weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Weinralley #12: In Gottes Namen

Gepostet von: Markus

Logo Weinralley“Is scho wieder Weinralley” - dieser Schock traf mich gestern Abend als ich den Termin sah. Keine Chance, dachte ich. Die berühmten “Clos” pflege ich nicht im Keller zu haben, österreichischer Messwein hat sich qualitativ nie als so hochwertig erwiesen und Abbaye de Valmagne hatte ich vor Jahren den letzten getrunken. Dennoch die Halbzeit von Holland-Italien genutzt und in den Keller gesprintet und siehe da, wir haben doch noch eine passende Einzelflasche gefunden:

Domaine de l’Oratoire St. Martin, Cuvée Prestige, 1999, einen Côtes du Rhone villages von Fredric & Francois Alary aus Cairanne.

Die Flasche haben wir bei einem unserer letzten Frankreich-Urlaube 2001 beim Winzer direkt gekauft, nach meiner Erinnerung für rund 45 Francs damals, alle weiteren Details kann ich aber nicht mehr nachvollziehen - doch da hilft ja heutzutage, acht Jahre später, das Internet:

Die Gebrüder Alary haben eine eigene Homepage sogar mit eigenem Blog, der aber noch neu zu sein scheint. Dort erschließt sich auch kurz, warum die Domaine de l’Oratoire so heißt, wie sie heißt: nämlich weil auf den 25 Hektar Rebfläche auf den Hügeln von St. Martin auch die gleichnamige Kapelle steht (zu der mir jetzt aber weitere theologische und kunsthistorische Kenntnisse fehlen). Damit erfüllt dieser Wein aber die Forderung des Themenstellers: “Wein dessen Herkunft eindeutig auf einen ehemaligen Besitz der Kirche schliessen läßt.” (bewiesen durch die Kirche auf dem Etikett ;-)

Domain de l\'Oratoire St. Martin, Cuvée Prestige, 1999Für den aktuellen Jahrgang 2006 (Cairanne Cuvée Prestige) wird auf der Homepage eine Zusammensetzung 60 Prozent Grénache und 40 Prozent Mourvèdre angegeben, was sich, wie wir gleich sehen werden, auch in Farbe, Geruch und Geschmack abbildet. Deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass die Rebzusammensetzung über die Jahre nur geringfügigen Schwankungen unterliegt.

In letzter Zeit waren wir oft erstaunt von der Haltbarkeit der Roten von der südlichen Rhône, auch wenn es sich nicht um teuerste Weine handelt, so auch jetzt wieder.

Gleich nach dem Einschenken entspringt dem Glas der würzige Duft der Provence zur Mittagszeit, so stark, dass es fast als streng zu bezeichnen ist. Das ganze mit fernen Anklängen von Süße, von konzentriertem Sauerkirschkompott. Die Farbe ist tiefrot, violett - bräunliche Anklänge kaum bis gar nicht zu erkennen. Im Mund dann ein Geschmack von Würze und Tannin, es bleibt auch im Abgang die leichte Süße erhalten. Toll! Mit der Zeit schwindet dann die extreme Würze und wird überlagert von Eukalyptus und Veilchennoten, die von der tanninigen Süße abgefedert werden.

Kurz und (sehr) gut: Danke an den Winzerblog für das Thema, wer weiß, wann wir die Flasche sonst geöffnet hätten.

Übrigens in Deutschland führt z.B. Vinisud die Weine, der aktuelle Jahrgang kostet dort 15,80 Euro.

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