weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for Juli, 2008

Weinralley #13: Diesmal nur engagierter Zaungast

Posted by Markus

Soeben lese ich auf Planet Bordeaux die Zusammenfassung der letzten Weinralley mit dem Thema „Bordeaux Blends outside Bordeaux“an der ich nicht teilnehmen konnte. Oder wollte!? Dennoch, und das betone ich zu Anfang, habe ich die Blogposts drumrum ausführlich studiert. Ich war bis zur letzten Sekunde unsicher, ob ich dabei sein werde.

Die Gründe für das kurzfristige Ausscheiden waren vielfältig, nur um die Spekulationen des geschätzten Kollegen Scheuermann etwas zu ergänzen: Erstensmal pflegen wir, evtl. generationsabhängig, gewisse Vorbehalte gegen etablierte B-Weine, d.h. automatisch, dass unser Keller in die Richtigung nicht sooo viel hergibt (wie man auch an den Inhalten dieses Blogs erkennen kann). Was der Keller hergäbe, wären allerdings schon Überseeweine aus der gefragten Richtung, doch die sind oftmals nicht so deutlich ausgezeichnet, dass man auf die Schnelle feststellen hätte können, ob sie die gewünschte “Blend” enthalten, was widerrum Vorab-Recherche erfordert hätte, für die ich keine Zeit hatte. Beim Hobby-Weintrinker zeigt sich halt ab und zu, dass er erstens Geld verdienen muss, um sich Weine leisten zu können und zweitens nur beschränkt Zeit hat, sich um sein Hobby zu kümmern (was sich leider auch in der Häufigkeit der Posts an dieser Stelle niederschlägt).

Abschließend finde ich es aber durchaus eine gute Idee, auch mal Ralleys auf anspruchsvolleren Themen zu fahren, selbst wenn die Teilnehmerzahl dann etwas sinkt; die Qualität der Beitrage der aktuellen Ralley spricht ja für sich. Wichtig ist jedoch, dass es einen Ausgleich zwischen anspruchsvollen und eher einfachen Themen gibt, so dass jeder die Chance hat teilzunehmen. Deshalb hoffe ich, dass der Freud’sche Vertipper von Mario Scheuermann:

war es auch eine spannende und interessanteste Rallye

wirklich nur ein Freud’scher war und die Ralleys so bleiben wie sie waren. In dem Sinne: wenn nix dazwischenkommt, bin ich bei der nächsten Weinralley wieder dabei, wenn es heißt, Weine für den Grillabend!

Erding australisch lecker!

Posted by Markus

Wenn der australische Wein zu uns kommt, kommen wir ihm gerne entgegen. Erst recht, wenn das passende Essen mitgeliefert wird. So geschehen vergangenes Wochenende in Percy’s Café© Bar Restaurant in Erding. Der australische Wein kam nicht direkt aus Australien, sondern wurde über den Umweg des AustralianWineStore in  freundlicher Begleitung seiner Inhaber Karin & Olaf Czirr aus Kelkheim nach Erding gebracht. Welch’ ein Fest für die Sinne! Übrigens selbst die Ohren wurden bedient: ein Didgeridoo-Spieler sorgte für den passenden Ton im Hintergrund, sofern man bei den Klängen des Didgeridoo von Hintergrund sprechen kann!

Nun aber zu Speis’ und Trank, dem Wesentlichen eben:

Apéritif - Würzmischung Dukkah mit Olivenöl aus Victoria

Dukkah ist eine afrikanisch-orientalische Nuss-Gewürzmischung, die inzwischen auch in der australischen Küche ihren festen Platz hat, weiß das Rezepte-Wiki. Begleitet von:

Hardy’s Nottage Hill Chardonnay Brut mit einer Blüte vom wilden Hibiscus.

Dass der wilde Hibscus rot ist und in Sirup eingelegt, führt dazu dass der feine Chardonnay-”Champagner” leicht süßliche Noten bekommt und roséfarben aussieht. Ein idealer Apéritif mit Witz. Mehr über Hardys hier.

1. Gang - Surf & Turf: Zweierlei von der Wachtel mit marinierten Riesengarnelen und Baramundi an Zitronengras

2005 Ninth Island Chardonnay (Tasmanien)

Hier ging der Chardonnay etwas unter, obwohl er vermutlich, ohne die Alternative des Roten probiert zu haben, die bevorzugte Wahl gewesen wäre. Dem Chardonnay fehlte etwas die Kraft und Säure, um mit dem Essen mithalten zu können.

2005 Ninth Island Pinot Noir (Tasmanien)

Ein leichter, dennoch ausdrucksvoller Pinot Noir, der durch seine Würzigkeit das Essen ideal unterstützte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Ein Charakter, den man dem Wein bei seiner fast durchsichtigen Farbe gar nicht zugetraut hat.

Ninth Island gehört übrigens zu Kreglinger Wine Estates der aufwändige Webseite man hier findet.

2. Gang - Curry-Karottensuppe mit Ingewerschaum und Cashewbrot

2006 Willow Bridge Chenin Blanc (Westaustralien)

Zum Essen wäre hier eine deutlich kräftigere Spätlese wünschenswert gewesen. Auch hier konnte sich nach unserem Geschmack der Weißwein nicht durchsetzen - die vordergründige Fruchtigkeit alleine hielt gegen die deutlichen und lang anhaltenden Aromen der Suppe nicht stand. Zur Webseite des Weinguts geht es hier.

An dieser Stelle muss aber wieder mal erwähnt werden, dass die Aussagen über die Weine natürlich nur in Zusammenhang mit genau diesen Speisen gelten - über den Geschmack des Weines in Verbindung mit anderen Speisen oder gar als Solowein, kann eine derartige Verkostung kaum etwas aussagen.

2006 Bimbadgen Estate rosé (New South Wales, Hunter Valley)

War die bessere Wahl zur Suppe, wenngleich auch bei diesem Wein ein klares Säuregerüst fehlte um einen deutlichen Akzent mit der Suppe zu setzen. Trotzdem war die Fruchtigkeit des Rosés länger anhaltend und wurde von einem dichteren Wein gestützt, und ging deshalb  über die Suppe nicht so schnell unter.

Mehr zum Weingut hier.

3. Gang - Dreierlei Kostbarkeiten (Strauß, Känguru, Lamm) mit Portwein Kaffee-Sauce und Cranberries an Kartoffelpürée

2005 Willow-Bridge Cabernet-Merlot (Westaustralien)

Hiervon blieb leider wenig in Erinnerung: ein Wein, der das Essen nicht so gut begleitet hat, weshalb gleich auf den Shiraz umgeschwenkt sind. Geschmackssache eben!

2006 Norfolk Rise Shiraz (Südaustralien)

Ganz klarer Favorit diesen Abend! Ging die ideale Kombination mit den kräftigen Fleischaromen ein und rundete die Portwein-Kaffee-Sauce ideal ab (schön an der Sauce war, dass der Kaffee nicht vordergründig das Aromenspiel beherrschte, sondern erst als “letztes” Aroma leicht auf der Zunge lag und damit allen anderen Geschmäckern nicht die Show stahl). Hier hat Australien wieder einmal gezeigt, warum Shiraz dort die Paraderebsorte geworden ist.

Mehr zum Weingut gibt es unter dem oben angegebenen Link bei Ninth Island, da Norfolk Rise auch zu Kregliner Estates gehört.

Dessert - Pavlova mit Erdbeer-Kiwisalat und Macadamiaeis

2006 Bimbadgen Estate Semillon Botrytis

Ganz klare Überraschung diesen Abend! Ein Edelsüßer wie man ihn sich vorstellt, wenn man Süßweine vornehmlich mit Deutschland oder Österreich vergleicht. Überraschend weil man ja aus vielen Gegenden der Welt Süßweine kennt, die aber oftmals nicht mehr bieten, außer undifferenziert süß zu sein (und daüber hinaus manchmal Zweifel an der Herstellung wecken). In diesem Fall lag über der Süße ein vielfältiges Aromenspiel, von gekochtem Pfirsich und Kernobst, das durch den Gehalt und die spürbare Säure gestützt wurde. Sehr, sehr lecker und vor allem konnte der Süßwein selbst mit dem sehr süßen Nachtisch mithalten.

Ein gelunger Abschluss des Abends!