem auch dadurch auszeichnet, dass sie unpolitisch ist. Sie meidet, sofern sie nicht von politischen Ambitionen begleitet ist, Konflikte. Entsprechend sind auch die Themen: Essen, Sport, Outdoor, Kultur. Beliebt sind Tipps für ein schöneres und besseres Leben, vor allem in der Freizeit. Ich erinnere mich auch an Diskussionen über den Trend zum „positiv“ bloggen. Wenn es etwa um Testprodukte oder unterstützte Veranstaltungen geht, vermeiden „Positivblogger“ negative Kritik und konzentieren sich in ihren Beiträgen auf positive Aspekte.

Umso überraschter war ich nun, dass sich tatsächlich mittlerweile über 100 Blogger öffentlich für den Erhalt des Alpenplans stark machen. Insbesondere Outdoorblogger fühlen sich offenbar animiert, gegen die Aufweichung der jahrzehntealten Schutzzonen stark zu machen. Gleichzeitig stellen sie sich damit gegen die Ausbaupläne für das Skigebiet am Riedberger Horn, die von der Landtagsmehrheit der CSU beschlossen wurde.

In der Folge wurde und wird übrigens Befürchtung laut, dass damit das Signal für weitere derzeit gestoppte Ausbauprojekte gegeben wurde; beispielsweise hier bei mir, quasi um die Ecke, für die Verbindung des Heutals mit dem Skigebiet Winkelmoosalm/Steinplatte, die seit einiger Zeit auf Eis liegt.

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München #PulseofEurope

Warum ich zur Sonntagsdemo gehe: #PulseOfEurope

Auf dem Max-Jospehs-Platz in München: wehende europäische Überzeugung bei #PulseofEurope

Auf dem Max-Jospehs-Platz in München: wehende europäische Überzeugung bei #PulseofEurope

Ich glaube nicht, dass die Zukunft einer globalisierten Welt in der Abschottung einzelner Länder liegt. Wir wollen (und sollen) grenzenlos Handel treiben, wir wollen (und sollen) weltweit verreisen; wir wollen (und sollten) von Kulturen anderer Völker und Länder lernen. Das Internet reicht in den hinterletzten Winkel der Erde, wenn wir wollen, können wir von dort unsere Lokalzeitung zu Hause lesen oder wir können zu Hause lesen, was dort passiert, live und quasi in Echtzeit. Und dann sollen in Mitteleuropa und in der gesamten westlichen Welt wieder Grenzen hochgezogen werden? Das passt doch nicht zusammen. Deshalb versuche ich, jeden Sonntag auf die #PulseOfEurope Demo zu gehen.
Ich kann mich noch gut erinnern, als es zum Urlaubsgefühl in Europa gehörte, gültige Pässe zu besitzen…

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Facebook – Götterdämmerung?

An diesem Wochenende platzte die Bombe. So der Begriff im Titel der Story, die beschreibt, wie Donald Trump den US-Wahlkampf angeblich mit Hilfe von Big Data, destilliert aus Facebook, gewann. Im Kern geht es darum, das Menschen mit der Auswertung ihrer Shares und Likes psychologisch so vermessen werden können, dass Aussagen darüber möglich sind, wie sie auf Facebook Nachrichten reagieren. Dabei geht es nicht nur darum, Wählerstimmen zu gewinnen, sondern auch darum, Stimmabgaben für die Gegenseite durch gezielte Verunsicherung zu verhindern.

Diese Enthüllung, die eigentlich keine ist, denn die Prinzipien sind jetzt nichts wirklich Neues, trägt erneut dazu bei, meine Zweifel an dem weltweit größten Netzwerk zu verstärken. Die Zweifel begründen sich in der weltweiten Ausdehnung und der unbeschränkten Macht. Wobei sich macht nicht auf die tatsächliche physische Macht bezieht, sondern auf die vielfältigen Einflussmöglichkeiten auf jedes Facebook-Miglied.

Protokoll meines Verhaltens

Der Datensatz mit meinen Beiträgen, Kommentaren, Likes und Shares ist das Eine. Er gehört Facebook und wird von denen unbegrenzt weitergegeben (unabhängig davon, ob ich privat oder öffentlich poste, davon ist auszugehen); vielleicht sogar ohne meinen Namen, aber was nützt das, wenn die Anzeige oder ein Post trotzdem bei mir gezielt platziert werden kann. Jetzt kommen die Schlauberger und sagen: „erkenne ich“ – aber darüber sind wir, glaube ich, hinaus. Es geht nicht mehr um schlecht gezielte (targeted) Werbung, es geht darum, dass ich einen Beitrag eingeblendet bekomme, der subtile Zweifel an meinem Weltbild nährt, mich verunsichert und damit meine Stimme pro oder contra irgendetwas zum Schweigen bringt, weil ich mir selbst nicht mehr sicher bin. Damit hat der Auftraggeber sein Ziel schon erreicht. Wenn ich die sogenannten Psychometriker und ihre Firmen richtig verstehe, ist das selbst mit höchster Medienkompetenz kaum zu erkennen.

Ein Angebot ohne Moral und Rücksicht

Es geht zum zweiten darum, dass Facebook für sich beansprucht, dass sein Standards in punkto Veröffentlichungen auf der ganzen Welt zu gelten haben. (Das rührt im Übrigen nicht nur aus der privaten Organisationsstruktur des Konzerns, sondern ist in allen US-Weltkonzernen so verankert: die Welt ist die USA, der Rest ist nichts oder nur wenig). Dass Nackheit, Verunglimpfung, Mobbing etc. in verschiedenen Kulturen auf der Welt anders gesehen werden und andere Gefühle hervorrufen wird ignoriert. Es gibt keinen moralischen Maßstab außer dem amerikanischen und den des Profits – wer sich die Reaktionen von Facebook auf die netten Versuche deutscher Politiker zur Eindämmung von Hassreden ansieht, wird nur taktische Beschwichtigungen und Verzögerungsmanöver finden. Wenn allerdings die Polizei kommt, ist Facebook schnell bereit, zu handeln. Schließlich möchte man sich sein Geschäftsmodell ja nicht zerstören, weil man womöglich Ärger mit dem Gesetz bekommt.

Das tragische ist, gleiches  gilt für alle Länder – der Weltrettungsanspruch wird gegenüber dem Profit ganz schnell hintenangestellt, wenn große Märkte locken, wie etwa China. Dann heißt es wieder „wir sind ganz unpolitisch, wir wollen nur Menschen verbinden“. Und im Zweifelsfall, so darf vermutet werden, bekommen die staatlichen Behörden eine Hintertüre, um unliebsame Beiträge oder gar Mitglieder zu verhindern.

Großer Einfluss kleingeredet

Und das ist derzeit eigentlich meine größte Kritik: die Weigerung anzuerkennen, dass Facebook, wie übrigens auch Google und wahrscheinlich auch Amazon, mittlerweile Akteure geworden sind, die Gesellschaften beeinflussen, wie es bisher kaum möglich war. Dafür gehen sie aber jeder Debatte über ihre Wirkung, abseits von Vernetzung, Suche und Einkauf hinaus, aus dem Weg. Es sind Unternehmen, die sich von moralischen Standards fernhalten; ja fern halten müssen, um ihre Geschäfte machen zu können. Dafür verbünden sie sich zur Not auch mit autoritären Regimen und Diktatoren: arabischer Frühling, gut fürs Image, aber wenig Geschäft.

Indem sich Facebook darüberhinaus zum Konkurrenten der klassischen Medien aufschwingt, diese sogar nich benutzt, um seine Reichweite und seinen Einfluss zu erhöhen, wird demokratische Kontrolle weiter ausgehöhlt. Medien, die angeblich die Mächtigen kontrollieren sollen, gehen zugrunde, weil die Leser abhanden kommen, und ausgerechnet das „System Facebook“ soll sie retten. Aus Sicht der Aktionäre ein perfekter, aus Sicht von demokratischen Gesellschaften ein perfider Schachzug von Facebook.

Kein Interesse an Demokratie

Wer diese, seine Macht und seinen Einfluss auf Gesellschaften so sträflich ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn er eines Tages zum Handlanger von autoritären Systemen wird. Leider ist für viele Menschen Facebook nur ein Spaß, ein Like hier, ein Kommentar dort, die eigene Meinung wird bestätigt und beeinflusst, während man lustige Bildchen und Filme ansieht und belangloses mit Freunden austauscht – ist doch nicht so gefährlich, wird doch übertrieben. Das glaube ich nicht, genau das ist die Methode, dass man uns Glauben machen will, dass doch alles ungefährlich ist – aber Algorithmen, das wichtigste der Branche, bleiben geheim, genauso wie angebliche (moralische) Standards.

Götterdämmerung wegen zuviel

Die einzige Hoffnung ist, dass Facebook sich verkalkuliert – dass zu viele Angebote in einer Plattform zu viel sind. Ich kann nicht als Medium Zeitung und Fernsehen ersetzen, privates Netzwerk sein, Werbung ausspielen, Chatten usw. Die Timeline ist für mich ziemlich unbedeutend geworden: wichtiger sind für persönliche Netzwerke Whatsapp oder noch besser, Threema; für längere und kürzere Texte mein Blog; für Bilder sollte es flickr sein oder mein Blog, nicht Instagram. Nun will Facebook auch noch ein Job-Portal werden. Der Allmachtsanspruch wird vielleicht zum Anfang vom Ende oder, wenn schon nicht Götterdämmerung, zumindest zur Rückbesinnung auf das soziale Netzwerk von Einst. Wenn Facebook nicht selbst drauf kommt, könnten wir ein Problem bekommen.

Staaten müssen aktiv werden

Wenn wir nicht aufpassen, bekommen wir Weltherrscher, gegen die Nutzer und Regierungen und Polizei und Justiz machtlos sind. Werkzeuge, die für Demokratien gefährlich sind, deshalb ist es Zeit, diesem unkontrollierten Treiben Einhalt zu gebieten. Ich werde mein Facebook-Profil „säubern“, auch wenn ich es beruflich benötige, wird Facebook bei mir weiter herabgestuft und noch mehr als bisher, werde ich meinen Blog nutzen, um meine Meinung zu veröffentlichen.

ein Freitag im Juli in München

Ich schreibe mal meine Chronologie der Ereignisse auf, vielleicht ist das wichtig für mich, für andere, vielleicht zeigt sie, wie man reagiert, wie Menschen reagieren. Auch andere haben das im Web übrigens getan, zum Beispiel Karsten Lohmeyer auf Facebook.

ca. 18.40: Wir sind kurz davor mit K1 (11 J.) und zwei Koffern und zwei Kinderrucksäcken das Haus für das Wochenende zu verlassen. Ihr Handy brummt: die Verwandtschaft arbeitet hinter dem OEZ und meldet über den Familienchat, dass man nicht in die Nähe des OEZ kommen solle, weil viel Polizei unterwegs sei. Gleichzeitig springt die Spiegel-Online-Eilmeldung an.

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Weiterbauen an Europa – trotz oder wegen #Brexit

Mit Pauken und Trompeten schief gegangen: Brexit. Aus meinem Fotoalbum vom Juli 1981: Schüleraustausch mit London; hier der Ausflug zum Wachwechsel in Windsor.

Mit Pauken und Trompeten schief gegangen: Brexit. Aus meinem Fotoalbum vom Juli 1981: Schüleraustausch mit London; hier der Ausflug zum Wachwechsel in Windsor.

Mein Weltbild hat über Nacht einen Knacks bekommen: das war von 23. auf 24. Juni 2016. Am Abend des 23. bin ich ins Bett gegangen mit den letzten Ergebnissen der Meinungsforscher zur Volksabstimmung im Vereinigten Königreich über den Verbleib in Europa: 52 Prozent sagten sie für das Remain-Lager voraus; ich konnte also beruhigt ins Bett gehen, viel Lärm um Nichts. Die Ernüchterung und der Knacks kamen am Morgen des 24. Juni: da stand es plötzlich 52 Prozent für Leave, das Endergebnis. Was nicht sein durfte, passierte einfach über Nacht.

Blick auf The Shard, mit 310m das höchste Gebäude der EU

Dunkle Wolken über London: Blick auf The Shard, bisher mit 310m das höchste Gebäude der EU. Nun wird der Titel wohl an ein anderes Gebäude gehen.

Was mein Weltbild bisher in punkto Europa vorsah

  • Europa ist und bleibt als Idee attraktiv, unabhängig von seiner Umsetzung;
  • Der Nationalstaat ist eigentlich nur noch für den Sport wichtig (Länderspiele, Medaillenvergleich), ist aber langfristig ein Auslaufmodell in Europa;
  • Die Tatsache, dass man als einzelner europäischer Nationalstaat weniger zu sagen hat, als die EU ist logisch und für Jedermann einsichtig;
  • Das Genörgel und Gemaule über die EU als Organisationsmodell ist in vielen Fällen berechtigt und richtig, stellt aber nicht die Idee als solches in Frage.
  • Nationalstaatliche Grenzen sind in Europa nicht mehr sichtbar, und deshalb ein Relikt der Vergangenheit.
  • Menschen arbeiten und reisen in Europa über Grenzen hinweg, ohne sich über sie Gedanken zu machen; das verdanken wir Europa.
  • Die längste Zeit ohne Krieg unter den EU-Staaten. Man möchte meinen, Frieden sei das beste Argument überhaupt.

 

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