Unterwegs bei Ornellaia, Sassicaia & Co.
Posted by MarkusSassicaia, Ornellaia - in der Gegend muss es doch auch andere gute Weine geben. Wir machten uns auf die Suche, allerdings ohne Ziel und Plan, da wir unsere übliche Weinlektüre zu Hause vergessen hatten und auch keine Vorabrecherche im Internet und in Weinzeitschriften gemacht hatten. Auf gut Glück also, und üblicherweise bekommt man in Weingegenden ja irgendwo die Karte einer Strada del Vino zur Orientierung oder man fragt Einheimische in Bars oder Restaurants nach Weinempfehlungen. Hier zunächst eine Karte, die zeigt, in welcher Gegend wir uns bewegt haben:

Das Ergebnis der ersten Empfehlung aus der Bar in Montescudaio zeigte allerdings, das auf örtliche Tipps nicht immer Verlass ist, zumal wenn dem Empfehler die eigenen geschmacklichen Vorlieben und vor allem Ansprüche nicht bekannt sind. Wir machten also ganz in der Nähe von Montescudaio zum erneuten Male die Erfahrung, dass Wein, der in einer Garage bzw. einem stallähnlichen Gebäude produziert wird, nicht unbedingt gut sein muss. An der liebevollen Betreuung lag es nicht, dass wir nichts gekauft…der Rest ist Schweigen und ein Erinnerungsfoto.

Mehr in unsere Richtung ging dann der zweite Tipp “La Serra del Pino”, eine Azienda Agricola Agrituristica in schöner Lage, ebenfalls noch zu Montescudaio gehörend. Hier probierten wir neben einem vernachlässigbarem Weißwein zwei verschiedene Jahrgänge DOC Montescudaio Rosso und eine Riserva. Während beim normalen Roten erkennbar war, dass die Härte und Ungestümheit der Sangioves Traube durch Bemühen des Kellermeisters gemindert wurde, war beim Riserva nicht klar, welche Weinidee hinter dem 20-monatigem Ausbau in Barriques steht…nur weil in dieser Gegend jeder probieren muss, seinen “Supertuscan” zu produzieren!? Bei den normalen Roten, Mezzavia genannt, waren wir Unentschieden, ob der Jahrgang 2005 oder 2006 uns zu Hause mehr munden würde: während sich der 2006 schon erstaunlich rund präsentierte, hatte der 2005er noch Ecken und Kanten…

Auf der Weiterfahrt Richtung Bolgheri ging es dann an den stacheldrahtbewehrten (!) Weinbergen von Ornellaia vorbei. Weingüter sind an der Hauptstraße wie an einer Perlenschnur aufgefädelt, dementsprechend fällt die Entscheidung schwer, wo man zum Probieren Halt machen soll. Wir landeten bei der Azienda Agricola di Vaira Pasquale, zum Ort Castagneto Carducci gehörend. Neben dem unvermeidbaren Agriturismo schien der Schwerpunkt der Landwirtschaft auf dem Obst- und Gemüseanbau zu liegen. Saubere Kellerräume und die souveräne Präsentation der Weine (und des Olivenöls) ließen jedoch auch auf Qualität in puncto Wein hoffen. Und siehe da: der Bolgheri Rosso 2006 vermittelt eine schöne Ahnung davon, dass auch in der Nachbarschaft der großen Namen gute Weine zu vernünftigen Preisen zu entdecken sind. Leider ist die genaue Erinnerung getrübt, so dass wir später berichten werden, wenn wir die erste Flasche zu Hause öffnen. Auf die Beschreibung der Weine auf der Webseite scheint - zumindest auf Deutsch - weniger Verlass zu sein, ein Auszug: “Kompliziert und intensiv auf der Wekzeugspritze…”.
Den Abschluss des Weintages bildete ein Essen in Suvereto, bei dem wir auf unseren bewährten Weißen von Le Pupille aus dem Morellino-Gebiet mangels Verfügbarkeit verzichten mussten. Die Weinempfehlung des Kellners lautete deshalb “Arioso” von Campo alla Sughera und hat uns angenehm überrascht: ein Sauvigngon Blanc mit geringen Anteilen Viognier. Die Weinbereitung wird auf der Webseite wie folgt beschrieben:
Wine-making Techniques: gentle pressing, cold removal of lees [Hefe] from the must [Most], controlled-temperature fermentation; malolactic fermentation is avoided so as not to harm the aromatic bouquet and taste of this wine
Maturation: several months in steel tanks and a couple of months in the bottle
Diesen schonenden Ausbau merkt man dem Wein deutlich an. Eine Seltenheit in der Gegend, wo man das Gefühl hat, dass Weißweine oftmals nur als schnelle Trinkweine und zur Abrundung des Angebots angebaut werden.
An Campo alla Sughera sind wir leider auf unserem Weg von Bolgheri nach Suvereto vorbeigefahren, aber das wird nachgeholt und natürlich an dieser Stelle berichtet.