Deutschlands engste Weinmesse
Posted by MarkusAm vergangenen Wochenende fand in München zum dritten Mal die WeinMünchen statt. Bei dem Andrang der herrschte, hätte man fast glauben können, die weit und breit einzige Weinveranstaltung in München für das restliche Jahr – was nicht sein kann, denn an gebiets- und länderübergreifenden größeren Weinmessen gibt es München über das Jahr hinweg mindestens vier. Aber offenbar lockte das kühle Wetter und die zentrale Lage Münchens Weintrinker alle in die beengten, schlecht belüfteten Räumlichkeiten im ersten Stock der Residenz. Folge war als Begleitmusik zum Weinprobieren das Klirren zerschellender Gläser und Flaschen, die Besucher (und Aussteller) in dem Gedränge von den viel zu kleinen Präsentationstischen stießen. Da ist für nächstes Jahr ein neuer Veranstaltungsort fällig, der dann vielleicht auch einen etwas freundlicheren Eingang bietet (nur so ist das ForumVini auch groß und dauerhaft geworden).
Totzdem ist es unserem “Probierkommando” gelungen, auch in dieser Enge ein paar lohnenswerte Tropfen zu entdecken. Hier eine (nicht vollständige) Probenliste:
- Weingut dh aus Essingen in der Pfalz
Der Sauvignon-Blanc, eine Spätlese trocken 2009, beeindruckte auf den ersten Riecher und Schluck durch seine grün-sauren Noten nach Stachelbeere, Paprika und frischer Ananas. Leider fehlt dem Wein der Druck durch Säure und Stoffigkeit, diesen ersten Eindruck nachhaltig weiterzuführen. Dennoch ein vergnüglicher Tropfen für Leute, die einen etwas charaktervolleren Weißwein suchen, der nicht zu kräftig ist.
Beim Riesling ‘Terroir M’ ebenfalls eine trockene Spätlese 2009 fehlte uns die Spritzigkeit und Säure – vielleicht typisch für die Gegend, aber leider nicht unser Geschmack. - Der www.weinfreund-muenchen.de schenkte Weine des Weinguts Pröglhof aus dem Weinviertel in Österreich aus.
Die probierten Grünen Veltliner small pepper 2009 und DAC Klassik 2008 zeichneten sich beide durch eine nachhaltige Nase nach grünem und weißem Pfeffer aus; ersterer noch deutlich mehr. Dennoch fehlte beiden die Kraft, dieses intensive Aroma auch mit dem Wein in Verbindung zu bringen.
Der Rosé mit dem Namen “Der Unentschlossene” war interessant mit einem leichten Erdbeeraroma ohne aufdringlich zu sein. Kalt getrunken ein schöner Sommerwein. - Beim Arkadenhof Hausdorf aus Neudegg in Wagram, Österreich, überzeugte uns am meisten der Grüne Veltliner Wadenthal 2009 für 6,40 Euro. Ein typischer Vertreter seiner Klasse, in sich stimmig.
- Eine spannende Entdeckung aus Südfrankreich die Weine der Domaine du Grand Fontanille, die alle als Vin de Pays Bouches-du-Rhone (Barrique) oder Alpilles angeboten werden. Herrlich kräftige Rotweine mit dem Macchia- und Kräuterduft des warmen Südens gepaart mit den kräftigen Aromen dunkler Beeren. Am besten gefiel vor dem Cuvée St. Gabriel 2001 (40% Grenache 60% Syrah) der 2003er (5% Grenache, 30% Cabernet-Sauvigngon, 65% Syrah).
- Ab jetzt gehts an die Mosel. Der trockene Riesling S Mühlheimer Sonnenlay von Bottler aus Mülheim wird angeblich sogar beim Bundespräsidenten ausgeschenkt, bekam aber für den Jahrgang 2009 von mir nur zwei Sterne, während es der Blauschiefer Riesling Kabinett auf drei Sterne brachte. Sehr gut auch der Winzersekt Brut.
- Sehr guten feinperlige Riesling-Sekt und hervorragende Auslesen gab es beim Weingut KranzJunk aus Brauneberg: 2007er Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Riesling Auslese kräftige Süße und schönes Säuregerüst, die 2006er Beerenauslese bot nochmal mehr Aromen und Süße, hatte aber nicht die kräftige Säure zur Abrundung.
- Das Weingut Gerlachs Mühle aus Kobern-Gondorf an der Mosel machte durch den “Dangerous Riesling” auf sich aufmerksam; ein feinherber und halbtrockener Riesling, der (vor allem) durch sein Etikett wirkt (das ich mir hier gestatte im Sinne des Winzers darzustellen).
Dazu schreibt der Winzer, zitiert von seiner Homepage: “Mit diesem Logo möchten wir auf die Deklarationswut der EU anspielen, welche alle alkoholischen Getränke in eine Waagschale schmeißt. Aus unserer Sicht ist Wein ein jahrtausende altes Kulturgetränk, welches man nicht mit den modernen Alkoholika vergleichen kann. Mit diesem Label versuchen wir eben dies mit ein wenig Humor darzustellen.”
Als Wein hat mich der “Stehkragen” Riesling QbA 2009 mehr beeindruckt. Der wirklich trocken war und eine deutlich Säure besaß. Auch der Riesling Sekt Brut überzeugte.
Ein weiteres Highlight waren die Klaren aus Nachbars Brennerei: Sowohl der Weinhefebrand aber vor allem der Williams-Christ und der Mirabellen-Brand überzeugten durch klare Noten und einen fein eingebundenen Alkohol (weitaus gefährlicher als der Riesling
- Sehr sympathisch und mit hervorragenden Weinen präsentiert hat sich auch das Weingut Kochan aus Lieser. Auch hier konnte der Riesling Sekt brut von der Mosel seine Klasse zeigen. Ein fülliger und komplexer Riesling mit einem idealen Säuregerüst war der Riesling Alte Reben trocken 2008. Nicht so kräftig aber mit vergleichbarer Struktur und mineralischen Anklängen präsentierte sich der 2009er Veldenzer Krichberg Riesling Kabinett trocken. Sehr aromatische Süße mit vielfältigen süßen Obstnoten zeigte die Riesling Spätlese Veldenzer Kirchberg feinherb, allerdings fehlte mir hier etwas die Säure. Damit haben die Moselwinzer gezeigt, dass dorthin mal eine Reise fällig ist.
- Den Abschluss bildeten nach knapp drei Stunden drei kräftige Rotweine des Weinguts Kraft aus Rust vom Neusiedlersee in Österreich: Der “Story of the Year”, abgekürzt SOTY 2007; eine Cuvée aus Blaufränkisch,Cabernet-Sauvignon und Merlot; kräftige Tannine und dunkelrote Früchte. Eine Steigerung durch intensiven Holzeinsatz bei gleichem Cuvée bot der Red Magic mit üppigen Holzaromen und süßen Anklängen an Marmelade, nicht zu unrecht auch als Zigarrenwein vermarktet. Und den fulminanten Abschluss bildete das Kraftwerk No. 11 ein Cabernet-Sauvignon der glücklicherweise nur in gebrauchtem Holz ausgebaut wurde – die Kraft kommt deshalb nicht nur vom Holz, sondern auch vom Wein selbst: Schoko und dunkle Beeren mit langem Abgang. Lecker!