weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for Juni, 2008

Kamptal/Weinviertel-Revival-Wochenende

Posted by Markus

Vorab in aller Kürze: um die guten Erfahrungen aus diesen beiden österreichischen Weingegenden aufzufrischen, haben wir uns vergangenen Freitag Nachmittag auf den Weg gemacht. Und zwar sind wir über Langenlois (Kamptal) bis nach Röschitz (Weinviertel, Retzer Land) gefahren und haben dabei einiges erlebt und vor allem Wein mitgenommen. Folgende Stationen standen auf dem Programm:

  • Essen beim Bruder von Winzer Mathias Hager in Mollands/Schönberg, Kamptal
  • Kellergassenfest am Zöbinger Heiligenstein, Kamptal
  • Summerer Ladengeschäft in Langenlois
  • Einige Sauvignon-Blanc und Rotweine im Ursinhaus Langenlois
  • Weingut Edlinger, Röschitz
  • Weingut Gschweichner, Röschitz
  • Weinbau Ziß, Röschitz
  • Sonnwendfeuer an der Hiata-Hüttn am Mühlberg, Röschitz

Das für Sonntag geplante Rotwein-Programm im Pulkautal haben wir aufgrund des heißen Wetters gar nicht erst gestartet. Dennoch war die Weißwein-Tour alleine wieder ein voller Erfolg, so dass es nicht unsere letzte Fahrt gewesen sein wird (im übrigen gibt es überall im Weinviertel mittlerweile auch ansprechende, teilweise interessante Rotweine, vor allem natürlich Zweigelt, zu finden…).

Weinralley #12: In Gottes Namen

Posted by Markus

Logo Weinralley“Is scho wieder Weinralley” - dieser Schock traf mich gestern Abend als ich den Termin sah. Keine Chance, dachte ich. Die berühmten “Clos” pflege ich nicht im Keller zu haben, österreichischer Messwein hat sich qualitativ nie als so hochwertig erwiesen und Abbaye de Valmagne hatte ich vor Jahren den letzten getrunken. Dennoch die Halbzeit von Holland-Italien genutzt und in den Keller gesprintet und siehe da, wir haben doch noch eine passende Einzelflasche gefunden:

Domaine de l’Oratoire St. Martin, Cuvée Prestige, 1999, einen Côtes du Rhone villages von Fredric & Francois Alary aus Cairanne.

Die Flasche haben wir bei einem unserer letzten Frankreich-Urlaube 2001 beim Winzer direkt gekauft, nach meiner Erinnerung für rund 45 Francs damals, alle weiteren Details kann ich aber nicht mehr nachvollziehen - doch da hilft ja heutzutage, acht Jahre später, das Internet:

Die Gebrüder Alary haben eine eigene Homepage sogar mit eigenem Blog, der aber noch neu zu sein scheint. Dort erschließt sich auch kurz, warum die Domaine de l’Oratoire so heißt, wie sie heißt: nämlich weil auf den 25 Hektar Rebfläche auf den Hügeln von St. Martin auch die gleichnamige Kapelle steht (zu der mir jetzt aber weitere theologische und kunsthistorische Kenntnisse fehlen). Damit erfüllt dieser Wein aber die Forderung des Themenstellers: “Wein dessen Herkunft eindeutig auf einen ehemaligen Besitz der Kirche schliessen läßt.” (bewiesen durch die Kirche auf dem Etikett ;-)

Domain de l\'Oratoire St. Martin, Cuvée Prestige, 1999Für den aktuellen Jahrgang 2006 (Cairanne Cuvée Prestige) wird auf der Homepage eine Zusammensetzung 60 Prozent Grénache und 40 Prozent Mourvèdre angegeben, was sich, wie wir gleich sehen werden, auch in Farbe, Geruch und Geschmack abbildet. Deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass die Rebzusammensetzung über die Jahre nur geringfügigen Schwankungen unterliegt.

In letzter Zeit waren wir oft erstaunt von der Haltbarkeit der Roten von der südlichen Rhône, auch wenn es sich nicht um teuerste Weine handelt, so auch jetzt wieder.

Gleich nach dem Einschenken entspringt dem Glas der würzige Duft der Provence zur Mittagszeit, so stark, dass es fast als streng zu bezeichnen ist. Das ganze mit fernen Anklängen von Süße, von konzentriertem Sauerkirschkompott. Die Farbe ist tiefrot, violett - bräunliche Anklänge kaum bis gar nicht zu erkennen. Im Mund dann ein Geschmack von Würze und Tannin, es bleibt auch im Abgang die leichte Süße erhalten. Toll! Mit der Zeit schwindet dann die extreme Würze und wird überlagert von Eukalyptus und Veilchennoten, die von der tanninigen Süße abgefedert werden.

Kurz und (sehr) gut: Danke an den Winzerblog für das Thema, wer weiß, wann wir die Flasche sonst geöffnet hätten.

Übrigens in Deutschland führt z.B. Vinisud die Weine, der aktuelle Jahrgang kostet dort 15,80 Euro.

Wie Weinjournalisten im Internet-Zeitalter arbeiten, am Beispiel: Mario Scheuermann

Posted by Markus

In seiner Serie über Online Reputation Management (kann wahrscheinlich übersetzt werden mit: Wie werde ich im Internet als wichtig bekannt?) stellt sich der bekannte Weinjournalist und Blogger Mario Scheuermann den Fragen des bekannten (PR-) Bloggers Klaus Eck. Dabei erhält man einige interessante Einblicke, wie Mario Scheuermann mit dem Medium Internet und den heute zur Verfügung stehenden Tools umgeht. Die Antworten streifen dabei natürlich auch das spezielle Umfeld des Weinjournalismus. Deshalb ist das Interview nicht nur für Online-Begeisterte interessant, sondern auch für Leute, die wissen wollen, wie Weinjournalisten im 21. Jahrhundert arbeiten. Link zum Interview: PR Blogger: Online Reputation Management 13: Weinexperte und Journalist Mario Scheuermann

Bester Weißwein in der Maremma diesmal aus dem Friaul

Posted by Markus

Ich habe es schon öfter thematisiert: wenn man auf die jungen, spritzigen, frischen, knackigen Weißweine steht, tut man sich nördlich des Trentino in Italien meistens schwer. Deshalb lag es nahe in der Pacianca Osteria in Follonica in der Toskana (derzeit noch ohne Webauftritt, aber schon bei Google Maps zu finden), einen Weißwein aus dem Friaul auszuwählen:

Zu Spaghetti Carbonara di Mare (also Spaghetti Carbonara mit weniger Speck aber viel Meeresfrüchten) gab es einen Sauvignon-Blanc La Tunella, Colli Orientali del Friuli, 2007.

Bild von der Webseite www.lautenella.it frei downloadbarEr zählt bei La Tunella zu der Serie der klassischen Rebsorten, die im Stahltank ausgebaut werden. Deshalb zeichnet er sich erfreulicherweise durch die oben erwartete Frische aus, Noten von Stachelbeere und leichte Zitrusanklänge ergänzen diesen Eindruck. Nach dem ersten Schluck bedauert man, dass diese Kraft im Bukett nicht am Gaumen anhält. Beim weiteren Trinken jedoch, entsteht ein schönes Gleichgewicht. Preislich lag der 2006er nach Internet-Quellen bei rund 10 Euro.

Zum Wildschweinragout (dem hervorragendsten, was ich je gegessen habe) musste es dann natürlich ein Rotwein sein. Offen im Ausschank war der Sangiovese von Villa Patrizia aus Roccalbegna in dem relativ unbekannten und neuen DOC Gebiet Montecucco, in der südlichen Toskana unterhalb des Monte Amiata gelegen. (Erstaunlich, dass eine DOC sich über 400 Höhenmeter erstrecken kann: von den ersten Hügeln ab dem Meer bis zur letzten Besiedelung am Monte Amiata.) Der Wein war der ideale Treffer für das Wildschwein-Ragout: ein starker, aber nicht zu bissiger San Giovese (mit fünf Prozent Ciliegolo) aus 380 Meter Seehöhe, der drei Monate in gebrauchten Barriques (2. Füllung!) ausgebaut wurde. Wieder mal eines der seltenen Beispiele dafür, dass auch aus der heimischen Rebsorte gute Weine gemacht werden können, sofern mit ihnen richtig umgegangen wird. Nach mühsamer Recherche habe ich auch einen unbestätigten Preis von 11 Euro gefunden. Schön ist auch das Motto von Villa Patrizia gemäß einem alten italienischen Sprichwort:

Ein Fass Wein kann mehr Wunder bewirken als eine Kirche voller Heiliger.