weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for Dezember, 2007

Blindprobe - Überraschung garantiert!

Posted by Markus

Insgesamt mussten vergangenen Sonntag drei weiße und sechs rote Rebsorten erkannt werden. Bei den Weißen fiel dies einfach, da wir uns mit Grüner Veltliner, Riesling und Muskateller für drei sehr unterschiedliche Rebsorten mit deutlicher Sortentypizität entschieden hatten. Deutlich schwerer fiel es bei den sechs Rotweinen, die identifiziert werden sollten: Blaufränkisch, Cabernet-Sauvignon, Temperanillo, Sangiovese, St. Laurent und Syrah. Hier erlebten wir so manche Überraschung, da die erwartete bzw. erhoffte Eindeutigkeit nicht gegeben war. Auch wenn die Reihenfolge der Roten auf den ersten Blick gewollt aussieht, so war sie doch zufällig, da alle Weine verdeckt in (österreichischen) Einheitsflaschen (mit Schraubverschluss) ausgeschenkt wurden.

blindweinprobe

1. Schöne Säure, blumig, erdig, füllig: Österreich, Südsteiermark, Weingut Walter Skoff, Gelber Muskateller 2006

2. Wunderbare fruchtige cremige Säure, leichtes Mandelaroma - bitter?, zu füllig? zu kalt?: Deutschland, Rheinhessen, Weingut Winter, Kalkstein Riesling trocken 2006. Wenn wärmer, zu wenig Säure, zu fruchtig, etwas restsüß, ca. 10 Euro

3. Säure, Pfefferl (weiß?), wenig “Nebennoten”, wenig Nachhall: Österreich, Weinviertel, Weingut Edlinger, Grüner Veltliner Lössjuwel 2006, 6,50 Euro ab Hof.

1. Zimtig, wenig Körper, zu grasig , dünner Cab-Sauv???, Nase interessant-würzig, vielleicht doch eher St. Laurent oder Blaufränkisch??? Wenig Farbe: Österreich, Burgenland, Neusiedlersee-Hügelland, Weingut Prieler, Blaufränkisch, 10 Euro bei rotweißrot

2. Würzig, fleischig, Cab-Sauv??? Blaufränkisch?? St.Laurent? Violett, vordergründig: Österreich, Burgenland, Weingut Juris - Axel Stiegelmar, St. Laurent 2005 Selection

3. Lakritze, Menthol, Eukalyptus, Barrique, Tannin, wuchtig, alkoholisch, Sangiovese als Supertuscan?: Spanien, Toro, Temperanillo, Tinto di Toro, 14,5 % Alkohol, 9,90 14,80 Euro beim Weinmusketier. Möglicherweise handelte es sich um diesen Wein, da hier leider meine Notizen versagt haben. Aber ein schönes Beispiel für die Ankunft der spanischen Weine in der Moderne, weit entfernt von Alterstönen und rotbrauner Farbe.

4. Leicht krautig und dünn, kaum mehr Aussagen möglich: Italien, Toskana, Morellino di Scansano, Morris Farms. Hier, was das Biowiki dazu schreibt: Die “Spielart” Sangiovese grosso wird als Morellino in der Südtoskana rund um den Ort Scansano angebaut. Der Morellino di Scansano erinnert in seinem Aroma sehr stark an Morellen (Kirschen).

5. Fleischig, füllig, Dörrobst, leicht krautig, Eukalyptus, dunkle dichte Farbe: Frankreich, Languedoc (Hérault), Vin de Pays des Côtes de Thongue, Cabernet-Sauvignon 2004, Domaine de L’Arjolle, Pouzolles. Beißt allerdings nach Öffnung. Jacques Weindepot. Sehr schön das Zitat von der Webseite der Produzenten: Nous sommes 6 vignerons associés pour partager notre passion : produire des vins plaisirs.

6. Noch dunklere farbe, dunkle Beeren, dicht und kraftvoll, Röstaromen: Südafrika, Raka Syrah Biography 2003 19,80 Euro bei Bert’s Weinexpress. Unter dem Titel “Raka – ein Mann, ein Mythos, ein Tal” gibt es übrigens in diesem Blog noch ausführliche Hintergründe zum Winzer und Weingut.

Fazit: Es war spannend und überraschend. Vor allem probiert man ganz anders, wenn man nicht weiß, um was für einen Wein es sich handelt und was einen erwartet bzw. erwarten sollte. Ein Experiment, das wir nun öfter wiederholen wollen.

Zunächst sind wir aber am 20. Januar auf Wein eingeladen. Bis dahin…

verkostet.de jetzt online

Posted by Markus

Nun hat endlich jemand in Deutschland und auf Deutsch die US-Seite openbottles (siehe hier bei mir) kopiert. Letztendlich ist die Idee von www.verkostet.de gut. Wie immer bei Web 2.0 lebt sie aber vom Mitmachen. Ohne “User Generated Drinking Notes”, also den Verkostungsnotizen, die die Anwender freiwillig und aktiv online einstellen, wird das Angebot nicht überleben.

Wie, ebenfalls immer, bei Web 2.0 frage ich mich, wo das Geschäftsmodell bleibt oder soll das alles für umsonst sein, ohne dass jemand damit Geld verdient. Was natürlich schön wäre, sind Sponsoren, die z.B. jede zehnte Verkostungsnotiz mit einer Flasche Wein belohnen oder ein Weinhändlergutschein bei zehn als nützlich bewerteten Notizen, oder, oder…und so die Anwender motivieren mitzumachen.

Ich werde mich anmelden und weiter beobachten, ob sich etwas tut (da ist sie schon wieder die Passivität). Meine Notizen und anderen Weinfundstücke bleiben aber erstmal hier - bis sie vielleicht in ferner Zukunft auch automatisch von meinem Blog nach verkostet.de übertragen werden können.

Ich wünsche trotzdem viel Erfolg.

Warum bloggt die Deutsche Weinkönigin nicht?

Posted by Markus

Evelyn Schmidt aus dem Weinanbaugebiet Sachsen ist von Oktober 2007 bis Oktober 2008 “unsere” deutsche Weinkönigin. Vom deutschen Weininstitut mit einer eigenen Webseite ausgestattet, befindet sich in der Navigation dort sogar der Menüpunkt “Evelyns Tagebuch”. Da denkt sich der weintrinkende Blogger sofort: “bei 300 PR-Terminen pro Jahr auf der ganzen Welt hat uns Evelyn sicher eine ganze Menge zu berichten”. Doch die Hoffnung wird leider enttäuscht. Hinter dem Menüpunkt verbirgt sich lediglich eine statische Webseite, die im Web 2.0 Zeitalter recht uninspiriert wirkt - schade eigentlich, das hätte ein schönes Blog werden können…