weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for the ‘Kritisches’ Category

Warum bloggt die Deutsche Weinkönigin nicht?

Posted by Markus

Evelyn Schmidt aus dem Weinanbaugebiet Sachsen ist von Oktober 2007 bis Oktober 2008 “unsere” deutsche Weinkönigin. Vom deutschen Weininstitut mit einer eigenen Webseite ausgestattet, befindet sich in der Navigation dort sogar der Menüpunkt “Evelyns Tagebuch”. Da denkt sich der weintrinkende Blogger sofort: “bei 300 PR-Terminen pro Jahr auf der ganzen Welt hat uns Evelyn sicher eine ganze Menge zu berichten”. Doch die Hoffnung wird leider enttäuscht. Hinter dem Menüpunkt verbirgt sich lediglich eine statische Webseite, die im Web 2.0 Zeitalter recht uninspiriert wirkt - schade eigentlich, das hätte ein schönes Blog werden können…

Weinproben und Pressefreiheit

Posted by Markus

Ein Fundstück aus dem Archiv: Diese Antwort auf eine Frage in einer älteren Ausgabe der Zeitschrift Divino ist nie abgeschickt worden. Nach meiner Erinnerung ging es darum, dass die Redaktion von Divino nach einer Berichterstattung über eine Weinprobe im Hause Dallmayr von einer der folgenden Proben “ausgeladen” wurde (es ging wohl um diesen Beitrag: http://www.divino-muenchen.de/dallmayr.htm), . Die Frage war, inwieweit die Ausladung zu der Weinprobe mit der Pressefreiheit vereinbar sei. Leser wurden aufgefordert, Ursachenforschung zu betreiben. Hier ist meine Antwort nun, spät, aber doch und besser als nie:

“Als Public Relations Experte (allerdings für die Computerbranche), kann ich mir folgenden Hintergrund für die “Ausladung” vorstellen:

Der Artikel stellt ein Weinritual grundsätzlich in Frage, das für Händler viel Geld bedeutet, weil es die Bedürfnisse unkritischer, zahlungskräftiger Kunden befriedigt: Man gehört zu den auserwählten Ersten, die probieren dürfen, was andere nicht mal aus der Flasche bekommen (oder sich leisten können), es wird bewertet und wer in der Summe die meisten Parker- oder Dallmayr-Punkte eingekauft hat, ist nach Punkten der Beste. Über Geschmack dagegen kann (und muss) man sich streiten, Punkte dagegen sind eindeutig. Kritische Weintrinker geben dem eigenen Geschmack oder Vorstellungen vom Wein den Vorzug und dazu gehört weder, dass man einen Wein nach dem beurteilt, was aus dem jungen Fass kommt, noch wieviel Punkte er hat. Keine Chance für den jungen, erfolgreichen, aber ungeübten und vielleicht auch zu unkritischen Weintrinker zur Selbstdarstellung. Wenn also nicht ausgerechnet das Haus Dallmayr als Beispiel für die Generalabrechnung mit Subskription und Punkten hätte herhalten müssen, vielleicht würden Sie dann auch heute noch von Dallmayr eingeladen. Und nebenbei gesagt: rein aus Vergleichsgründen bin ich natürlich schon neugierig, welchem Fass oder welcher Flasche die meisten Punkte gegeben werden bzw. welches Tröpfchen die höchsten Preise erzielt. Umso mehr freut man sich danach nämlich über so manchen Geheimtipp seines Weinhändlers, über selbstentdeckte Winzer im Urlaub oder über die Qualität des offenen Roten.

Noch eine Anmerkung sei zum Schluss gestattet: Wer sich in Zusammenhang mit Einladungen zu Champagner-Proben auf das hohe Gut der Pressefreiheit beruft, sollte entsprechend hohe Maßstäbe auch an die journalistische Qualität seiner Zeitschrift legen. Warum taucht ausgerechnet zu einem Bericht über die 20-Jahr-Feier von Jacques Weindepot eine Werbung desselben auf? Warum wird im Artikel Toni Wallner als unabhängiger Experte an einer Weinschule ins Spiel gebracht, wo er doch der Partner des gemeinsamen Weinhandels mit Kursleiter Tom Engelhardt ist (nichts gegen die beiden, deren Kompetenz und Weinauswahl bei falstaff wir sehr schätzen)? Diese handwerklichen “Schnitzer” lassen mich jedoch skeptisch sein, was die Glaubwürdigkeit der Berichte angeht, bei denen ich die Details nicht so genau kenne - nicht nur bei Divino, sondern bei jeder Weinzeitschrift, eigentlich jedem Verlagsprodukt und im Internet erst recht.”

Sollte ich den zu Grunde liegenden Sachverhalt falsch wiedergegeben haben, was aufgrund der vergangenen Zeit möglich ist, bitte ich um Entschuldigung und Korrektur an dieser Stelle.

Weinserie im Stern - Kritik von Enobooks

Posted by Markus

Gestern habe ich den seltenen Newsletter von enobooks bekommen. Besonders auffällig dabei das Editorial, in dem sich der Herausgeber dieser Seite kritisch mit der aktuellen Weinserie im Stern auseinandersetzt. Insbesondere kritisiert er fachliche Mängel im einleitenden Beitrag dazu. Ich bin nun etwas verwundert, da die mir vorliegenden Beiträge der Stern-Ausgaben 3, 4 und 5 von den ansonsten recht renommierten, wenn auch teilweise unkonventionellen Autoren, Cornelius und Fabian Lange verfasst sind. Die einseitigen Vorstellungen der Weine glänzen nicht durch fachliche Tiefe, da sich jeweils nur auf ein Weingebiet beschränken (nämlich auf das, aus dem der aktuell angebotene Wein der Serie stammt) und die möglichen Spielarten der Rebsorte in anderen Regionen der Welt vernachlässigen (bei Sauvignon Blanc fehlt z.B. erstaunlicherweise jeder Verweis auf die Steiermark). \’dcber den Sinn und Wert dieses sogenannten Redaktionsmarketing über Weinangebote, wie z.B. auch in der Süddeutschen Zeitung, kann man trefflich streiten, auch wenn wir einen Wein aus dem SZ-Angebot bereits probiert und für gut befunden haben (siehe unten).


Wir ziehen es aber weiterhin vor, Weine selbst zu probieren, bevor wir sie kaufen-zum Beispiel übernächstes Wochenende auf dem Vinland in Erding - und werden weiterhin an dieser Stelle berichten.

Am Wochenende übrigens waren wir Samstags in München, im Bamberger Haus, in der Churrascaria und haben Fleisch vom Spieß gegessen. Die probierten Rotweine - aus den USA, Italien und der schließlich bestellte Chilene - waren nicht der Rede Wert, das Augustiner schon ;-)