Stell dir vor, du gehst auf eine Weinmesse und das erste, was du findest ist Feinmechanik. Nein, kein filigraner Wein, sondern Metall, Gewinde und Handkurbeln. Damit zäumst du eigentlich eine Weinmesse von hinten auf, denn gedacht ist die handgefertigte Maschine zum Ausgießen von Weinflaschen. Einfach reinlegen die Flasche und kurbeln, denkst du, ist auch richtig, aber der Trick dahinter ist interessant: Vor allem bei größeren Weinflaschen ändert man aufgrund des Gewichts beim Ausschenken, den Winkel in dem man die Flasche hält. Dadurch kommt der Wein in der Flasche durcheinander, was manch sensibles Gäumchen verwirren kann. Um das zu vermeiden, hat der Feinmechaniker nachgedacht und eine Maschine gebaut, die den Winkel beim Ausschenken konstant hält und zweitens Flaschen bis zur einer Größe von 18 Litern aufnimmt. Das Gerät ist natürlich ein Hingucker,

exquisit handgearbeitet und kostet so viel, dass ich mir mehr als 150 Flaschen Wein (zu meinem üblichen Durchschnittsausgaben) dafür kaufen könnte, in der kleinen Version (bis 5 Liter). Für denjenigen, der sich aber kistenweise Flaschen im dreistelligen Euro-Bereich leistet und seinen Weinfreunden im vom Architekten designten Weinkeller schon alles gezeigt hat, sicherlich das Richtige und noch fehlende Accessoire.

Forum Vini Weinmesse München

Magnumaster aus Österreich: Feinmechanische Präzision sorgt für sensibles Ausschenken; lieferbar und flexibel inunterschiedlichen Ausführungen für Flaschengrößen von 0,75 bis 18 (!!!) Liter.

Der erste Wein: ein Blaufränkisch

Probieren durfte ich aus dem Gerät oder natürlich vielmehr aus der Magnumflasche, die mittelst des Geräts ausgeschenkt wurde, einen Burgenländer Blaufränkisch, der hervorragend schmeckte – ob nur der Winzer dran schuld war oder auch die Ausgießmechanik weiß ich leider nicht.

Ein paar Schritte weiter traf ich auf ChiantiRock (Webseite derzeit nur auf Italienisch); leider habe ich mich nicht getraut, die als Ölbilder verfremdeten Portraits bekannter Rock- und Pop-Gitarristen auf den Geschenkverpackungen zu fotografieren (Urheberrechte, inkl. Persönlichkeitsrechte der Musiker, gaaanz große Vorsicht…). Aber die Idee und das Logo des Weinguts sind schön; fotografiert mit Genehmigung der Aussteller; zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Wein nicht probiert habe. Chianti nach Blaufränkisch vor grünem Veltliner, so der Plan, eher schwierig.

Weinmesse München Forum Vini

Gitarristen als Hingucker. Hier das Logo des Weinguts. Die Geschenkverpackungen waren noch künstlerischer.

Der Birnenfrizzante aus der Südoststeiermark wurde mir aus einer unscheinbaren Flasche ohne Ausgießmechanik Flasche kredenzt; ein etwas anderer Einstieg in die österreichische Weinwelt, die sich diesmal links hinten versammelt hatte, anders als die gefühlten 32 Jahre zuvor, wo sie immer direkt gegenüber des Eingangs zu finden waren. Wem Cidre zu kräftig ist, wer Pro Secco oder Frizzantes schon genug getrunken hat, wer mal etwas fruchtbetonteres möchte, ohne Süße ist mit dem Birnenfrizzante, zum Beispiel als Aperitiv zu einem Mittagessen an einem warmen Sommertag genau richtig – die fünf Prozent Alkohol machen ihn dafür umso geeigneter.

Im Anschluss folgten die unvermeidlichen grünen Veltliner; herausheben möchte ich den Biowein Reipersberg 2016 von Ewald Gruber aus Röschitz, füllig, kräftig, nachhaltig ohne das frische und knackige des grünen Veltliner zu verraten. Mehr als ein einfacher Wein, aber kein übertriebener Wein. Überhaupt hat sich das Weingut erstaunlich entwickelt in den letzten Jahren.

Nun kam ein Schilcher Junker von Langmann, also Jahrgang 2016 aus dieser besonderen weststeirischen Sorte, ein Jungwein, der die sowieso schon intensive Ausprägung noch verstärkt.

Trinken, wenn man da ist

Diskussionen, ob jetzt ein Schilcher nach einem feinen Weißwein als Übergang zum Rotwein passt, sind theoretischer Natur – ich meine nicht mehr, eine Weinmesse fein säuberlich über mehrere Stunden in Weiß, Rose und Rot aufteilen zu können. Zu viel wird ausgeschenkt, zu viel getrunken, zu wenig ausgespuckt – was man sich für später aufhebt, probiert man leider an dem Tag nicht mehr. Geübte Trinker sollten mit Wasser und Brot (ja einfaches Brot) in der Lage sein, ihre Geschmacksknospen und die entsprechenden Hirnwindungen wieder zu justieren, wenn auch nicht auf Null zu setzen. Eine Weinmesse ist anstrengend, weshalb ich auch davon absehe, einen zweiten oder gar dritten Tag zu kommen – das wäre sehr professionell und ich bin ja nur Hobbytrinker.

Der Schilcher ist vergnüglich, wenn auch kein typischer Wein, zumal nicht als Jungwein, erdbeerig in der Nase, sauer im Geschmack, ebenfalls für einen heißen Sommertag geeignet. Der Schilchersekt von Langmann zeichnete sich dann durch feineperlige Kohlensäure, leicht nussigen Geschmack und herbere Fruchtnoten aus, ein wirklich feiner Sekt; in der Ferne vielleicht schon mit leichten Alterstönen angehaucht, noch nicht störend, aber zum schnellen Trinken mahnend.

Hier noch ein Hinweis, falls der Text zu lange wirkt: ich führe gar nicht jeden Wein auf, den ich getrunken habe. Manche sind es einfach nicht Wert gewesen, sich an sie zu erinnern, manche ordentliche Weine haben für eine Zusammenfassung nicht herausgeragt. Das ist sind sehr persönliche Verkostungsnotizen, die sich an Erinnerungen, Erfahrungen und neuen und alten bekannten Weinen, Winzern und Händlern orientieren und manchmal einfach auch am Zufall.

Rotwein aus Österreich

Nun also die Roten: seit Jahren darf der Keller nicht mehr ohne Limbeck aus dem Burgenland bleiben. Konstante Qualität über die Jahrgänge, rebsortentypischer Ausbau, ausgewogen und feinwürzig, hier zeigt auch der Zweigelt, was er kann, ohne übertrieben mehr zu wollen. Auch der St. Laurent geht in die Richtung. Ein Unentschieden mit Limbeck gibt es zwischen dem Zweigelt Lauschen und St. Laurent Galgenberg. Ich entscheide mich knapp für die jahrgangsgleichen 2015er Weine aus dem Weinviertel; der Blaufränkisch muss natürlich aus dem Burgenland sein.

Deutlich über der 10-Euro-Marke – ja man darf, muss und sollte auch über die Kosten sprechen, oder vielmehr das Preis-Genuss-Verhältnis – liegen die genannten Winzer mit ihren internationalen Rotweinrebsorten. Hervorragend der Pinot Noir von Limbeck, modern ohne modernistisch zu sein, zeigt dieser Wein wieder vielen Traditionalisten, was Pinot Noir kann, ohne die Rebsorte zu verraten (20 Euro).

Natürlich muss im Burgenland bei dem Klima auch Syrah ins Spiel kommen, Spielerei nennt Limbeck dann auch seinen Cuvee aus Syrah, St. Laurent und Merlot; ein kräftiger, aber nicht übertriebener Wein (für nur 10,50) und der Klassiker CSM (Leser werden es ahnen: Cabernet-Sauvignon und Merlot), sehr kräftig, (15 Euro). Die 20-Euro Marke reißt dann zurecht zum Schluss der Cuvee Royale von Gruber mit einer Mischung aus Zweigelt und Merlot. Beide Rebsorten sehr gut verbunden, würzig, kräftig ausgebaut, lang anhaltend; akzeptables Preis-Genussverhältnis. Das können österreichische Winzer mittlerweile auch. Alle aufgeführten Weine sind bei Österreichische Weinspezialitäten Gruber erhältlich.

Weinmessen: Was sich in 33 Jahren ändert

Obwohl sich der Charakter der Messe in 33 Jahren verändert hat, obwohl an Ständen vereinzelt über zu wenig Besucher geflüstert wird (wohlgemerkt, 18 Uhr am ersten Messetag, die Halle ist gerade mal seit 3 Stunden geöffnet), sind Grubers treue Ausssteller, wie ich weiß. Insbesondere Stammkunden, auch ich ein bisschen, tragen seit Jahrzehnten zum Messeerfolg der Grubers bei, erzählen sie mir. Ich betrat die Messehalle (es waren vor einigen Jahren auch schon mal zwei) am Freitag, dem ersten Messetag, um 18 Uhr. Trotz kurzer Wartezeiten an Garderobe und Glasausgabe war der Andrang in der Halle eher punktuell auf einzelne Stände fixiert, als generelles Gedränge.

Im Vergleich zum Weinherbst auf der Praterinsel wohltuend, nicht immer fremde Ellenbogen in der Seite oder alkoholischen Atem direkt im Nacken zu haben. Nicht verleugnen lässt sich wohl, dass das Forum Vini vor mehr als 30 Jahren Trendsetter in Sachen Wein war (ich erinnere mich an das Gedränge im Löwenbräukeller, wie jetzt auf der Praterinsel), und die Konkurrenz an Veranstaltungen mittlerweile groß ist – am gleichen Wochenende fand zum Beispiel auch die 089Spirits statt, eine Sprituosenmesse. Trotzdem, wenn ich mir die Menschenmengen auf der Praterinsel, die Interessenten auf dem Forum Vini und die Weinläden in München ansehe, scheint eine Konsolidierung noch in der Ferne zu liegen. Von der Boomtown München profitieren damit nachweislich auch Winzer und Weinhändler.

Weinmesse München Forum Vini

Man beachte: es gibt Stände mit Andrang, trotzdem bleibt Luft zum atmen und Raum zum Gehen. Das ist, zumindest für interessierte Besucher, positiv. Das Bild entstand ca. 4 Stunden nach Messeöffnung am ersten Messetag, sollte also als Momentaufnahme gesehen werden.

Mit dem Trend zum Wein folgen natürlich auch die entsprechenden Accessoires, nicht nur der Eingangs erwähnte mechanische Aussschenker. Als Geschenkverpackung zum Wein kann bei Baric etwa auch ein Eichenbalken gewählt werden, der eine Flasche, bis auf das Etikett umhüllt. Wie man an den Wein drankommt habe ich mir zum Verdruss der Verkäuferin nicht erklären lassen. Es soll ja eine Überraschung bleiben – Kettensäge wird man vermutlich keine brauchen.

Neben den Accessoires spielt auch das Essen eine immer größere Rolle auf dem Forum Vini hinten Rechts vom Eingang aus gesehen, aufgrund der Düfte nicht zu verfehlen. Ein Verlockung nach mehreren Weinproben, allerdings weiß ich aus Erfahrung, das derber Salami und Knoblaucholiven den Geschmack für mindestens einen halben Tag verderben. Einkaufen ja, probieren nein, wer will das schon. Mich wundert ja, dass sich in dem Duft von gebackenen Käse überhaupt noch Weinaussteller in die Nähe wagen.

Es ist vielleicht auch gar nicht die Größe einer Weinveranstaltung, zufällig neu entdeckte, offenbar sympathische Anbieter bleiben außen vor: schade, dass ich es nicht mehr zu dem dem freundlichen Schweizer der Bergerie der Fenouillet aus Südfrankreich geschafft habe, die Liste liest sich interessant.

Noch ein paar weitere erwähne ich in einer Fortsetzung: der zweite Teil meines Forum Vini Besuchs.

Offenlegung: Als Blogger, der ab und zu auch über Wein schreibt, erhielt ich nach mehreren Nachfragen eine kostenlose Tageskarte von der Messeorganisation.

Ein Gedanke zu „Forum Vini zum 33. Mal: Weinmesse in München

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