Junge Weiße und rote Italiener – eine Weinprobe

Ursprünglich begann dieses Blog mal als Weinblog. Das ist dann aus vielerlei Gründen leider eingeschlafen. Nachdem es aber mittlerweile auch unter technikkritischen Weinfreunden hoffähig geworden ist, mit einem gar technisch Gerät am Probentisch zu erscheinen, versuche ich, diese Tradition wieder aufleben zu lassen.

Die seit vielen Jahren mehr oder weniger regelmäßig tagende Runde gibt sich immer ein Probenmotto. Denn das spannende an einer Weinprobe ist ja der Vergleich mehrerer Weine einer Rebsorte aus verschiedenen Gegenden oder von Weinen aus einer bestimmten Region. Dabei folgt das Motto auch immer ein wenig Jahreszeiten, Veranstaltungen, Händlern oder auch Urlaubsregionen.

Italienische Rotweine warten auf ihre Probe.

Italienische Rotweine warten auf ihre Probe.

Diesmal wollten wir die ersten jungen Weißweine des neuesten Jahrgangs 2013 probieren und uns anschließend wieder mal einen der (seltenen) Überblicke über italienische Rotweine verschaffen. Um es gleich vorweg zu schicken: bei den Roten war kein Chianti dabei und auch kein Südtiroler und bei den Weißen beschränkte sich die Auswahl auf Österreich und Deutschland. Das Fazit in aller Kürze: der österreichische Wein hat (wieder einmal in unserer Runde) gewonnen. Für die Details zur Probe einfach weiterlesen.

  • Weststeirischer gelber Muskateller Jöbstl 2013
    knackig, trocken, feine Muskatellernase, überhaupt nicht aufdringlich oder parfümiert. Es wurde diskutiert, ob Muskateller in der Ausbauart den Sauvignon-Blanc ablösen können – der wird oftmals zu fett und zu breit ausgebaut. 6,80 Euro; 11,5% A (Tipp: Schilcher vom gleichen Weingut) ++
  • Grauer Burgunder J2 2013 Rheinhessen Becker Landgraf
    12% A, erstaunlich opulent, breit, tolle Nase, Exotenfrüchte, gestützt von jugendlicher Frische, noch ungestüm „bizzelnd“. Wir befürchten, dass mit zunehmenden Alter die Frische verloren geht, und nur die Opulenz bleibt, also gleich trinken. 7,80 Euro (zur Zeit im Angebot bei Mövenpick für 6,50 Euro). Beim anschließenden Menü hat sich der Wein übrigens als hervorragender Essensbegleiter herausgestellt; sowohl zur scharfen Thaisuppe als auch zu eher strengeren Ziegen- und Schafskäsen. +(+) Zum Weingut  Becker Landgraf gehts hier.
  • Grüner Veltliner Hefeabstich, Wimmer-Czerny Wagram  2013
    Demeter, 11,5 % A, pfeffrig im Abgang, aber zur kurz, leider sticht die Hefe auf Dauer zu stark raus, sicher nicht jedemanns Geschmack. Sei angeblich in früheren Jahrgängen nicht so aufdringlich gewesen 7,90 Euro. Zum Weingut.
  • Grüner Veltliner Niki Windisch Weinviertel DAC 2013
    12,5% A, Noten vom knackigen Apfel , weißer Pfeffer, trotzdem erstaunlich dezent und feingliedrig,  sehr klar und spitz. 6,50 Euro +++ Zum Weingut.
  • Grüner Veltliner vom Löss Weingut Hellmer Fels a. Wagram
    Gekauft als 2013, auf dem Etikett mussten wir nun 2012 lesen (aufgrund der jugendlichen Frische, entschieden wir aber, dass vermutlich falsch etikettiert wurde) , 12,5% A, im Vergleich zum vorherigen etwas weniger Pfefferl, dafür eine schlanke, aber kräftige  Säure ++(+). Zum Weingut.

Damit war die weiße Runde beendet. Die beiden grünen Veltliner haben wieder mal ihre Klasse in der Kategorie der leichteren, frischen und jungen Weine bewiesen. Der Graue Burgunder hat sich im Laufe des Abends noch viele Freunde zum Essen gemacht.

  • „Pipoli“ Aglianico del Vulture, Weingut Vignetti di Vulturi, Acerenza, 13,5% A, Eingekochte rote Frucht, röstig-kirschige,  tanninig, wirkt auf mich kantig und bissig, es gibt jedoch auch positive Bewertungen, 6,90 Euro , ich finde ihn zu eindimensional . Eine genaue Beschreibung (pdf) befindet sich hier bei einer Händlerin. Auch bei diesem Wein wird sich zum und nach dem Essen herausstellen, dass er durchaus seine Qualitäten hat. Vermutlich spielt eine Rolle, dass er er als erster Roter schwer hatte gegen die frischen Weißweine.
  • Li Veli Passamante, Negroamaro Salice Salentino Famiglia Falvo
    nasser Hund, krautig in der Nase, aber samtig im Abgang, 14% A,, zu wenig Körper für zu viel Alkohol,  9 Euro. Die Weinbeschreibung gibt es beim Weingut hier.
  • Primitivo 2011 Salento
    dick und wenig Struktur, 16 euro, 14% A. Eine absolute Preis-/Leistungsenttäuschung darum wird hier auch kein Wort mehr darüber verloren.
  • Rosso di Montepulciano Polziano 2011
    14,5% A, nichtssagend, leicht brandig, was bei diesem Alkoholgehalt nicht verwundert. Ich war etwas enttäuscht, denn vor einigen Jahren habe ich sehr gerne Poliziano getrunken und hatte eine gewisse Erwartung an die Qualtität, 
    9,80 Euro. (Vorab konnte ich beim Weinland Mövenpick auch den Vino Nobile probieren, den habe ich besser in Erinnerung da er einen wesentlich dichteren und komplexeren Körper hatte, was man ja auch erwarten dürfte, allerdings für 9 Euro teurer…) .  Quelle: Mövenpick Wein.
  • 2010 Vigna dei Pini Rosso, Bolgheri DOC, Tenute Ambrogio & Giovanni Folonari
    Französisches Cuvée aus Merlot, Cabernet-Sauvignon, Cabernet-Franc. Sehr schade, keine Vision, Frucht und Nase sehr zurückgedrängt. Um den Wein weiter zu öffnen haben wir ihn noch in eine Dekantierkaraffe umgefüllt, dies hat aber dazu geführt, dass in der Nase Töne von Lösungsmitteln aufdringlich wurden. Quelle: Mövenpick Wein.

Bestehen konnte auch während des Essens der erste Rote, der Aglianico del Vulture für nur 6,90 Euro. Italien bleibt als Weinland schwer; evtl. waren die Weine auch zu jung; vielleicht hätten wir doch einen Chianti haben sollen… die nächste Probe kommt bestimmt.

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