Sommerweinprobe am Sommerabend
Posted by MarkusNeun Weißweine, ein Schilcher und zum Schluss waren alle Flaschen leer. Wieder eine der eher seltenen Proben, bei denen sich alle Weine großer Beliebtheit erfreuten. Das Thema lautete diesmal ganz allgemein Sommerweine, ohne Spezifizierung der Region oder der Rebsorte. Dass dann eher leichte Weißweine auf den Tisch kamen versteht sich von selbst. Trotzdem mussten wir leider feststellen, dass auch für leichtere Weine aus bekannteren Regionen mittlerweile Preise zwischen 7,50 Euro und 10 Euro keine Seltenheit mehr sind. Nicht nur aufgrund seines günstigen Preises, sondern auch wegen seiner faszinierenden Noten und des ausdrucksstarken Geschmacks, war der Grüne Veltliner „Feenhaube“ vom Weingut Edlinger aus Röschitz im österreichischen Weinviertel der große Liebling der Runde. Nun zu den – mehr oder weniger – ausfühlichen Details. Eins vorab, alle Weine stammten aus dem Jahrgang 2006.
Schilcher, Ried Krass, Weingut Joebstl aus Wernersdorf in der Steiermark:
Ribiselnase (Johannisbeere), sauer, schön kalt erfrischend, aber zu wenig Kraft, 7,50 Euro.
Blanc de Noir aus der Pfalz vom Weingut Ackermann: Manche empfanden eine leichte Restsüße, ganz leicht bittere Nase, bittere Noten im Abgang. Ebenso wie beim folgenden Wein wurde auch hier diskutiert, ob das Lesegut des Jahrgangs problematisch war.
Blanc de Noir vom Spätburgunder aus Rheinhessen vom Weingut Bürgermeister Weber-Erbe, 12 Prozent Alkohol: Bitter, süßlich in der Nase und im Abgang. Möglicherweise war der Inhalt einfach kaputt? Oder liegt es am Jahrgangsbedingt schlechtem Lesegut (s.o.)?
Welschriesling vom Weingut Riegelhofer aus Poysdorf im österreichischen Weinviertel, 12 Prozent Alkohol: knackig, frisch, grün, leicht bitter. Dennoch ein typischer Sommerwein mit Charakter; 4,60 Euro ab Hof.
Welschriesling von Winkler-Hermaden aus der Südost-Steiermark mit 11,5 Prozent Alkohol: zurückhaltender als der Vorherige, “mit Handbremse”, ungefähr nur halb soviel Charakterstärke, 7,50 Euro.
Grüner Veltliner Feenhaube vom Weingut Edlinger aus Röschitz im Weinviertel: Ein Hauch von Pfeffer, deutlicher Paprika und Grapefruit, eher Sauvignon-Blanc; 4,50 Euro ab Hof. Feenhaube ist eine Bezeichnung unter der lokale Winzer ihre „einfachen“ grünen Veltliner vermarkten. Die Weine liegen in puncto Gehalt und Ausbau unter der der vielfach üblichen „classic“ Linie bei den grünen Veltlinern und deutlich unter den DAC Veltlinern.
Gelber Muskateller vom Weingut Potzinger aus Ratsch in der Südsteiermark (aus dem Probierpaket der Zeitschrift essen&trinken), 11 Prozent Alkohol: traubig-pfefrrig, Säure fängt Muskatellergeschmack sehr gut ab, ein Wein, der selbst unter Muskatellerskeptikern Freunde findet, da er sehr ausgewogen ist und den Muskatellergeschmack nicht überbetont, ca. 10 Euro.
Gelber Muskateller vom Weingut Jaunegg aus Leutschach, ebenfalls in der Südsteiermark ebenfalls aus dem Probierpaket (s.o.), 11,5 Prozent Alkohol: Süßer, nicht so filigran wie der Vorherige, Lychee, leicht Obstbitter und leicht bitter/sauer im Abgang (Orangenzeste?).
Sauvignon-Blanc von Borgo Molino in Roncadelle (Treviso), Friaul, DOC Lison-Pramaggiore an der Grenze zwischen Friaul und Venetien gelegen, : Frisch, aber leicht bitter, zu wenig typischer Sauvignon-Blanc. Aus dem lokalen Weingeschäft für ca. 5 Euro.
Die DOC Lison-Pramaggiore wurde am 3. November 1974 aus einem Zusammenschluss der drei damals anerkannten DOC Merlot di Pramaggiore und Cabernet di Pramaggiore sowie Tocai di Lison gegründet. Im Mittel werden 61.056 hl Wein hergestellt: Vorwiegend Tocai Friulano, Pinot bianco, Chardonnay, Pinot grigio und Sauvignon bei den Rotweinen überwiegen Merlot, Cabernet und Cabernet Franc (Quelle). Ein Karte und Beschreibung der Gegend befindet sich hier.
Sileni Cellar Selection Sauvignon-Blanc von Sileni Estates aus der Region Marlborough in Neuseeland, 12,5 Prozent Alkohol: Grüne Paprika, in der Nase; im Abgang NUR grüner Paprika, wird als etwas “eindimensional” empfunden, schöne Säure, “stahlig, kühl”, 9,90 Euro.
Ausblick: am 22. Juli treffen wir uns, um Roséweine und Sauvignon-Blanc zu probieren.

