Coworking in Traunstein, kann das funktionieren – vielleicht, hoffentlich,wahrscheinlich. Die Organisatoren von B1 connect, so der geplante Name, haben offensichtlich lange darüber nachgedacht und auch betriebswirtschaftliche Überlegungen angestellt, die dafür sprechen, dass es gut gehen könnte. Den Anfang machte diese Wochenende ein Barcamp, geplant für Samstagabend und Sonntagvormittag. Samstagabend handelte es sich aber eher um einen gemeinsamen Erwartungs- und Ideenaustausch in großer Runde. (Was sich Sonntag noch abspielte, kann ich nicht berichten, da ich keine Zeit hatte, dabei zu sein; im Gegensatz zum Bürgermeister, der angekündigt war.) UPDATE: Wolfgang hat seine Zusammenfassung zum Sonntag freundlicherweise unten als Kommentar gepostet. Vielen Dank dafür.

Eröffnung Coworking Traunstein B1 Connect

Initiator und Organisator des (hoffentlich) zunkünftigen Traunsteiner Coworking Space B1 Connect, Thomas Fernsebner, bei seinen einleitenden Worten. Kleines aber feines Detail am Rande: Prezi statt Powerpoint, das lässt hoffen 😉

Samstagabend waren gut 20 Teilnehmer in die geplanten Räumlichkeiten im ersten Stock in der Bürgerwaldstraße 1 in Traunstein gekommen; daher auch der Name B1 abgeleitet von der Hausnummer. Die Kennenlernrunde im Stuhlkreis zeigte auch gleich die Interessenlagen auf:

  • freiberufliche Wissensarbeiter, vornehmlich aus der IT-, Kreativ- und Beratungsbranche, die nicht mehr alleine im Büro sitzen wollen; die Ansprache für Erfahrungsaustausch, Horizonterweiterung, Denkanstöße und auch konkrete Unterstützung suchen;
  • interessanterweise auch einige Home-Office-Arbeiter, die nach Abwechslung von einsamen Home-Office-Tagen suchen (da war ich nicht alleine);
  • zukünftige „zugroaste“ Freiberufler auf der Suche nach Kontakten und Büro;
  • Wissensarbeiter, die eigentlich lieber im Kaffeehaus arbeiten würden, aber etwas passendes in Traunstein nicht finden; und zugleich noch Räume für Workshops suchen;
  • Traunsteiner Unternehmer, Politik und Heimatverbundene, die möchten, dass ehemalige Traunsteiner wieder zurück kommen, wenn sie die Welt gesehen haben;
  • und tatsächlich ein (Noch-nicht-) Abiturient auf der Suche nach Unterstützung für seine Geschäftsidee; er avancierte zum gefragten Gesprächspartner auf die Frage, ob Traunstein wirklich zum Auswandern sei;
  • Traunstein-Rückkehrer, die von dem Standort schwärmten; immer wieder wurde hervorgehoben, dass man wohnen könne, wo andere Urlaub machen, in der Nähe von Bergen und Seen; ohne die Kosten, die Hektik und die Enge einer Großstadt wie München.

Insgesamt hörte man bei allen ein bisschen die Hoffnung raus, etwas Start-up-, Gründer und Networking-Euphorie auch in das Herz des Chiemgaus zu bringen. Berlin, Hamburg, London, USA – waren viel gehörte Ziele für Auswanderer der Wissens- und Kreativbranche; Salzburg, Rosenheim und München tauchten nur als Zwischenstationen auf dem Weg in die weite Welt auf. Gleichzeitig berichtete jedoch die Vertreterin der Wirtschaftsförderung über ähnliche Angebote in Murnau und Kempten, die erfolgreich seien. Sie machte auch Hoffnung, die rund um Traunstein ansässigen Unternehmen als Unterstützer gewinnen zu können – auch mittelständische Hidden Champions sind schließlich auf der Suche nach unverbrauchten, neuen Ideen.

Eröffnung Coworking Traunstein B1 Connect

Bürgerwaldstraße 1 wird (hoffentlich) der zukünftige Coworking Space in Traunstein. Das Gebäude sieht schon passend aus und die Räume auch.

Der Initiator und Organisator Thomas Fernsebner schreckte auch vor einem Vergleich mit München nicht zurück: er geht von einem Einzugsgebiet rund um Traunstein mit 170.000 Einwohnern aus. Er betonte auch mehrfach, dass die Idee nicht ein Mietbüro wie eine Legebatterie sei, sondern tatsächlich viel offener Raum für den Austausch und Gesprächsgelegenheiten; Vernetzung und Unterstützung liegen ihm am Herzen – im Mittelpunkt dürfte nach dem Gehörten die Kaffeemaschine als Ort des Zusammentreffens stehen.

Ein tolles Projekt, wie ich finde; neben Blogger im Chiemgau eine weitere attraktive Idee, die Chancen des Internet-Zeitalters auch für wunderschöne Regionen wie Traunstein nutzbar zu  machen. Dank nicht nur dem Organisator, sondern auch dem Eigentümer des Gebäudes, der die Räumlichkeiten schon mal vorab für das „Barcamp“ zur Verfügung stellte, und Dank der Brauerei Wochinger für das Sponsoring mit gutem Traunsteiner Bier (übrigens eine von drei aktiven Privatbrauereien im Stadtgebiet… da kann man öfter Barcampen 😉 )

Und wenn ich etwas missverständlich wiedergegeben oder vergessen haben sollte, bitte einfach als Kommentar ergänzen oder Mail an mich.

14 Gedanken zu „Coworking kommt nach Traunstein

  1. Am Sonntag haben immerhin noch 10+ Leute hin gefunden, etwa die Hälfte davon war am Samstag noch nicht dabei. Und tatsächlich, auch der Oberbürgermeister war für ca. eine Stunde da, hat sich Ideen und Pläne erläutern lassen, und sich natürlich auch die Räume angesehen. Der Sonntag war ansonsten im wesentlichen geprägt von einer Diskussion, was einzelne von einem Coworking-Space erwarten, und was ein Coworking-Space bieten kann, muss und soll, um attraktiv für Nutzer zu sein. Dabei kamen tatsächlich auch noch ein paar bisher ungedachte Aspekte daher. Abgeschlossen haben wir die Diskussion damit, was jetzt die nächsten Schritte sein sollen und sein werden. Um am laufenden zu bleiben, sucht man am besten mal nach „b1-connect“ auf Facebook. Endgültig aufgelöst haben wir uns dann nicht schon um 13h, wie ursprünglich geplant, sondern erst irgendwann so gegen drei.

    Ich persönlich fand das ein inspirierendes Wochenende mit einer Reihe neuer, interessanter Kontakte. Und schließlich ist Vernetzung eines der zentralen Themen sowohl eines Barcamps, als auch eines Coworking Space 🙂

    • Hallo Wolfgang, schön, dass wir uns endlich kennen gelernt haben. Und außerdem vielen herzlichen Dank für deine Ergänzung zum Sonntag. So ist das jetzt a runde Sach‘. Ich freue mich auf die nächsten Pre-Coworking-Treffen in Traunstein. Bis dahin, beste Grüße Markus

  2. Hallo Markus und Wolfgang
    großartig zusammengefasst. Ich finde die Zusammenfassungen sehr präzise und sie transportiert genau die Inhalte, die Stimmung und Emotionen.
    Freue mich auf unser nächstes Treffen.
    LG
    Thomas

    • Hallo Thomas, danke für das Feedback und das Teilen des Beitrags. Ich freue mich, wenn ich trotz familiärer und beruflicher Auslastung damit etwas zur (Online-) Unterstützung deines (eures) großartigen Engagements beitragen kann. Ich habe in den letzten Jahren ausgehend von Social Media, insbesondere Blogs, viele engagierte und inspirierende Menschen kennengelernt. Es wäre schön, wenn sich etwas von diesem „Spirit“ zukünftig auch in Traunstein wiederfinden würde. Ich freue mich ebenso auf ein Wiedersehen mit den anderen potentiellen Coworkern. Bis dahin, alles Gute.

      • Hallo Marcus,
        da sieh mal eine an, welches Potential in uns allen steckt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Es scheint mir fast so, dass ich den Nerv getroffen habe. Dei Blog ist großartig und daher habe ich ihn gleich aboniert. ich werde heute noch das auf meinem Blog der noch rudimentären Webseite http://www.coworking-traunstein.de posten. Mir fällt da noch ein, dass wir auch ein Blogger-Meetup demnächst machen können – es zeigt sich ja, dass da mehrere Blogger da waren.
        Wenn möglich und wenn mal Zeit ist, können wir uns gerne in TS treffen.
        VG
        Thomas

        • Hallo Thomas, ja, ich denke, das Thema Coworking, New Work, Arbeiten 4.0 oder wie auch immer man den großen Bogen nennen will, trifft einen Nerv. In punkto Blogger würde ich gerne auch nochmal auf die Chiemgau Blogger hinweisen, die Stefanie Dehler ja schon ins Leben gerufen hat. Bei allem Engagement finde ich, sollte man versuchen vorhandene Initiativen einzubinden oder mitzunehmen, um die Konkurrenz nicht zu groß werden zu lassen. Die Kontaktdaten von Stefanie hast du ja, wenn du dich dazu mit ihr direkt austauschen willst, bzw. den Link auf die Facebookseite im Blog. Grüße Markus

          • Das „Gesellige“ darf bei Bloggertreffen ja auch nicht zu kurz kommen, dafür ist der Auwirt ja praktisch gelegen.
            Aber zum Austauschen evtl. sogar Workshoppen und Netzwerken fände ich den Coworking Space einen super Anlaufpunkt für unsere Bloggertreffen, die Nachfrage bzw das Interesse daran ist absolut da.
            Nach Fasching wird es dann Zeit fürs nächste Treffen, denke ich, dann sagen wir dir, Thomas, einfach mal Bescheid.

          • Stimmt! Gute Idee, Thomas zum nächsten Chiemgau-Blogger-Treffen mit einzuladen. Danke, wie immer 😉 , für dein Engagement für die Blogger-Community.

          • Hallo zusammen,
            sehr gerne stellen wir den Raum zur Verfügung. Gebt einfach bescheid, wann Ihr da rein wollt, so dass ich noch vorbereiten kann und wie viele kommen werden usw. Der Auwirt, Alias „Schwangei“, hat immer Mittwochs Ruhetag.

  3. Danke für den Bericht über das spannende Coworking-Projekt!
    Mir fiel auf, da tauchten in der Vorstellungsrunde zwei Zielgruppen fürs ländliche Coworking (noch) nicht auf:

    Zum einen die Pendler.innen, die sich zumindest tageweise die Fahrt ersparen.

    Und zum anderen: Menschen oder Teams, die mal eine Woche in schöner bayerischer Umgebung Traunsteins per Internet und Smartphone ihren Job machen.

    Gerade für die letztere Gruppe ist eine gewisse Aufstellung und Vernetzung vor Ort für reisende Coworking-Gäste sinnvoll, die ich letztes Jahr beim Coworking Barcamp in Leipzig vorstellte. So ein bisschen Reiseleitungs-Spirit zum Beispiel ist da auch wichtig…
    https://speakerdeck.com/doschu/team-finca-and-coworking

    Jedenfalls wünsche ich dem B1 connect alles Gute!!!

    • Hallo Doris, danke für deinen Kommentar. Es ehrt mich sehr, dass du mit deiner Coworking-Erfahrung und deinem Engagement das zarte Traunsteiner Pflänzchen beobachtest. Das Wort „ländlich“ hatte ich bewusst vermieden, schließlich ist Traunstein eine Kleinstadt (20.000 Einwohner) mit allem, was dazu gehört. Das „Ländliche“ beginnt aber gleich vor den Toren Stadt. Damit ist man zu Fuß in wenigen Minuten auf den grünen Wiesen und Hügeln mit Blick auf die bayerischen Alpen. Oder 15 Autofahrminuten am See, wobei es viele andere neben dem Chiemsee gibt 😉 Oder eben in den Bergen. Zu den Zielgruppen: zu den Pendler*innen zähle ich selbst mich auch, mit dem Vorteil, dass ich die Möglichkeit eines Büroraums zu Hause habe. Für diejenigen, die diese Chance nicht haben, aber trotzdem zu Hause arbeiten dürften, würde sich Coworking natürlich anbieten. Sicherlich ist langfristig vorstellbar auch in Koops mit örtlichen Übernachtungsmöglichkeiten und Event-Veranstaltern die berühmten „Off-Sites“ hier abzuhalten – deine Hinweise Richtung „Veranstalter“ sind dazu natürlich sehr passend. Das klingt mir aber heute noch nach Zukunftsmusik, wobei die Organisatoren durchaus Visionen haben, im positiven Sinne. Ich glaube alle sind sehr gespannt, wie es weitergeht, und, ob es gelingt, den Coworking-, Networking- und Sharing-Gedanken in Traunstein mit Leben zu füllen. Grüße nach Mallorca und bis bald mal wieder.

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