weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for Januar, 2008

Zwei SZ-Pakete: Wenig Wein für viel Geld

Posted by Markus

Eigentlich bin ich ja ein “positive blogger”, aber irgendwann ist es auch mir zuwenig des Guten. Die Probe von zwei Paketen aus der Vinothek der Süddeutschen Zeitung (SZ) förderte Erschreckendes bis Untrinkbares zu Tage. Eigentlich war nur einer von elf Weinen gut trinkbar, drei gerade noch so tolerabel. Insbesondere der Ausfall bei Klassikern wie Barolo, Chianti und Bordeaux, Chateauneuf-du-Pape hat uns überrascht. Selbst bei den einigermaßen trinkbaren Weinen, konnten wir keine regions- oder sortentypischen Merkmale erkennen. Probiert haben wir alle Weine aus den Paketen “Viel Wein für wenig Geld” und “Für Anspruchsvolle und Kenner”. Dass es statt zwölf Weinen nur elf Weine wurden, lag daran, dass eine Flasche in einem Paket kommentarlos vom Lieferanten ausgetauscht wurde und deshalb ein Weißwein doppelt war.

Bei der herben Kritik hier nochmal kurz zu den Rahmenbedingungen: alle Weine hatten die korrekte Temperatur; sie waren bereits mehrere Tage am Verkostungsort, also ruhig gelagert; die Verkostungsrunde bestand aus neun erfahrenen Hobby-Weintrinkern, die sich regelmäßig treffen (zugegebenermaßen aber aufgrund einer über zehnjährigen Weinrundentradition einen ähnlichen Weingeschmack aufweisen). Wir sollten also über genug Erfahrung verfügen, gute und schlechte Wein zu unterscheiden, unabhängig davon, ob sie uns selbst gut oder schlecht schmecken.

Im Übrigen hatten wir in diversen Weinproben auch schon Flaschen aus anderen SZ-Vinothek-Paketen, an denen nichts auszusetzen war, siehe unter anderem bei unserer Übersee-(ohne Nordamerika) Probe.

Für die Süddeutsche Zeitung haben wir folgenden Tipp: Es liegt in der Natur der Sache, dass verschiedene Weinfachleute unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben haben. Derzeit beschäftigt die Süddeutsche offenbar nur einen Experten mit der Auswahl der Weine. Deshalb wäre es vielleicht ratsam, auch mal mit anderen Experten zusammen zu arbeiten, um in den Weinpaketen eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen.

Einen ganz persönlichen Hinweis an die SZ kann ich mir als jahrzehntelanger überzeugter SZ-Leser dennoch nicht verkneifen: In den überregionalen Ressorts macht ihr eine gute Zeitung (leider nicht mehr in den Lokal- und Regionalteilen)! Passt auf, dass ihr mit Büchern, DVDs, Weinen usw. nicht zu einem Tchibo mit angeschlossener Zeitung verkommt. Anders gesagt: Verleger bleib bei deinen Journalisten! Dazu noch der Verweis auf einen kritischen Beitrag zur Vermischung von Redaktion und Werbung im Titel-Magazin o­nline über die Tchiboisierung der Süddeutschen Zeitung.

Und nun endlich zu den Weinen im Einzelnen (detailierte (Marketing-) Beschreibungen und Preise sind in der SZ-Vinothek erhältlich:

Sizilien: Mirabile Inzolia 2006, 13.5% A: wenig frisch, bananig, dick, ca. 8,80 Euro. Inzolia ist eine lokale sizilianische Rebsorte, auch unter dem Namen Ansonica in der Toskana und auf Elba bekannt. Von den schönen Beschreibungen, wie “in die Richtung weiße Blüten, Birnen oder Quitten gehen. Die Weine sind meist frisch und haben eine leichte Säure.”, wie sie hier zu finden sind, war leider nichts zu schmecken.

Österreich: Grüner Veltliner 2006 MF Weingut Felsner, Kremstal, Grunddorf, 13% A: sehr zurückhaltende Nase, leicht parfürmiert aufgesetzt, angekündigtes ‘Pfefferl’ fehlt.

Frankreich: Sauvignon-Blanc, Touraine, 2005, Christoph Davault: seltsam würzige Nase, fällt zusammen, charakterlos, bitter, “schon durch”. Da mutet der Spruch des Winzers, “Le debut d’une amitie”, zu Deutsch: der Beginn einer Freundschaft, etwas komisch an.

Portugal: Alentejo, Fonte de Moura Linda, 2006, 14, Hazienda de Malhardina Nova, Familie Soares: Aragones, Alicante, Syrah, Alfrocheiro, Touriga Nacional, metallisch-würzig, zu wenig dicht, wenig Beeren, ca. 10 Euro.

Spanien: La Montesa Herencia Rioja 2004, Alfaro Espana, Palacios Remondo, 13.5% A: kirschig-würzig, leicht krautig, typische Rioja Nase und Mund, 12 Monate Barrique, Garnacha, Temperanilla, Mazuelo, Graciano.

Spanien: Graves de Marisa 2004, Cigales, 14% A: warme, runde, tiefere Noten, 95% Temperanillo, süße rote Beeren, leicht marmeladig, 10 Euro.

Frankreich: Chateau Valrose Cuvee Alienor, 2004, Bordeaux, St.-Estephe, Croignon, 13,5% A: 50% Merlot, 40% Cabernet-Sauvignon, 10% Cabernet-Franc, tolle Farbe, Vanillenote, zu wenig Körper, vordergründig, bei mehr Luft krautig, bitter.

Frankreich: Chateauneuf du Pape, Jas de Bressy 2005, Vignobles Mousset Barrot, 15% A: sauer-bitter-dünn, erwartete Würze fehlt, typisch???, später banal süßlich (Grenache), 24 Euro!!!

Italien: Chianti Classico, Altromare, Riserva 2003, Felsino: 100% Sangiovese, braunes, saures, Wässerchen, Nase flach, 19 Euro!!!

Italien: Barolo Bava 2003, Coccionato, Scarrone, Az. Altacosta, 13,5% A: anders schlecht als der Chianti, riecht kaputt, dünn bräunlich, bitter, sauer

Chile: Errazuriz Cabernet Sauvignon - “Single Vineyard” 2005, 14,5% A: 93% Cabernet-Sauvignon, 6% Cabernet-Franc, 1% Petit Verdot, Cassis, Schmackes, schiebt, Minz, Eukalyptus, Tabak, Wacholder, bester Wein! Sehr gut vorstellbar zu Wild und Schokoladensauce! 16 Euro.

Weinetiketten - Gedanken

Posted by Markus

Ich habe in den letzten Wochen die Debatten über die Weinetiketten verfolgt, etwa auf schreiberswein. Mein erster Gedanke dazu war, dass es mir natürlich auf den Inhalt ankommt. Nun habe ich jedoch beim Um- und Aufräumen im Weinkeller zwei Flaschen Schilcher von Langmann-Lex in der Weststeiermark in die Hände genommen: eine aus dem Jahr 2006 und eine andere - zugegeben übersehen und damit zu alt - aus dem Jahr 1999. Und da muss ich für meinen Geschmack sagen: ein Quantensprung in Sachen Etikett.

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Und da bin ich dann doch ins Grübeln gekommen - was bedeutet das Etikett eigentlich für mich.

Denn das Etikett sagt ja erstmal, außer den Fakten, die darauf stehen, nichts über die Qualtität des Inhalts aus. Allerdings denke ich, dass man sehr wohl vom Etikett aus auf das Selbstverständnis und Eigenbild des Winzers schließen kann. Will sagen: ein mir altertümlich, unmodisch erscheinendes Etikett lässt doch darauf schließen, dass der Winzer meinem Geschmack auch in der Weinbereitung eher abgeneigt ist. Umgekehrt lässt ein Etikett, das mich anspricht, doch erwarten, dass der Winzer auch beim Inhalt mit mir auf einer Linie liegt. Beides lässt natürlich keine Verallgemeinerung zu: siehe z.B. die Weine von Emmerich Knoll, wo mich auch mehr der Inhalt als das Etikett überzeugt. Oder, andererseits, die vielen IGT Toskaner mit Sonnen oder Strahlen auf dem Etikett, die mit hypermodischem Design versuchen, sich unabhängig vom Inhalt als “Supertuscans” zu positionieren.

Demzufolge komme ich für mich zu dem Schluss: ein zeitgemäßes, aber nicht hypermodisches Etikett, lässt mich eher erwarten, dass es sich um einen Wein handelt, der gemäß dem aktuellen Stand der Weinbereitung produziert wurde. Diesen werde ich eher probieren als einen, bei dem ich aufgrund des Etiketts befürchten muss, dass der Winzer und seine Kellertechnik in den späten 60er oder frühen 70ern des letzten Jahrhunderts stehengeblieben ist. Letztendlich zählt dann doch der Inhalt und den muss man probieren und hier haben bei uns eindeutig die zeitgemäßen Etikettierer die besseren, wenn auch nicht einzigen, Chancen.

Alte Bekannte und Wein aus Dänemark

Posted by Markus

Wichtig ist zunächst mitzuteilen, wo wir die alten Weinbekannten und den Wein aus Dänemark getrunken haben: und zwar im We1ns in Erding. Nach dem gestrigen Abend lieben wir das Lokal mehr denn je, schließlich haben wir dort alte Bekannte getroffen und neue gemacht. Wer in der Nähe von Erding wohnt bzw. mal nach Erding kommt (z.b. in die Therme), sollte sich das We1ns nicht entgehen lassen - auch die angebotenen Imbisse sind vorzüglich, z.B. die Trüffelsalami.

Nun erstmal zu den alten Bekannten: dabei handelte es sich um den Welschriesling 2007 (?) vom Weingut Schmelzer (vor zwei Jahren schon mal bei Wein & Genuss in München entdeckt). Ein frischer junger Weißwein mit starken Zitrus- und Brennesselnoten. Der zweite nicht ganz so alte Bekannte war der 2003er Spätburgunder “Isabel 3-Lilien ” trocken vom Weingut Aufricht in Meersburg am Bodensee. Ein Wein, der anfänglich durch sein Röstaromen betört, später vermisst man etwas die Deutlichkeit der Rebsorte, dennoch lecker. Erst drei Tage zuvor hatten wir bei Freunden den 2006er Chardonnay trocken probiert und waren erstaunt.

Neu für uns war der Probierschluck vom Rondo 2006 des Weinguts Skaersogaard aus Jylland in Dänemark. Ein fruchtiger trockener Rotwein, dem es jedoch etwas an Tiefe fehlte, dennoch interessant. Mehr über den dänischen Weinanbau findet sich hier.

Bei Rondo handelt es sich um eine deutsche Rebsorte, mehr hier.

WEIN.ARCHITEKTUR.REISE

Posted by Markus

Da haben sich zwei Damen, eine mit Event-Erfahrung und Weinwissen und eine mit Architekturkenntnissen, mal etwas richtig Gutes einfallen lassen: Reisen zu den architektonisch und winzerisch interessantesten österreichischen Weingütern:

Aber graue Theorie ist nicht unsere Sache! Wissenswertes über Architektur und Kellerwirtschaft geht einher mit interessanten Verkostungen, originellen Gasthäusern und Unterkünften auf höchstem Niveau.

Das ist sicher eine gute Idee für ein bis fünf entspannende Tage von der Donau bis zum Neusiedlersee. Auf der Webseite von WEIN.ARCHITEKTUR.REISE gibt es ein paar Hinweise, wo die Reisen hingehen, so dass man sich auch ein paar Tipps für die eigene Tour “klauen” kann, wenn man nicht die “Pauschalreise” in Anspruch nehmen will ;-)