weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for April, 2007

Weine aus aller Welt zu W.s Geburtstag

Posted by Markus

Lieber W. von dieser Stelle nochmals alles Gute und herzlichen Dank für die vielfältigen Weinerfahrungen, die du uns bisher und auch zu deiner Geburtstagsweinprobe beschert hast. Mit Weinproben ist es ja manchmal wie mit dem Leben: oft Durchschnitt, manchmal überraschend, wenn es gut geht, was wir Dir und uns wünschen, öfter positiv als negativ - wichtig ist in jedem Fall das Probieren! Und dazu hatten wir ja bisher ausreichend Möglichkeiten. Hier der (subjektive) Tagessieger: 2004er Deidesheimer Mäushöhle Riesling Auslese, ein in puncto Frucht-Süße-Säure-Spiel optimal abgestimmter Süßwein (siehe ganz zum Schluss). Sofern nicht anders angegeben, stammten alle Weine von Tesdorpf.

Weingut Stadt Krems, Lössterassen, Grüner Veltliner 2006, 12% Alk., nicht die markanteste Nase, Abgang cremig, fast “grauburgundisch”, deutliche Noten nach Pfeffer und grüner Paprika, 6,90 Euro.

La Porte de Caillou, Sancerre 2006, Henri Bourgeois aus Chavignol-Cher, 12,5% Alk., leicht petrolig in der Nase, wenig deutlicher Sauvignon-Blanc, Nase lässt mehr erwarten, leicht cremig. Bei 15,90 Euro kann man jedoch nicht mehr von einem angemessenen Preis-/Genuss-Verhältnis sprechen.

Sauvignon-Blanc/Chenin Blanc, Coastal Region, Südafrika, Manorhouse, Buitenverwachting, 2005, 13%, süssliche Alterstöne, Akazie, 10,90 Euro. Ein knackiger, spritziger Sauvignon-Blanc hat einfach keine lange Lebenserwartung!

“Der erfolgreichste Bordeaux aller Zeiten.” Kommentar der Geburtstagsrunde: “Fragt sich nur für wen…”. Reserve Mouton-Cadet, 2005, Médoc, Paulliac, 13% Alk., fleischige Nase, zu tanninig, bissig, Körper fehlt, 12,80 Euro.

Casa de la Eremita, Temperanillo/Monastrell/Cabernet-Sauvignon, Crianza, 2002, Murcia, Spanien, aus Jumilla (Nähe Valencia), 13,5 Alk., preiselbeerig, rauchig, zuuuu fruchtig, überreif, Rumtopf, Kokos, Zartbitterschockolade, leicht brandig, zu wenig Körper für die Komplexität, 10,90 Euro.

Chateaux Caronne Ste.-Gemme 2003, Haut-Médoc von Nony-Borie aus St. Laurent, 13% Alk., schöne Nase aber vordergründige Röstaromen, scharze Johannisbeere, Mokka, 16,50 Euro.

Camden Park, Australia 2004, Shiraz/Petit Verdot, South-East Australia, 13,5% Alk., Vanille, röstig, sauer, wie Johannisbeerwein, erstaunlich schwach!

Vertente Douro, Portugal Douro 2004, Niepoort, 13,5% Alk., wie “Kaffehaus” (Walter S.), auf den ersten Eindruck süßlich, Beerensirup, Nase und Mund passen zusammen, feinwürzig und dicht, Tannin, dunkle Schokolade, 22,90 Euro. Später: wird stimmiger und rundet sich ein, dieser Wein muss dekantiert werden!

Zonchera 2001, Barolo aus Ceretto, Italien, 14% Alk., bräunliches Rot, dünn, 29,90 Euro. Sauerampfer, sehr dünn, ohne Körper, vordergründige Beere, ein Hauch von Gummi, Barola im alten Stil!

Penfolds Bin 407 2003, Cabernet-Sauvignon, tiefdunkles Rot-Schwarz, 14,5% Alk. (!!!), 25,90 Euro. Ein stimmiger Wein, volle Nase, rund, passend, Teer, Tabak, Würze, nasses Leder, mächtiger Wein, vielschichtig, Sauerkirsch-Himbeer, eigentlich ein klassischer Winterwein!

Caro 2002, Mendoza, Argentien, Baron de Rothschild (Lafite) and Nicolas Catena, Cabernet-Sauvignon und Malbec, würzig, grasig und rauchig, weniger Röstaromen als vorheriger Wein, Eukalyptus, schmeckbar geschönt und getrimmt, 14% Alk., 34,00 Euro. Verkehrte Reihenfolge: der Penfolds hätte anschließend probiert werden müssen.

Télégramme 2003, Chateauneuf du Pape aus Bedarrides, Grenache/Syrah, dünne rosébräunliche Farbe, Lakritz, Sauerkraut, 39,90 Euro (!!!), Süße plus extreme Würze. Steht schon ein bischen typisch für die Region der südlichen Rhone. Hierbei handelt es sich um den Zweitwein des bekannten Vieux Télégraphe der Vignobles Brunier (Webseite erfordert Flash-Plugin). Zu erkennen ist dies u.a. daran, dass das Etikett des Vieux Telegraphe etwas ausgeblichen und spiegelverkehrt den Hintergrund für das Etikett des Telegramme bildet:

Etikett Télegramme von www.chateauneuf.dk

Les Tourelles de Longueville, 2003, Paulliac, 13,5% Alk., Nase überröstet, Geschmack zu viel Röstaromen, 26,90 Euro beim Gallier, Alkohol bleibt stehen, bleibt auch Sauer, mehr Körper als andere des heutigen Tages, lagerfähig, rundet sich wahrscheinlich ein.

La Réserve de Leoville-Barton, 2001, Bordeaux, St.Julien, 12,5% Alk., krautig, weniger Röstaromen, trotz wenig Alkohol ein wenig brandig, 28,50 Euro. Hohe Akzeptanz trotz bärbeissigkeit, Weichsel?

2004er Deidesheimer Mäushöhle, Riesling, Pfalz, Auslese, Weingut Dr. von Bassermann-Jordan, 19,90 Euro. Allgemeines “Oh” und “Ah”, deshalb will ich an dieser Stelle ausnahmsweise mal die Beschreibung des Hauses Tesdorpf für sich sprechen lassen:

“Was für eine betörend köstliche Versuchung kann doch eine schöne Riesling Auslese sein. Aus dieser kleinen Flasche fließt die ganze Klasse dieser Spezialität, von der feinen süßlichen Frucht nach Pfirsichen, Marillen und Apsikosen bis hin zur verführerischen Fruchtsüße am Gaumen mit ihrem rassigen Säurespiel und ihrer feinen Mineralität. Hier spürt man die volle Kraft des Riesling in seiner ganzen Faszination und seiner so filigranen Art. Umwerfend und zum »naschen« schön.”

Jetzt neu: mit Favicon

Posted by Markus

Ein Favicon ist das kleine Symbol, das beispielsweise in den Favoriten/Bookmarks individuell zu einer Seite angezeigt wird. Mich hat gestört, dass Wordpress hier standardmäßig eine leere weiße Seite anzeigt, deshalb habe ich das geändert - meine erste Tat in den Quelldateien von Wordpress und es hat tatsächlich nach dem zweiten Versuch funktioniert. Nur eine kleine, aber dafür schöne Änderung:

Favicon von Weintagebuch

Weinproben und Pressefreiheit

Posted by Markus

Ein Fundstück aus dem Archiv: Diese Antwort auf eine Frage in einer älteren Ausgabe der Zeitschrift Divino ist nie abgeschickt worden. Nach meiner Erinnerung ging es darum, dass die Redaktion von Divino nach einer Berichterstattung über eine Weinprobe im Hause Dallmayr von einer der folgenden Proben “ausgeladen” wurde (es ging wohl um diesen Beitrag: http://www.divino-muenchen.de/dallmayr.htm), . Die Frage war, inwieweit die Ausladung zu der Weinprobe mit der Pressefreiheit vereinbar sei. Leser wurden aufgefordert, Ursachenforschung zu betreiben. Hier ist meine Antwort nun, spät, aber doch und besser als nie:

“Als Public Relations Experte (allerdings für die Computerbranche), kann ich mir folgenden Hintergrund für die “Ausladung” vorstellen:

Der Artikel stellt ein Weinritual grundsätzlich in Frage, das für Händler viel Geld bedeutet, weil es die Bedürfnisse unkritischer, zahlungskräftiger Kunden befriedigt: Man gehört zu den auserwählten Ersten, die probieren dürfen, was andere nicht mal aus der Flasche bekommen (oder sich leisten können), es wird bewertet und wer in der Summe die meisten Parker- oder Dallmayr-Punkte eingekauft hat, ist nach Punkten der Beste. Über Geschmack dagegen kann (und muss) man sich streiten, Punkte dagegen sind eindeutig. Kritische Weintrinker geben dem eigenen Geschmack oder Vorstellungen vom Wein den Vorzug und dazu gehört weder, dass man einen Wein nach dem beurteilt, was aus dem jungen Fass kommt, noch wieviel Punkte er hat. Keine Chance für den jungen, erfolgreichen, aber ungeübten und vielleicht auch zu unkritischen Weintrinker zur Selbstdarstellung. Wenn also nicht ausgerechnet das Haus Dallmayr als Beispiel für die Generalabrechnung mit Subskription und Punkten hätte herhalten müssen, vielleicht würden Sie dann auch heute noch von Dallmayr eingeladen. Und nebenbei gesagt: rein aus Vergleichsgründen bin ich natürlich schon neugierig, welchem Fass oder welcher Flasche die meisten Punkte gegeben werden bzw. welches Tröpfchen die höchsten Preise erzielt. Umso mehr freut man sich danach nämlich über so manchen Geheimtipp seines Weinhändlers, über selbstentdeckte Winzer im Urlaub oder über die Qualität des offenen Roten.

Noch eine Anmerkung sei zum Schluss gestattet: Wer sich in Zusammenhang mit Einladungen zu Champagner-Proben auf das hohe Gut der Pressefreiheit beruft, sollte entsprechend hohe Maßstäbe auch an die journalistische Qualität seiner Zeitschrift legen. Warum taucht ausgerechnet zu einem Bericht über die 20-Jahr-Feier von Jacques Weindepot eine Werbung desselben auf? Warum wird im Artikel Toni Wallner als unabhängiger Experte an einer Weinschule ins Spiel gebracht, wo er doch der Partner des gemeinsamen Weinhandels mit Kursleiter Tom Engelhardt ist (nichts gegen die beiden, deren Kompetenz und Weinauswahl bei falstaff wir sehr schätzen)? Diese handwerklichen “Schnitzer” lassen mich jedoch skeptisch sein, was die Glaubwürdigkeit der Berichte angeht, bei denen ich die Details nicht so genau kenne - nicht nur bei Divino, sondern bei jeder Weinzeitschrift, eigentlich jedem Verlagsprodukt und im Internet erst recht.”

Sollte ich den zu Grunde liegenden Sachverhalt falsch wiedergegeben haben, was aufgrund der vergangenen Zeit möglich ist, bitte ich um Entschuldigung und Korrektur an dieser Stelle.