Geschrieben von Markus am 14.04.2010
Am vergangenen Wochenende fand in München zum dritten Mal die WeinMünchen statt. Bei dem Andrang der herrschte, hätte man fast glauben können, die weit und breit einzige Weinveranstaltung in München für das restliche Jahr – was nicht sein kann, denn an gebiets- und länderübergreifenden größeren Weinmessen gibt es München über das Jahr hinweg mindestens vier. Aber offenbar lockte das kühle Wetter und die zentrale Lage Münchens Weintrinker alle in die beengten, schlecht belüfteten Räumlichkeiten im ersten Stock der Residenz. Folge war als Begleitmusik zum Weinprobieren das Klirren zerschellender Gläser und Flaschen, die Besucher (und Aussteller) in dem Gedränge von den viel zu kleinen Präsentationstischen stießen. Da ist für nächstes Jahr ein neuer Veranstaltungsort fällig, der dann vielleicht auch einen etwas freundlicheren Eingang bietet (nur so ist das ForumVini auch groß und dauerhaft geworden).
Totzdem ist es unserem “Probierkommando” gelungen, auch in dieser Enge ein paar lohnenswerte Tropfen zu entdecken. Hier eine (nicht vollständige) Probenliste:
- Weingut dh aus Essingen in der Pfalz
Der Sauvignon-Blanc, eine Spätlese trocken 2009, beeindruckte auf den ersten Riecher und Schluck durch seine grün-sauren Noten nach Stachelbeere, Paprika und frischer Ananas. Leider fehlt dem Wein der Druck durch Säure und Stoffigkeit, diesen ersten Eindruck nachhaltig weiterzuführen. Dennoch ein vergnüglicher Tropfen für Leute, die einen etwas charaktervolleren Weißwein suchen, der nicht zu kräftig ist.
Beim Riesling ‘Terroir M’ ebenfalls eine trockene Spätlese 2009 fehlte uns die Spritzigkeit und Säure – vielleicht typisch für die Gegend, aber leider nicht unser Geschmack.
- Der www.weinfreund-muenchen.de schenkte Weine des Weinguts Pröglhof aus dem Weinviertel in Österreich aus.
Die probierten Grünen Veltliner small pepper 2009 und DAC Klassik 2008 zeichneten sich beide durch eine nachhaltige Nase nach grünem und weißem Pfeffer aus; ersterer noch deutlich mehr. Dennoch fehlte beiden die Kraft, dieses intensive Aroma auch mit dem Wein in Verbindung zu bringen.
Der Rosé mit dem Namen “Der Unentschlossene” war interessant mit einem leichten Erdbeeraroma ohne aufdringlich zu sein. Kalt getrunken ein schöner Sommerwein.
- Beim Arkadenhof Hausdorf aus Neudegg in Wagram, Österreich, überzeugte uns am meisten der Grüne Veltliner Wadenthal 2009 für 6,40 Euro. Ein typischer Vertreter seiner Klasse, in sich stimmig.
- Eine spannende Entdeckung aus Südfrankreich die Weine der Domaine du Grand Fontanille, die alle als Vin de Pays Bouches-du-Rhone (Barrique) oder Alpilles angeboten werden. Herrlich kräftige Rotweine mit dem Macchia- und Kräuterduft des warmen Südens gepaart mit den kräftigen Aromen dunkler Beeren. Am besten gefiel vor dem Cuvée St. Gabriel 2001 (40% Grenache 60% Syrah) der 2003er (5% Grenache, 30% Cabernet-Sauvigngon, 65% Syrah).
- Ab jetzt gehts an die Mosel. Der trockene Riesling S Mühlheimer Sonnenlay von Bottler aus Mülheim wird angeblich sogar beim Bundespräsidenten ausgeschenkt, bekam aber für den Jahrgang 2009 von mir nur zwei Sterne, während es der Blauschiefer Riesling Kabinett auf drei Sterne brachte. Sehr gut auch der Winzersekt Brut.
- Sehr guten feinperlige Riesling-Sekt und hervorragende Auslesen gab es beim Weingut KranzJunk aus Brauneberg: 2007er Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Riesling Auslese kräftige Süße und schönes Säuregerüst, die 2006er Beerenauslese bot nochmal mehr Aromen und Süße, hatte aber nicht die kräftige Säure zur Abrundung.
- Das Weingut Gerlachs Mühle aus Kobern-Gondorf an der Mosel machte durch den “Dangerous Riesling” auf sich aufmerksam; ein feinherber und halbtrockener Riesling, der (vor allem) durch sein Etikett wirkt (das ich mir hier gestatte im Sinne des Winzers darzustellen).
Dazu schreibt der Winzer, zitiert von seiner Homepage: “Mit diesem Logo möchten wir auf die Deklarationswut der EU anspielen, welche alle alkoholischen Getränke in eine Waagschale schmeißt. Aus unserer Sicht ist Wein ein jahrtausende altes Kulturgetränk, welches man nicht mit den modernen Alkoholika vergleichen kann. Mit diesem Label versuchen wir eben dies mit ein wenig Humor darzustellen.”
Als Wein hat mich der “Stehkragen” Riesling QbA 2009 mehr beeindruckt. Der wirklich trocken war und eine deutlich Säure besaß. Auch der Riesling Sekt Brut überzeugte.
Ein weiteres Highlight waren die Klaren aus Nachbars Brennerei: Sowohl der Weinhefebrand aber vor allem der Williams-Christ und der Mirabellen-Brand überzeugten durch klare Noten und einen fein eingebundenen Alkohol (weitaus gefährlicher als der Riesling
- Sehr sympathisch und mit hervorragenden Weinen präsentiert hat sich auch das Weingut Kochan aus Lieser. Auch hier konnte der Riesling Sekt brut von der Mosel seine Klasse zeigen. Ein fülliger und komplexer Riesling mit einem idealen Säuregerüst war der Riesling Alte Reben trocken 2008. Nicht so kräftig aber mit vergleichbarer Struktur und mineralischen Anklängen präsentierte sich der 2009er Veldenzer Krichberg Riesling Kabinett trocken. Sehr aromatische Süße mit vielfältigen süßen Obstnoten zeigte die Riesling Spätlese Veldenzer Kirchberg feinherb, allerdings fehlte mir hier etwas die Säure. Damit haben die Moselwinzer gezeigt, dass dorthin mal eine Reise fällig ist.
- Den Abschluss bildeten nach knapp drei Stunden drei kräftige Rotweine des Weinguts Kraft aus Rust vom Neusiedlersee in Österreich: Der “Story of the Year”, abgekürzt SOTY 2007; eine Cuvée aus Blaufränkisch,Cabernet-Sauvignon und Merlot; kräftige Tannine und dunkelrote Früchte. Eine Steigerung durch intensiven Holzeinsatz bei gleichem Cuvée bot der Red Magic mit üppigen Holzaromen und süßen Anklängen an Marmelade, nicht zu unrecht auch als Zigarrenwein vermarktet. Und den fulminanten Abschluss bildete das Kraftwerk No. 11 ein Cabernet-Sauvignon der glücklicherweise nur in gebrauchtem Holz ausgebaut wurde – die Kraft kommt deshalb nicht nur vom Holz, sondern auch vom Wein selbst: Schoko und dunkle Beeren mit langem Abgang. Lecker!
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Geschrieben von Markus am 16.03.2010
Zur Verkostung standen die Jahrgänge 2000, 2002 und 2005 von Moss Brothers. Die Weine wurden allesamt beim Australian WineStore erworben, der 2005er kostet dort derzeit 19,90 Euro. Auf der Webseite des WineStore befinden sich auch Details zum Anbaugebiet Margaret River in Westaustralien. Die Weine wurden eine gute Stunde vor den ersten Schlucken geöffnet, dabei konnte nur der 2005er in punkto Geschmack überzeugen. Nach der Stunde präsentierten sich die Weine anders.
Interessant vor allem der 2000er, der sich zunächst verhalten zeigte, dann aber immer interessantere Geschmacksnuancen hervorbrachte: Eukalyptus im Vordergrund, Zeder und Tabak leicht darunter. Der 2005er, als jüngster in dem Trio, war der typische Übersee-Syrah, der einen zunächst durch seine überbordenden Aromen und Geschmäcker nach dunklen roten Beeren gemischt mit Vanille und Röstaromen vereinnahmte, dann aber durch seine, man kann fast sagen Plumpheit, an Faszination verlor. Stattdessen holte der 2000er auf, dessen Charakter mit zunehmenden Lufteinfluss immer deutlicher wurde: Immer klarere Aromen wie heiße Vegetation verliehen dem Wein die Ecken und Kanten, die einen Charakter ausmachen. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der 2002er auch Stunden nach der Öffnung nicht weiter: weder entwickelte er die Üppigkeit des 2005ers, noch entwickelte er eine Differenziertheit wie der 2000er.
Zum stark angebratenen und scharf gewürzten Steak passten sowohl der 2000er als auch der 2005er – beide besaßen (noch) genug Kraft um sich gegenüber den starken Aromen des Essens zu behaupten. Der 2005er als Essenbegleiter wohl eher etwas für diejenigen, die zu Hirsch oder Wienerschnitzel auch gerne mal ein Töpfchen Preiselbeeren zusätzlich ordern, während 2000er den intensiven Geschmack des Fleischs durch klare Aromen ergänzte, also eher für die, die auch mal genau hinschmecken.
Summa summarum ist der 2000er wohl auf dem Zenit seiner Entwicklung angekommen (wenn er ihn nicht schon überschritten hat), der 2005er verträgt vermutlich noch bis zu zwei Jahren, während der 2002er eigentlich nur noch die Chance hat, sich zu entwickeln, wobei nicht klar ist wohin, wenn er es überhaupt schafft. Interessant wäre gewesen, den 2002er ohne den vergleich mit seinem älteren und jüngeren Bruder zu verkosten, vielleicht mit anderen Shiraz gleichen Jahrgangs aus der gleichen Gegend – das nächste Mal dann.
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Geschrieben von Markus am 06.03.2009
Da fragt man sich (leider wieder einmal), wie Politiker Gesetze machen. In aller Kürze: Die französische Regierung möchte das “Flatrate-Trinken” unter Jugendlichen verbieten, eigentlich erstmal ein sinnvoller Ansatz – zumindest um die Symptome zu kurrieren (dass an den Ursachen gearbeitet wird, erwartet man ja erstmal gar nicht). Dass mit dem Gesetz dann aber auch quasi jeder Alkoholausschank, der pauschal bezahlt wird, verboten würde, haben die Paragraphenschreiber des Justizministeriums dann nicht zu Ende gedacht. Die Winzer mussten zwangsläufig auf die Barrikaden gehen, weil damit jede pauschal bezahlte Weinprobe verboten würde. Details dazu gibt es ausführlich bei Spiegel online.
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Geschrieben von Markus am 21.02.2009
Schwarze Katze 2006 aus 60 Prozent Zweigelt und 40 Prozent Merlot mit 13,5 Prozent Alkohol, Preis ca.20 Euro. Betrende Nase, vielschichtig: tiefe rote Frucht (saure Johannisbeere), Kaffee, Zeder, wrzig, leicht mentholisch, Wrze bleibt im Abgang erhalten, Tiefe fehlt etwas, evtl. zu jung.
Produziert und vermarktet von neun Winzerinnen aus Gttlesbrunn in Carnuntum unter dem Namen “schwarze Katze”. Dazu gehren Grassl Susanne, Gral Maria, Markowitsch Christine, Netzl Christine, Oppelmayer Barbara, Pitnauer Edith, Wiederstein Margarete und Birgit. Sie stellen jeweils ein Fass ihres besten Weines fr diese Cuve zur Verfgung. Mehr zu den Winzerfrauen auf der Homepage www.schwarzekatzen.com, die leider keine Informationen zu dem Wein bietet. Schade auch, dass die Web-Adresse auf dem ansonsten sehr schnen Etikett falsch angegeben ist.
Mehr ber Katzen in der Kulturgeschichte des Weines gibt es brigens hier bei Vinaria.
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Geschrieben von Markus am 08.02.2009
Montefino Tinto Riserva Vinho Regional Alentejano 2004 (Francisco B. Fino in Monte da Penha), 13% A, Rebsorten: Aragonès (=Temparanillo), Touriga Nacional, Trincadeira, Alicante Bouschet, ein Jahr ausgebaut in Eichenfässern: schlanke Würze, fleischig, fruchtig, dichte Tannine, Mövenpick 8,90 Euro. Weitere Infos zum Weingut unter: www.montedapenha.com
Periquita 2005 Vinho Regional Terras do Sado (Jose Maria da Fonseca in Azeitao), 13% A, Rebsorten: Castelao, Trincadeira, Aragonès, ausgebaut vier Monate in gebrauchten und neuen französischen und amerikanischen Eichenfässern: bissiger, tanning, extrem, 7,50 Euro. Weitere Infos zum Weingut unter: www.jmf.pt , nicht erschrecken, zum Starten der Seite muss man erst sein Geburtsdatum (Geburtsjahr reicht auch) eingeben, um zu bestätigen, dass man bereits Alkohol trinken darf… Die Seite ist extrem “animiert” und im Hintergrund läuft Musik. Auf der Seite ist auch erkennbar, dass es sich bei dem Produzenten um ein portugiesisches Spirituosenimperium handelt.
Quinta da Espiga 2007 Vinho Regionla Estremadura, (Casa Santos Lima in Quinta da Boavista) 12,5% A, Rebsorten: Castelao, Tinta Roriz, Touriga Nacional und Syrah, ausgebaut in Zement- und Stahltanks und anschließend drei bis vier Monate in Barriques: “westiberischerer Duft”: nasse Wollsocken und Macchia, geschönt, vordergründig fruchtig. Weitere Infos zum Weingut unter: www.casasantoslima.com
Septimus 2005 Vinho Regional Terras do Sado (Jose Maria da Fonseca in Azeitao, s.o.) 13% A, Rebsorten: Castelao, Trincadeira und Aragonès: Schöne warme Frucht, dezent , wenig Farbe, Wenig im Abgang, nicht richtig spannend, Rossmann 4,95 Euro. (Die oben angegebene Webseite zu dem Weingut führt diesen Wein übrigens nicht auf und sonst findet das Internet ihn auch nur bei Rossmann.)
Jean-Raphael Two Hills Cuvée Noir 2006, Rheinhessen (Weinhaus J.R. Buscher in Bechtheim), 13,5% A, Rebsorten: Schwarzriesling und Pinot Noir. Abgesehen davon, dass dieser Wein es in die Portugalprobe geschafft hat, war er auch gleich noch die Überraschung des Abends (Was, möglicherweise, auch daran gelegen haben mag, dass unseren zentraleuropäischen Gaumen die Abwechslung uns bekannter Rebsorten gut getan hat…;-) Grund für diesen “deutschen Einschub” war, dass es auf der Weinmesse in Erding keinen zweiten guten Portugiesen zu entdecken gab.
Herdade dos Lagos Vinho Tinto 2005, Vinho Regional Alentejano (Herdade dos Lagos Sociedade Agricola in Mértola) 13,5% A, Rebsorten: Syrah und Aragonès ausgebaut in Stahltanks und “nachheriger leichter Reifeaufenthalt in französischen und amerikanischen Barriques” (2006), so die Webseite. Sauer im Abgang, fruchtig dicht, vgl. 1 Stilistik ähnlich. Mövenpick 8 Euro. Mehr Infos zum Weingut unter www.herdade-dos-lagos.com
Marques de Borba 2007 DOC Alentejo (Ramos Vinhos aus Estremoz) 13,5% A, Rebsorten: hauptsächlich Aragonès und Trincadeira ausgebaut ein Jahr in Stahltanks und ein zweites Jahr in Barriqes: typisch, Sauerkraut, 12,60 Euro. Mehr Infos zum Weingut auf der deutschen Webseite unter http://www.jportugalramos.com/de/home.htm
Crasto 2006 DOC Douro (Sociedade Agricola Quinta do Crasto in Sarrosa), 14% A, Rebsorten: Cuvée aus Tinta Roriz, Tinta Barroca, Touriga Franca und Touriga Nacional, die separat ausgebaut wurden: Rumtopf, Zwetschge, sehr (zu?) freundlich, 10 Euro. www.quintadocrasto.pt
Monte Barrao 2006 Vinho Regional Alentejano, (Sociedade Agricola do Monte Barrao),14,5% A, Rebsorten: Trincadeira und Aragonès und Tinta Caiada (Laut Händler: Petit Verdot (44%), Touriga Nacional (34%), Alfrocheiro (22%)). “Hintenach fehlt was”, ansonsten: Minze, Eukalyptus… 13,80 Euro
Durch einen penetranten Korkschmecker hat sich leider der Catedral 2005 aus der Region Dao aus der Probe katapultiert.
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