weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Blindprobe - Überraschung garantiert!

Gepostet von: Markus

Insgesamt mussten vergangenen Sonntag drei weiße und sechs rote Rebsorten erkannt werden. Bei den Weißen fiel dies einfach, da wir uns mit Grüner Veltliner, Riesling und Muskateller für drei sehr unterschiedliche Rebsorten mit deutlicher Sortentypizität entschieden hatten. Deutlich schwerer fiel es bei den sechs Rotweinen, die identifiziert werden sollten: Blaufränkisch, Cabernet-Sauvignon, Temperanillo, Sangiovese, St. Laurent und Syrah. Hier erlebten wir so manche Überraschung, da die erwartete bzw. erhoffte Eindeutigkeit nicht gegeben war. Auch wenn die Reihenfolge der Roten auf den ersten Blick gewollt aussieht, so war sie doch zufällig, da alle Weine verdeckt in (österreichischen) Einheitsflaschen (mit Schraubverschluss) ausgeschenkt wurden.

blindweinprobe

1. Schöne Säure, blumig, erdig, füllig: Österreich, Südsteiermark, Weingut Walter Skoff, Gelber Muskateller 2006

2. Wunderbare fruchtige cremige Säure, leichtes Mandelaroma - bitter?, zu füllig? zu kalt?: Deutschland, Rheinhessen, Weingut Winter, Kalkstein Riesling trocken 2006. Wenn wärmer, zu wenig Säure, zu fruchtig, etwas restsüß, ca. 10 Euro

3. Säure, Pfefferl (weiß?), wenig “Nebennoten”, wenig Nachhall: Österreich, Weinviertel, Weingut Edlinger, Grüner Veltliner Lössjuwel 2006, 6,50 Euro ab Hof.

1. Zimtig, wenig Körper, zu grasig , dünner Cab-Sauv???, Nase interessant-würzig, vielleicht doch eher St. Laurent oder Blaufränkisch??? Wenig Farbe: Österreich, Burgenland, Neusiedlersee-Hügelland, Weingut Prieler, Blaufränkisch, 10 Euro bei rotweißrot

2. Würzig, fleischig, Cab-Sauv??? Blaufränkisch?? St.Laurent? Violett, vordergründig: Österreich, Burgenland, Weingut Juris - Axel Stiegelmar, St. Laurent 2005 Selection

3. Lakritze, Menthol, Eukalyptus, Barrique, Tannin, wuchtig, alkoholisch, Sangiovese als Supertuscan?: Spanien, Toro, Temperanillo, Tinto di Toro, 14,5 % Alkohol, 9,90 14,80 Euro beim Weinmusketier. Möglicherweise handelte es sich um diesen Wein, da hier leider meine Notizen versagt haben. Aber ein schönes Beispiel für die Ankunft der spanischen Weine in der Moderne, weit entfernt von Alterstönen und rotbrauner Farbe.

4. Leicht krautig und dünn, kaum mehr Aussagen möglich: Italien, Toskana, Morellino di Scansano, Morris Farms. Hier, was das Biowiki dazu schreibt: Die “Spielart” Sangiovese grosso wird als Morellino in der Südtoskana rund um den Ort Scansano angebaut. Der Morellino di Scansano erinnert in seinem Aroma sehr stark an Morellen (Kirschen).

5. Fleischig, füllig, Dörrobst, leicht krautig, Eukalyptus, dunkle dichte Farbe: Frankreich, Languedoc (Hérault), Vin de Pays des Côtes de Thongue, Cabernet-Sauvignon 2004, Domaine de L’Arjolle, Pouzolles. Beißt allerdings nach Öffnung. Jacques Weindepot. Sehr schön das Zitat von der Webseite der Produzenten: Nous sommes 6 vignerons associés pour partager notre passion : produire des vins plaisirs.

6. Noch dunklere farbe, dunkle Beeren, dicht und kraftvoll, Röstaromen: Südafrika, Raka Syrah Biography 2003 19,80 Euro bei Bert’s Weinexpress. Unter dem Titel “Raka – ein Mann, ein Mythos, ein Tal” gibt es übrigens in diesem Blog noch ausführliche Hintergründe zum Winzer und Weingut.

Fazit: Es war spannend und überraschend. Vor allem probiert man ganz anders, wenn man nicht weiß, um was für einen Wein es sich handelt und was einen erwartet bzw. erwarten sollte. Ein Experiment, das wir nun öfter wiederholen wollen.

Zunächst sind wir aber am 20. Januar auf Wein eingeladen. Bis dahin…

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