weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for the ‘Italien’ Category

Zwei merkenswerte Weine

Posted by Markus

Ein Sauvignon-Blanc aus dem Trentino und ein Pinot Noir aus dem österreichischen Kremstal:

Sauvignon-Blanc “Vigneti delle Dolomiti” IGT 2007 von Graziano Fontana aus Faedo im Trentino bei San Michele. Ein Sauvignon-Blanc, wie wir ihn mögen: trotz 2007 immer noch frisch und hellgelb im Glas, ideal zu Fisch und Vorspeisen. Preis ab Weingut ca. 8 Euro. Weitere Tipps zu guten neuen Weingütern im Trentino, abseits der Massenweine befinden sich hier.

Pinot Noir Reserve 2005 von Josef Edlinger aus Palt im Kremstal in der Nähe von Stift Göttweig. Ein Pinot Noir, der das Sortentypische schön hervorbringt und dabei sehr ausgwogen und nicht zu kräftig ist. Preis ca. 15 Euro im Handel.

Beide Weine begleiteten ein Zehn-Gänge-Menü.

Bester Weißwein in der Maremma diesmal aus dem Friaul

Posted by Markus

Ich habe es schon öfter thematisiert: wenn man auf die jungen, spritzigen, frischen, knackigen Weißweine steht, tut man sich nördlich des Trentino in Italien meistens schwer. Deshalb lag es nahe in der Pacianca Osteria in Follonica in der Toskana (derzeit noch ohne Webauftritt, aber schon bei Google Maps zu finden), einen Weißwein aus dem Friaul auszuwählen:

Zu Spaghetti Carbonara di Mare (also Spaghetti Carbonara mit weniger Speck aber viel Meeresfrüchten) gab es einen Sauvignon-Blanc La Tunella, Colli Orientali del Friuli, 2007.

Bild von der Webseite www.lautenella.it frei downloadbarEr zählt bei La Tunella zu der Serie der klassischen Rebsorten, die im Stahltank ausgebaut werden. Deshalb zeichnet er sich erfreulicherweise durch die oben erwartete Frische aus, Noten von Stachelbeere und leichte Zitrusanklänge ergänzen diesen Eindruck. Nach dem ersten Schluck bedauert man, dass diese Kraft im Bukett nicht am Gaumen anhält. Beim weiteren Trinken jedoch, entsteht ein schönes Gleichgewicht. Preislich lag der 2006er nach Internet-Quellen bei rund 10 Euro.

Zum Wildschweinragout (dem hervorragendsten, was ich je gegessen habe) musste es dann natürlich ein Rotwein sein. Offen im Ausschank war der Sangiovese von Villa Patrizia aus Roccalbegna in dem relativ unbekannten und neuen DOC Gebiet Montecucco, in der südlichen Toskana unterhalb des Monte Amiata gelegen. (Erstaunlich, dass eine DOC sich über 400 Höhenmeter erstrecken kann: von den ersten Hügeln ab dem Meer bis zur letzten Besiedelung am Monte Amiata.) Der Wein war der ideale Treffer für das Wildschwein-Ragout: ein starker, aber nicht zu bissiger San Giovese (mit fünf Prozent Ciliegolo) aus 380 Meter Seehöhe, der drei Monate in gebrauchten Barriques (2. Füllung!) ausgebaut wurde. Wieder mal eines der seltenen Beispiele dafür, dass auch aus der heimischen Rebsorte gute Weine gemacht werden können, sofern mit ihnen richtig umgegangen wird. Nach mühsamer Recherche habe ich auch einen unbestätigten Preis von 11 Euro gefunden. Schön ist auch das Motto von Villa Patrizia gemäß einem alten italienischen Sprichwort:

Ein Fass Wein kann mehr Wunder bewirken als eine Kirche voller Heiliger.

Thailändisches Essen und Wein!?

Posted by Markus

Dieser Nachtrag, erstellt am 9. April, eingestellt für den 2. März, bereitet mir Kopfzerbrechen. Einerseits ist die Herausforderung spannend, zu thailändischem Essen Wein zu servieren, andererseits fragt man sich, ob das gut gehen kann. Hier das Ergebnis in aller Kürze, da ich nicht detailliert mitprotokolliert habe, sondern nur das wiedergeben kann, was mir noch in Erinnerung ist.

Ort des Geschehens war das Restaurant Ruen Thai in München. Empfohlen wurde es aufgrund des Faibles des Besitzers für Wein, weshalb natürlich in punkto Weinkarte keine Wünsche offen bleiben (die Karte geht bis knapp 3.000,- Euro, falls das jemanden interessiert).

Das servierte Menü war erwartungsgemäß sehr gut bis hervorragend, wobei insbesondere die Fisch- und Meeresfrüchtegänge sowie die süß-sauer-scharfen Saucen zu erwähnen sind. Der Nachtisch war - wie in der asiatischen Küche, die man hierzulande bekommt, meistens üblich - nicht der Rede wert.

Die Weinauswahl des Besitzers war gezielt, konnte aber dennoch der Würze und den kräftigen Geschmäckern kaum etwas entgegensetzen. Selbst das Probieren der Weine bevor man zur Gabel griff, half nicht, da der Mund bereits vom ersten Gang an nicht mehr in der Lage war, Weine in ihrer Fülle zu erschmecken. Ob es bei einer höheren Investition in die Weine besser gewesen wäre - ich wage es zu bezweifeln.

Dennoch soll ein Wein erwähnt werden, der uns überraschenderweise viel Freude bereitet hat: aus einer Magnumflasche bekamen wir einen Cult Cà del Pazzo 1999 vom Weingut Tenuta Caparzo in Montalcino serviert. Der Wein wurde seit 1982 unter dem Namen “Cà del Pazzo” aus aus Sangiovese und Cabernet-Sauvignon zusammengestellt. Der von uns getrunkene Jahrgang 1999 war mit dem Namenszusatz “Cult” der Erste, dem auch Syrah hinzugefügt wurde. Laut “technischer Beschreibung” enthält der “Cult” 40 Prozent Cabernet-Sauvignon, 30 Prozent Sangiovese und 30 Prozent Syrah, die 18 Monate in französischen Barriques reifen.

imageHerausgekommen ist ein voller, kräftiger und runder Wein, der die Vorteile der enthaltenen Rebsorten sehr gut kombiniert: das Dunkelbeerige des Cabernet-Sauvignon, das Erdige des Sangiovese und die Würze des Syrah, geschmacklich verbunden durch das gut eingesetzte und vor allem nicht übertriebene Holz. Der Wein, sofern überhaupt noch verfügbar, wird zu Preisen zwischen 98,- Euro und 125,- Euro (mit Holzkiste ;-) im Handel angeboten.

Danke W. für das hervorragende Essen und den entdeckten Roten, aber beim nächsten Asiaten trinke ich wieder ein Pils.

Wein Design-Etikett: “Ter” von Plozner

Posted by Markus

Vor zwei Wochen haben wir im Käfer Lagerverkauf eine Kiste “Ter” von Plozner aus dem Friaul gekauft. Mich faszinierte bei diesem Wein vor allem das minimalistische und dennoch sehr attraktive Etikett: mit einer Grundfarbe, zwei Schriftfarben und rein durch die Positionierung des Schriftzugs und der Beschreibung spricht mich das Etikett an. (Gekauft haben wir den Wein aber, weil wir von der soliden Qualität von Plozner nie enttäuscht wurden.)

Weinetikett “Ter” von Plozner

Gleichzeitig stelle ich fest, dass Mario Scheuermann auf seinem Blog im Moment auch über Weinetiketten diskutiert und zwar über die “die neue Ausstattung von Esterhazy Wein im burgenländischen Eisenstadt”, die in eine ganz andere Richtung geht.

“Ter” wird laut Plozner vor allem für den Catering-Bereich angeboten und ist lt. eigenen Angaben ein Bordeaux-Blend mit der lokalen Refosco Rebsorte verschnitten. Die Zustimmung zu dem Wein im Freundeskreis war geteilt. Einige mochten den würzigen Wein, andere störte, dass die Würze von keinerlei Körper getragen wird - es fehlt, für diesen Zielmarkt wohl gewollt, das Barrique bzw. ein Ausbau der auf einen dichteren Wein abzielt. Mehr dazu gibt es auf der “in Bau befindlichen” Webseite von Plozner in der PDF-Broschüre.

Einige wenige (W)Eindrücke aus Sizilien

Posted by Markus

Natürlich haben wir hauptsächlich Nero d’Avola getrunken. Erstaunlich dabei, in wieviel verschiedenen Charakteren der Wein aus der Flasche bzw. aus dem Edelstahl kommt. Wir hatten teure, dünne, muffige, mit penetranter Würze aus der Flasche. Aber es gab hervorragende dichte, fruchtige, schwarzrote als offene Weine, die sicher keine Komplexität oder ein interessantes Profil hatten, aber als Alltagswein durchaus akzeptabel sind.

Zu den Weinen, die wir dokumentiert haben gehört der einfache Nero d’Avola von Morgante, der Würzigkeit, Frucht und Dichte optimal verbindet. Das führt zu einem leicht zugänglichen Wein, der einfach Spaß macht. Erstaunlich die Bandbreite des Preises, die vor Ort von 7,25 (siehe Bild) bis 12,00 Euro reicht, in Deutschland teilweise für unter 7 Euro erhältlich, z.b. bei ronaldi.de (zum Wein direkt geht es hier).

Nero d'Avola von Morgante CIMG3394

Nach Angaben auf seiner Webseite produziert Morgante pro Jahr rund 250.000 Flaschen des Nero d’Avola. Der Ausbau erfolgt für vier Monate in französischen Barriques.

Ein zweiter Wein, der uns ebenfalls interessiert hat, wurde uns in einem Fischlokal in Agrigento empfohlen: der sortenreine Frappato Mandragola von Paolo Cali aus Vittoria. Die Rebsorte wird normalerweise hauptsächlich für Cuvées mit Nero d’Avola eingesetzt. Reinsortig ausgebaut ergiebt sie einen feingliedrigen, würzigen Wein, der nicht die Wucht eines Nero d’Avola besitzt. Uns hat er an schlanke, zurückhalten ausgebaute Pinot Noirs, z.B. aus Österreich, erinnert. Kurze Internetrecherchen ergaben, dass diese reinsortige Frappato Weine in Deutschland leider nicht verfügbar sind.

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