Jahresrückblick mit Bestnine Instagram Fotos

Was waren deine erfolgreichsten Bilder im Jahr 2016? Zum Jahresende gibt es wieder zahlreiche Rückblicke, auch für Instagram bietet sich das an: Einfach auf die Webseite https://2016bestnine.com/ gehen und deinen Accountnamen eingeben.* Nach ein paar Sekunden hat die Plattform die Bilder mit den meisten Likes gefunden und zeigt sie in einem Instagram-typischen 3×3-Bilderformat an. Die Bilder lassen sich speichern und man kann sich noch für die Variante mit Text, wie Gesamtzahl der Likes, entscheiden.

Bei mir führen die jüngsten Herbstbilder mit der Münchner Frauenkirche (dem „Dom“) die Rangliste an; sie sind einfach auf dem Weg zur Arbeit entstanden, mit Unterstützung des Wetters und der passenden Tageszeit.

* Für diesen freiwilligen Tipp wurde ich nicht bezahlt und ich erhalte keine Vergünstigungen dafür. Ich mache hiermit auch auf die Privacy Policy der Webseite aufmerksam, die z.B. nichts über Copyright und Urheberrecht aussagt, aber über die Nutzung der Nutzerdaten für werbliche Zwecke.

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Facebook – Götterdämmerung?

An diesem Wochenende platzte die Bombe. So der Begriff im Titel der Story, die beschreibt, wie Donald Trump den US-Wahlkampf angeblich mit Hilfe von Big Data, destilliert aus Facebook, gewann. Im Kern geht es darum, das Menschen mit der Auswertung ihrer Shares und Likes psychologisch so vermessen werden können, dass Aussagen darüber möglich sind, wie sie auf Facebook Nachrichten reagieren. Dabei geht es nicht nur darum, Wählerstimmen zu gewinnen, sondern auch darum, Stimmabgaben für die Gegenseite durch gezielte Verunsicherung zu verhindern.

Diese Enthüllung, die eigentlich keine ist, denn die Prinzipien sind jetzt nichts wirklich Neues, trägt erneut dazu bei, meine Zweifel an dem weltweit größten Netzwerk zu verstärken. Die Zweifel begründen sich in der weltweiten Ausdehnung und der unbeschränkten Macht. Wobei sich macht nicht auf die tatsächliche physische Macht bezieht, sondern auf die vielfältigen Einflussmöglichkeiten auf jedes Facebook-Miglied.

Protokoll meines Verhaltens

Der Datensatz mit meinen Beiträgen, Kommentaren, Likes und Shares ist das Eine. Er gehört Facebook und wird von denen unbegrenzt weitergegeben (unabhängig davon, ob ich privat oder öffentlich poste, davon ist auszugehen); vielleicht sogar ohne meinen Namen, aber was nützt das, wenn die Anzeige oder ein Post trotzdem bei mir gezielt platziert werden kann. Jetzt kommen die Schlauberger und sagen: „erkenne ich“ – aber darüber sind wir, glaube ich, hinaus. Es geht nicht mehr um schlecht gezielte (targeted) Werbung, es geht darum, dass ich einen Beitrag eingeblendet bekomme, der subtile Zweifel an meinem Weltbild nährt, mich verunsichert und damit meine Stimme pro oder contra irgendetwas zum Schweigen bringt, weil ich mir selbst nicht mehr sicher bin. Damit hat der Auftraggeber sein Ziel schon erreicht. Wenn ich die sogenannten Psychometriker und ihre Firmen richtig verstehe, ist das selbst mit höchster Medienkompetenz kaum zu erkennen.

Ein Angebot ohne Moral und Rücksicht

Es geht zum zweiten darum, dass Facebook für sich beansprucht, dass sein Standards in punkto Veröffentlichungen auf der ganzen Welt zu gelten haben. (Das rührt im Übrigen nicht nur aus der privaten Organisationsstruktur des Konzerns, sondern ist in allen US-Weltkonzernen so verankert: die Welt ist die USA, der Rest ist nichts oder nur wenig). Dass Nackheit, Verunglimpfung, Mobbing etc. in verschiedenen Kulturen auf der Welt anders gesehen werden und andere Gefühle hervorrufen wird ignoriert. Es gibt keinen moralischen Maßstab außer dem amerikanischen und den des Profits – wer sich die Reaktionen von Facebook auf die netten Versuche deutscher Politiker zur Eindämmung von Hassreden ansieht, wird nur taktische Beschwichtigungen und Verzögerungsmanöver finden. Wenn allerdings die Polizei kommt, ist Facebook schnell bereit, zu handeln. Schließlich möchte man sich sein Geschäftsmodell ja nicht zerstören, weil man womöglich Ärger mit dem Gesetz bekommt.

Das tragische ist, gleiches  gilt für alle Länder – der Weltrettungsanspruch wird gegenüber dem Profit ganz schnell hintenangestellt, wenn große Märkte locken, wie etwa China. Dann heißt es wieder „wir sind ganz unpolitisch, wir wollen nur Menschen verbinden“. Und im Zweifelsfall, so darf vermutet werden, bekommen die staatlichen Behörden eine Hintertüre, um unliebsame Beiträge oder gar Mitglieder zu verhindern.

Großer Einfluss kleingeredet

Und das ist derzeit eigentlich meine größte Kritik: die Weigerung anzuerkennen, dass Facebook, wie übrigens auch Google und wahrscheinlich auch Amazon, mittlerweile Akteure geworden sind, die Gesellschaften beeinflussen, wie es bisher kaum möglich war. Dafür gehen sie aber jeder Debatte über ihre Wirkung, abseits von Vernetzung, Suche und Einkauf hinaus, aus dem Weg. Es sind Unternehmen, die sich von moralischen Standards fernhalten; ja fern halten müssen, um ihre Geschäfte machen zu können. Dafür verbünden sie sich zur Not auch mit autoritären Regimen und Diktatoren: arabischer Frühling, gut fürs Image, aber wenig Geschäft.

Indem sich Facebook darüberhinaus zum Konkurrenten der klassischen Medien aufschwingt, diese sogar nich benutzt, um seine Reichweite und seinen Einfluss zu erhöhen, wird demokratische Kontrolle weiter ausgehöhlt. Medien, die angeblich die Mächtigen kontrollieren sollen, gehen zugrunde, weil die Leser abhanden kommen, und ausgerechnet das „System Facebook“ soll sie retten. Aus Sicht der Aktionäre ein perfekter, aus Sicht von demokratischen Gesellschaften ein perfider Schachzug von Facebook.

Kein Interesse an Demokratie

Wer diese, seine Macht und seinen Einfluss auf Gesellschaften so sträflich ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn er eines Tages zum Handlanger von autoritären Systemen wird. Leider ist für viele Menschen Facebook nur ein Spaß, ein Like hier, ein Kommentar dort, die eigene Meinung wird bestätigt und beeinflusst, während man lustige Bildchen und Filme ansieht und belangloses mit Freunden austauscht – ist doch nicht so gefährlich, wird doch übertrieben. Das glaube ich nicht, genau das ist die Methode, dass man uns Glauben machen will, dass doch alles ungefährlich ist – aber Algorithmen, das wichtigste der Branche, bleiben geheim, genauso wie angebliche (moralische) Standards.

Götterdämmerung wegen zuviel

Die einzige Hoffnung ist, dass Facebook sich verkalkuliert – dass zu viele Angebote in einer Plattform zu viel sind. Ich kann nicht als Medium Zeitung und Fernsehen ersetzen, privates Netzwerk sein, Werbung ausspielen, Chatten usw. Die Timeline ist für mich ziemlich unbedeutend geworden: wichtiger sind für persönliche Netzwerke Whatsapp oder noch besser, Threema; für längere und kürzere Texte mein Blog; für Bilder sollte es flickr sein oder mein Blog, nicht Instagram. Nun will Facebook auch noch ein Job-Portal werden. Der Allmachtsanspruch wird vielleicht zum Anfang vom Ende oder, wenn schon nicht Götterdämmerung, zumindest zur Rückbesinnung auf das soziale Netzwerk von Einst. Wenn Facebook nicht selbst drauf kommt, könnten wir ein Problem bekommen.

Staaten müssen aktiv werden

Wenn wir nicht aufpassen, bekommen wir Weltherrscher, gegen die Nutzer und Regierungen und Polizei und Justiz machtlos sind. Werkzeuge, die für Demokratien gefährlich sind, deshalb ist es Zeit, diesem unkontrollierten Treiben Einhalt zu gebieten. Ich werde mein Facebook-Profil „säubern“, auch wenn ich es beruflich benötige, wird Facebook bei mir weiter herabgestuft und noch mehr als bisher, werde ich meinen Blog nutzen, um meine Meinung zu veröffentlichen.

Instagram: Bilder oder Video erfolgreicher?

Nein, keine Abhandlung darüber, wie erfolgreich Bewegtbild angeblich ist, sondern eine nicht repräsentative Statistik am eigenen Instagram-Leibe erfahren.

Anhand einer kleine Statistik seit Ende September:

  • Erfolgreichstes Instagram Video: Oktoberfest, vom 29.9.2016: bis heute 58 mal aufgerufen, 11 mal geliked*
  • Zweit erfolgreichstes Instagram Video: Isarufer, 4.11.2016: bis heute 45 mal aufgerufen, aber 19 mal geliked*

 

  • Erfolgreichstes Instagram Bild in der Zeit: Frauenkirche mit Herbstbaum, 20.10.2016, 39 Likes
  • Zweit erfolgreichstes Instagram Bild in der Zeit: Frauenkirche mit Bürogebäude, 17.11.2016, 36 Likes

Kann man aus der Zahl der Aufrufe, die über den Likes der Standbilder liegen, nun schließen, dass Bewegtbild erfolgreicher als Standbild ist?

*Tipp: Bei Videos auf Instagram sieht man nur die Aufrufe, nicht aber die Likes. Ein Klick auf die Aufrufe zeigt aber die Likes an. Ich vermute, dass Video liken den meisten schwerer fällt. Während man Video schaut liked man nicht gleich und wenn man das Video überhaupt bis zu Ende schaut, klickt man gleich weg, statt zu liken. Zu viel Konzentration auf den bewegten Inhalt lässt das Liken vergessen? Übrigens zählt schon ein Video, das nur drei Sekunden angesehen wurde, als Aufruf.

App-Tipp: Aufnahmen im Zeitraffer-Modus

Zeitraffer-Aufnahmen haben ihren eigenen Reiz, um dramatische Wetterstimmungen oder andere dynamische Bewegungen im Video darzustellen. Manche Smartphones bieten dazu eigene Einstellungen in der Kamera-App. Ich habe dazu auf meinem Smartphone, Huawei P9 plus mit Android 6, Framelaps installiert. Die App zeichnet sich bereits in der kostenlosen Version durch einfache Bedienung und gute Qualität aus. Ich kann keine Probleme im Betrieb feststellen.

Framelaps kostenlos zieht Strom

Größter Nachteil der kostenlosen Version ist, dass sich der Bildschirm während der Aufnahme nicht abschaltet.

Damit bleibt der größte Stromfresser, nämlich das Display, während der Aufnahme an. Bei dem zweiten Film, der Nebelaufnahme (siehe unten), wurden für 42 Sekunden Zeitraffer-Video – das Smartphone lief dafür rund drei Stunden, wobei alle zehn Sekunden eine Aufnahme getätigt wurde – ungefähr zwei Drittel des vorher voll aufgeladenen Akkus leergesaugt.

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Langsamer in Social Media mit Facebook

Slow Media mit Facebook: zum ersten Mal gesehen heute.

Slow Media mit Facebook: zum ersten Mal gesehen heute.

Offenbar gehört Facebook seit Neuestem zu den Vorreitern der Slow-Media-Szene. Nach einem Wochenede fast offline, besuchte ich heute Abend Facebook und nahm mich einiger Posts an, die zu kommentieren waren. Nachdem ich auch noch anderes zu tun habe – wie etwa diesen Blogpost zu schreiben, um nicht gleich beim Wiedereinstieg in die #ironblogosphäre zu scheitern – legte ich eine entsprechend hohe Tippgeschwindigkeit hin. Damit ist Facebook seit Neuestem offenbar überfordert.

„Bitte verlangsame deine Nutzung“ – für mich ist es nicht vorstellbar, dass ich einen Nutzer habe, der so schnell tippen (und denken) kann (du bist womöglich eine Spam-Maschine, aber das weiß ich nicht genau),

meine ich zu hören. Tja, vielleicht zwingt uns Facebook doch, auf Bewegtbild umzuschalten: längere Produktionsdauer und weniger Informationsgehalt, sind offenbar erwünscht. Oder warum erlaubt mir Facebook nicht mehr, schnell zu tippen?

Warum ein Blog keine normale Webseite ist.

Aus technischer Sicht mag diese Frage Stirnrunzeln hervorrufen, aus Sicht des Bloggers ist es aber noch erstaunlich oft erforderlich, dem geneigten Laien zu erläutern, was den Unterschied ausmacht. Letztendlich böte ja jede Webseite die Möglichkeit, Beiträge in chronologischer Ansicht darzustellen, was ja der Ursprung des Internetz-Tagebuchs, des Weblogs, war.

  • Eigentlich ist „das Blog“ (wie Puritaner noch heute artikeln) entstanden als Brücke, zwischen dem programmierorientierten HTML-Editor und einem anwenderfreundlichen Publikations-Software.
  • Das heißt, das Ziel, nämlich die schnelle und einfache Publikation steht im Vordergrund und nicht die Technik. Auch der öffentlichkeitsinteressierte Laie sollte die Chance bekommen, seine Text und Bilder schnell und einfach zu publizieren. Die Basis dafür bot das Internet, wo standardisierte Technologien kostengünstig für jedermann erschwinglich und zugänglich wurden. Eine Domain mit Webspace und den dazugehörigen Programmen gibt es für ein paar Euro und die notwendige Software (z.B. das populäre WordPress) ist oft kostenlos erhältlich und mittlerweile fast selbsterklärend.
  • Dahinter steht die Idee dessen, was man heute auch als „Demokratisierung durch das Internet“ bezeichnet, das heißt Publizieren, Veröffentlichen für Jedermann (und jede Frau). Gedanken, Meinungen, Sichtweisen, ermittelte Fakten und Bilder oder Videos (auch von Katzen) können direkt, ohne Umwege, von einem Milliardenpublikum abgerufen werden. Die Umwege waren früher Rundfunkanstalten und Verlage. Sendezentren und Druckmaschinen waren unermesslich teuer, weshalb nur Informationen das Licht der Öffentlichkeit erblickten, die von Journalisten und Redakteuren ausgewählt wurden. Sie bestimmten, was gesendet oder gedruckt wurde. Heute kann jeder, der sich an die Gesetze hält, veröffentlichen, was er möchte – zumindest in Deutschland ist das zum Glück so.
  • Damit einher geht eine neue Unübersichtlichkeit. Wenn Abermillionen von Menschen zu Verlegern und Sendeanstalten werden, wer kennt sich da noch aus. Wer findet das interessante, relevante, wie heraus. Woher weiß man, ob es stimmt. Da kommt das Grundparadigma des Internetz ins Spiel, die Vernetzung. Je besser vernetzt ein Blog ist, desto sichtbarer wird er; gleiches gilt auch für den Blogger, je besser der Urheber sichtbar ist, desto bekannter wird sein Blog. Dank der Vernetzung werden aber Fehler auch meistens schnell entdeckt; oder Inhalte können mittels Internetz schnell verifziert werden.
  • Und hier herrscht oft das größte Missverständnis im Vergleich mit einer Standardwebseite: einen Blog zu betreiben ist laufende, harte Arbeit. Arbeit, die bei einem Verlag etwa, arbeitsteilig in verschiedenen Händen lag: Für die Artikel ist der Journalist zuständig, für den Verkauf der Werbung der Anzeigenvertrieb, für den Verkauf der Zeitung das Abo-Marketing und der Vertrieb, für die Druckmaschinen der Techniker. Bei einem Blog ist in nahezu allen Fällen der Blogger in Personalunion alles: er kümmert sich um die Inhalte und um die Technik und zwischendurch muss er seinen Blog und sich selbst noch bekannt(er) machen. (Ausnahmen bestätigen mittlerweile die Regel, wenn große Blogs, die viel gelesen werden und verhältnismäßig hohe Einnahmen erzielen, mittlerweile von Autorenteams betreut werden und ihre Blogger die technische Betreuung in Expertenhände geben.)
  • Wichtig ist bei einem Blog deshalb immer die Persönlichkeit des Bloggers. Seine Handschrift ist überall sichtbar: von der Gestaltung des Layouts über den Stil der Texte und die Auswahl der Bilder oder anderer audiosvisueller Komponenten. Auch auf der inhaltlich-technischen Ebene spielt die Vernetzung eine große Rolle: Auf welche Blogs wird verwiesen, von welchen Urhebern werden Inhalte mit eingebaut, auf welche Quellen verweist man.
  • Bloggen heißt auch, sich vernetzen, wo das Vernetzen am besten geht, nämlich in Social Networks. Hier findet man seine Leser, Zuschauer, Gleichgesinnte und kann auch mal diskutieren, wenn die Diskussionen direkt auf dem Blog nicht in Gang kommen. Zudem ist die Präsenz in den Netzwerken wichtig, um seine Inhalte viral weiterzuverbreiten und andere Inhalte teilen zu können. Auch das gehört zur Arbeit des Bloggers.
  • Und nicht zuletzt findet der Austausch und die Vernetzung im echten Leben auch offline statt. Man trifft sich auf Veranstaltungen, mehr oder weniger regelmäßig und tauscht sich zum Thema seines Blogs oder zur Technik aus. Dabei trifft man andere Blogger und lernt von ihnen und gibt selbst Erfahrungen weiter, so dass hier ebenfalls ein wertvoller Beitrag zur Vernetzung stattindet – übrigens, wenn man es so sehen möchte, auch wieder zeitaufwändige Arbeit, meistens am Abend oder Wochenende.
  • Private und Firmenblogs (sogen. Corporate Blogs), die meinen, sie könnten einen Blog wie eine Webseite betreiben, werden mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Sie werden keine, oder zumindest kaum, Beachtung finden, weil das wesentliche Element – die Persönlichkeit und die Vernetzung – fehlt. Eine Webseite ist wie das Schaufenster eines Supermarkts: großes Angebot, das marktschreierisch und unpersönlich von Plakaten herab angeboten wird. Ein Blog dagegen ist wie ein Besuch im Tante-Emma-Laden: persönlich, mit ausgewählten Empfehlungen und einem Ladenbesitzer, der einlädt zu bleiben und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Da kommt man gerne wieder.
  • Abschließend muss erwähnt werden, dass ein Blog im Jahr 2016 nicht unbedingt so aussehen muss, wie meiner hier. Es gibt Blogs, die die chronologische Sortierung nicht mehr in den Vordergrund stellen, sondern statt dessen auf inhaltliche Sortierung setzen; die aussehen, wie ein buntes Magazin und nicht wie ein fortlaufender Strom von Artikeln. Was ich damit zum Schluss sagen will: nicht das Design und die Technik machen den Blog aus, sondern die Haltung des Bloggers, das ist der Unterschied zur normalen Webseite.

Erst wenn ihr die letzte Webseite geschlossen habt…

… werdet ihr merken, dass Facebook nur euer bestes will: eure Inhalte. Dabei definiert natürlich Facebook nach ganz eigenen Regeln oder besser gesagt geheimen Algorithmen, was die besten Inhalte sind. Sind Facebook eure Inhalte nicht mehr gut genug, werden sie Facebook auch nicht mehr interessieren. Das heißt, ihr habt von jetzt auf gleich erheblich weniger Leser und damit setzt eine Abwärtsspirale in Gang: weniger Leser heißt, weniger Sichtbarkeit in den Timelines und das geht so weiter, bis ihr verschwunden seit. Naja, fast. Denn wenn ihr immer schön liked und teilt und versucht, im Gespräch mit euren Freunden und Fans zu bleiben, wird euch die Timeline nicht ganz vergessen.

Edelfeder: Lösen einzelne Publizisten die Medienmarken im Internet ab? (Foto: Fred Guillory: Pen and Ink via Flickr CC BY-SA 2.0)

Edelfeder: Lösen Blogs einzelner Publizisten die Medienmarken im Internet ab? (Foto: Fred Guillory: Pen and Ink via Flickr CC BY-SA 2.0)

Außerdem könnt ihr natürlich bezahlen dafür, dass eure Inhalte in den Timelines angezeigt werden. Die Konkurrenz, die den Wettbewerb und damit die Preise für die besten Timelineplätze bestimmt, ist von euch nicht zu sehen, die kennt nur Facebook und bestimmt damit, wie viel ihr zahlen müsst.

Also nur, dass das klar ist: Dann müssen nicht eure Leser dafür bezahlen, dass sie eure Inhalte zu sehen bekommen, sondern ihr müsst an Facebook bezahlen, dass eure Inhalte Leser bekommen. Merkt ihr was?

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Warum die Hysterie? 10.000 Zeichen auf Twitter

Wie ich durch meine Mittwochmorgen-Twitter-Timeline scrollte, wurde ich wieder von Twitter selbst überrascht. Neben viel schlimmeren Dingen auf dieser Welt, hatte Twitter CEO wohl auf der CES in Las Vegas nicht dementiert, ab dem zweiten Quartal 2016 Tweets mit bis zu 10.000 Zeichen zu erlauben. Wer sich selbst ein Bild der Lage machen will, suche dort unter #Twitter10k, #beyond140 oder #pro140.


Hauptargument des Twitter-Chefs Jack Dorsey: Nutzer würden heute schon durch Text in Bildern und Videos und Bilder selbst, mehr Informationen verbreiten, als in 140 Zeichen passen. Als Beispiel lieferte er gleich sein Nicht-Dementi als Bild:

Neben wenigen uneingeschränkten Befürwortern machte sich vor allem Unmut breit. Schönes Beispiel lieferte die Twitter-Umfrage des Social-Media-Monitoring-Anbieters Brandwatch. Als ich mitmachte und auf die Ergebnisse blicken konnte, waren bei über 60 Teilnehmern 82 Prozent gegen die Auflösung der 140-Zeichen-Grenze.

Auch meine erste spontane Reaktion war Ablehnung. Ich beschloss aber, auch die Argumente der Pro-Fraktion zu lesen. Diese fasste Daniel Fiene @fiene in seinem Beitrag „fiene & warum xxl-twitter eine gute idee ist“ schön zusammen. Allerdings so  richtig überzeugen kann er mich nicht. Warum, steht hier:

  1. 10.000 Zeichen sind Text! Im Snapchat-, Periscope-, Hangouts- und YouTube-Zeitalter ist es doch eher peinlich, dass der CEO eines führenden Silicon-Valley-Unternehmens Druckbuchstaben als Argument für grundlegende Änderungen seines Dienstes anführt. Es gehe ihm um Durchsuchbarkeit, sagt er. Hm, eigentlich ein Armutszeugnis, dass sich immer nur noch Text, nicht aber Bilder und Videos durchsuchen lassen, oder? Wie siehts aus, ihr vielgepriesenen Start-ups? Und Twitter, wo ist eigentlich deine Suchfunktion, von Hashtags mal abgesehen?
  2. Twitter ignoriert erneut seine Nutzer. Wenn wir mal die ganzen A-B-C- und Kurzzeit-Promis weglassen, wer ist auf Twitter wichtig? Richtig: die Info-Junkies; Nachrichtenabhängige aus aller Welt und solche, die Nachrichten produzieren und verbreiten. Es sind Nutzer, die gelernt haben, sich auf Twitter ihr eigenes Bild der Welt und von Ereignissen zusammenzustellen, das auf einer Vernetzung aus Medien, Journalisten vor Ort und Originalquellen beruht. Engagierte, intelligente Nutzer, die sich nicht abhängig machen wollen von einzelnen Medienportalen oder algorithmusgesteuerten Newsfeeds. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf große Politik, sondern durchaus auch auf Fachinformationen für praktisch alle Branchen. Twitter war bisher nie die Quelle, sondern der beste Weg zu nahezu unerschöpflichen Quellen. Deshalb ist Twitter für Journalisten, Pressesprecher und Kommunikationsprofis so wichtig.
  3. Das bedeutet für mich: Twitter ignoriert erneut seine Kernkompetenzen. Um es mit einem Bild vom Bild zu sagen: Statt die Vorschau von Instagram auf Twitter absichtlich wegzuprogrammieren, war das genau die Stärke von Twitter. Nutzer gaben anderen Nutzern Hinweise, was für Themen (bei Instagram Bilder) sie wichtig und teilenswert fanden. So stellte man sich im Laufe der Zeit eine Twitter-Timeline aus Quellen für seriöse, lokale, internationale, humorvolle, persönliche News zusammen, ganz nach eigenem Geschmack. Je länger man den Quellen folgt, desto besser kann man sie einschätzen, desto sicherer ist man sich der Glaubwürdigkeit („für gewöhnlich gut informiert“, würden es die klassischen Medien nennen). Die Folge ist, dass Twitter für mich immer nur ein kurzer Zwischenstopp zwischen zwei Plattformen ist. Twitter führt mich auf Blogs, Webseiten, Facebook, Medium, Instagram, Pinterest und wie sie alle heißen. Nochmal: Twitter war aber nie selbst Quelle. Deshalb reichten auch die 140 Zeichen dank Kurz-URLs; Kürze, Würze und so.
  4. Ich glaube fürchte, dass Twitter auch von der Content-Schwemme profitieren will. Der Verweis reicht nicht mehr, man möchte selbst Quelle sein. Statt „beste Hinweis-Maschine mit den bestinformiertesten Nutzern“ möchte man „Me Too“ werden. Ich höre den CEO schon gegenüber Entwicklern quengeln und seinen Investoren versprechen: „Ich will aber auch Instant Articles und Notes wie Facebook, ich will aber auch Schriftstellern wie auf Medium, ich will aber auch Minibloggen wie auf Tumblr.“ Den Kampf gegen die etablierten Content-Plattformen wird Twitter aber nicht gewinnen können – woher diese Zuversicht kommt, ist mir schleierhaft (und wieso Investoren das glauben sollen sowieso).
  5. Das Problem, das Sascha Lobo – man muss wohl sagen ‚in weiser Voraussicht‘ – Mitte Dezember beschrieben hat, bleibt also: die Investoren verstehen den Unterschied zwischen Facebook und Twitter nicht und können deshalb nicht kapieren, dass Twitter nicht mit diesem konkurriert. Statt dessen zwingen sie offenbar den Twitter-Chefs die Idee auf, dass Twitter so viele User wie Facebook bekommen könnte. Wie Sascha Lobo schreibt:

    Twitter möchte noch facebookiger werden.

Das möchte ich aber nicht, denn Facebook habe ich schon, und ich liebe es nicht.

Ich verstehe Twitter nicht. Ich bin ein Freund von Veränderungen. Nur, ich will sie verstehen. Eine Veränderung ist nie per se gut, nur weil es eine Veränderung ist. Vermutlich muss ich nicht immer 10.000 Zeichen twittern, sondern kann auch nur 140 schreiben, richtig. Wenn ich aber zwischen vollständigen Hinweisen plötzlich immer wieder Teaser, schlimmstenfalls à la Buzzfeed, aussortieren muss, wird es mühsam. Was bekomme ich? Eine neue Plattform, deren Inhalte ich dann doch wieder auf pocket oder Evernote speichern muss? Wofür, was ist MEIN Nutzen?

Mir wäre es lieber, Twitter würde die Vorschaufunktionen optimieren und dafür enger mit den anderen, vermeintlich konkurrierenden, Content-Plattformen zusammen arbeiten (aberwitziges Beispiel: ein Tweet-This-Button auf Facebook) .  Twitter könnte so die führende Maschine für die Verbreitung von hochwertigem Content werden, ein Traffic-Generator – den Traffic müssten dann die Plattformen bezahlen. Neben Mitgliedsgebühren ein weiteres Geschäftsmodell… aber das ist wieder eine neues Thema.

Wenn ich meine Zweifel habe, bin ich noch lange kein Fortschrittsverweigerer. Nur schon mal so vorgweggenommen.

Der neue Hype um Medium – die Argumente bleiben die alten

Spartanische Oberfläche bei Medium - meine Einstiegsseite.

Spartanische Oberfläche bei Medium – meine Einstiegsseite.

Großer Jubel bei den Schreiberlingen rund um den Globus. Die kostenlose Publikationsplattform Medium bietet nun eine Schnittstelle (API) an. Damit gewährt sie Zugang auf das System von außen. Das heißt also, Inhalte können von Medium auf andere Plattformen geteilt, bzw. umgekehrt von anderen Plattformen auf Medium geschickt werden. Dieser Beitrag ist mein erster Versuch, von WordPress auf Medium zu crossposten.

Ich verfolge den Hype unter den Textern, was Medium angeht schon einige Zeit und stelle mir auch immer die Frage, ob ich dort präsenter sein müsste. Weiterlesen

Wendelstoa

Per Blog vorab: Trends in der Unternehmenskommunikation

Wolken und Nebel bedeuten nicht automatisch ein schlechtes Skierlebnis.

Wolken und Nebel bedeuten nicht automatisch ein schlechtes Skierlebnis. Das Skierelebnis besteht noch aus vielen anderen Dingen: bei schlechtem Wetter natürlich Anzahl und Qualität der Einkehrmöglichkeiten, generell aber Qualität und Zustand der Liftanlagen, eindeutige und konsistente Ausschilderung der Pisten, Freundlichkeit des Servicepersonals, Erreichbarkeit und vieles mehr – abgesehen von einem zumutbaren Preis-Genuss-Verhältnis. Es ist vermutlich nicht einfach, Marketing-Manager eines Skigebiets zu sein, dass für Familien und Freerider, Baby-Kurse und Border gleichermaßen interessant sein will.

Update: Der vollständige Beitrag mit allen Links ist nun bei meinem Arbeitgeber vibrio auf dem Blog erschienen.

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Bei dem folgenden Text handelt es sich um eine Vorabveröffentlichung für den Blog meines Arbeitgebers, deshalb habe ich hier auf Verlinkungen (und ausgiebige Vermarktung) verzichtet:

Nachdem die meisten Auguren ihre Trendprognosen schon lange abgegeben haben, ist es praktisch, wenn man sich nun einigermaßen in Sicherheit wiegen kann, dass man selbst mit seinen Prophezeihungen richtig liegt. Ich selbst bin zwar kein großer Trenderzähler, aber zum Social Web Breakfast war ich gemeinsam mit Markenberaterin Maren Martschenko und Christian Henne von Henne Digital geladen, in einem kleinen Kreis über die Trends des Jahres zu diskutieren. Dabei stehen für mich auch dieses Jahr drei Themen im Mittelpunkt: Storytelling, Personalisierung und Content.

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