weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for the ‘Rotwein’ Category

Drei Jahrgänge Moss Brothers Shiraz Margaret River Australien

Posted by Markus

IMAGE_214 Zur Verkostung standen die Jahrgänge 2000, 2002 und 2005 von Moss Brothers. Die Weine wurden allesamt beim Australian WineStore erworben, der 2005er kostet dort derzeit 19,90 Euro. Auf der Webseite des WineStore befinden sich auch Details zum Anbaugebiet Margaret River  in Westaustralien. Die Weine wurden eine gute Stunde vor den ersten Schlucken geöffnet, dabei konnte nur der 2005er in punkto Geschmack überzeugen. Nach der Stunde präsentierten sich die Weine anders.

Interessant vor allem der 2000er, der sich zunächst verhalten zeigte, dann aber immer interessantere Geschmacksnuancen hervorbrachte: Eukalyptus im Vordergrund, Zeder und Tabak leicht darunter. Der 2005er, als jüngster in dem Trio, war der typische Übersee-Syrah, der einen zunächst durch seine überbordenden Aromen und Geschmäcker nach dunklen roten Beeren gemischt mit Vanille und Röstaromen vereinnahmte, dann aber durch seine, man kann fast sagen Plumpheit, an Faszination verlor. Stattdessen holte der 2000er auf, dessen Charakter mit zunehmenden Lufteinfluss immer deutlicher wurde: Immer klarere Aromen wie heiße Vegetation verliehen dem Wein die Ecken und Kanten, die einen Charakter ausmachen. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der 2002er auch Stunden nach der Öffnung nicht weiter: weder entwickelte er die Üppigkeit des 2005ers, noch entwickelte er eine Differenziertheit wie der 2000er.

Zum stark angebratenen und scharf gewürzten Steak passten sowohl der 2000er als auch der 2005er – beide besaßen (noch) genug Kraft um sich gegenüber den starken Aromen des Essens zu behaupten. Der 2005er als Essenbegleiter wohl eher etwas für diejenigen, die zu Hirsch oder Wienerschnitzel auch gerne mal ein Töpfchen Preiselbeeren zusätzlich ordern, während 2000er den intensiven Geschmack des Fleischs durch klare Aromen ergänzte, also eher für die, die auch mal genau hinschmecken.

Summa summarum ist der 2000er wohl auf dem Zenit seiner Entwicklung angekommen (wenn er ihn nicht schon überschritten hat), der 2005er verträgt vermutlich noch bis zu zwei Jahren, während der 2002er eigentlich nur noch die Chance hat, sich zu entwickeln, wobei nicht klar ist wohin, wenn er es überhaupt schafft. Interessant wäre gewesen, den 2002er ohne den vergleich mit seinem älteren und jüngeren Bruder zu verkosten, vielleicht mit anderen Shiraz gleichen Jahrgangs aus der gleichen Gegend – das nächste Mal dann.

Leckere schwarze Katze

Posted by Markus

Schwarze Katze 2006 aus 60 Prozent Zweigelt und 40 Prozent Merlot mit 13,5 Prozent Alkohol, Preis ca.20 Euro. Betörende Nase, vielschichtig: tiefe rote Frucht (saure Johannisbeere), Kaffee, Zeder, würzig, leicht mentholisch, Würze bleibt im Abgang erhalten, Tiefe fehlt etwas, evtl. zu jung.

Produziert und vermarktet von neun Winzerinnen aus Göttlesbrunn in Carnuntum unter dem Namen “schwarze Katze”. Dazu gehören Grassl Susanne, Graßl Maria, Markowitsch Christine, Netzl Christine, Oppelmayer Barbara, Pitnauer Edith, Wiederstein Margarete und Birgit. Sie stellen jeweils ein Fass ihres besten Weines für diese Cuvée zur Verfügung. Mehr zu den Winzerfrauen auf der Homepage www.schwarzekatzen.com, die leider keine Informationen zu dem Wein bietet. Schade auch, dass die Web-Adresse auf dem ansonsten sehr schönen Etikett falsch angegeben ist.

Mehr über Katzen in der Kulturgeschichte des Weines gibt es übrigens hier bei Vinaria.

Einige wenige (W)Eindrücke aus Sizilien

Posted by Markus

Natürlich haben wir hauptsächlich Nero d’Avola getrunken. Erstaunlich dabei, in wieviel verschiedenen Charakteren der Wein aus der Flasche bzw. aus dem Edelstahl kommt. Wir hatten teure, dünne, muffige, mit penetranter Würze aus der Flasche. Aber es gab hervorragende dichte, fruchtige, schwarzrote als offene Weine, die sicher keine Komplexität oder ein interessantes Profil hatten, aber als Alltagswein durchaus akzeptabel sind.

Zu den Weinen, die wir dokumentiert haben gehört der einfache Nero d’Avola von Morgante, der Würzigkeit, Frucht und Dichte optimal verbindet. Das führt zu einem leicht zugänglichen Wein, der einfach Spaß macht. Erstaunlich die Bandbreite des Preises, die vor Ort von 7,25 (siehe Bild) bis 12,00 Euro reicht, in Deutschland teilweise für unter 7 Euro erhältlich, z.b. bei ronaldi.de (zum Wein direkt geht es hier).

Nero d'Avola von Morgante CIMG3394

Nach Angaben auf seiner Webseite produziert Morgante pro Jahr rund 250.000 Flaschen des Nero d’Avola. Der Ausbau erfolgt für vier Monate in französischen Barriques.

Ein zweiter Wein, der uns ebenfalls interessiert hat, wurde uns in einem Fischlokal in Agrigento empfohlen: der sortenreine Frappato Mandragola von Paolo Cali aus Vittoria. Die Rebsorte wird normalerweise hauptsächlich für Cuvées mit Nero d’Avola eingesetzt. Reinsortig ausgebaut ergiebt sie einen feingliedrigen, würzigen Wein, der nicht die Wucht eines Nero d’Avola besitzt. Uns hat er an schlanke, zurückhalten ausgebaute Pinot Noirs, z.B. aus Österreich, erinnert. Kurze Internetrecherchen ergaben, dass diese reinsortige Frappato Weine in Deutschland leider nicht verfügbar sind.

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Banfalu 2002 von Sepp Moser aus dem Burgenland

Posted by Markus

Diese Cuvée aus Merlot, Cabernet-Sauvignon und Zweigelt haben wir getrunken anlässlich eines genussvollen Abends im Hardthaus. Das faszinierende an dem Wein war, dass wir ihm zunächst mangelnden Körper attestierten. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelten sich jedoch spannende und vielschichtige würzige und leicht röstige Noten. Im Vergleich dazu wirkten, zugegebnermaßen schlichtere, aber im Barrique ausgebaute Rotweine, ebenfalls aus Österreich, eher plump und aufdringlich. Je länger der Abend, desto mehr Spaß hat uns der dezent barriquisierte (?) Banfalu aufgrund seiner vielfältigen Nuancen gemacht. Zum Lammrücken konnte der Banfalu sogar mehr überzeugen, da sein Geschmack das Lamm hervorragend ergänzte und nicht mit schweren Röst- oder dunklen Fruchtaromen zudeckte. Der Preis für den (nicht probierten) Jahrgang 2004 beträgt 16,70 Euro. Auf der Webseite von Sepp Moser gibt es zu diesem Jahrgang übrigens ein ausführliches “Datenblatt”.

Rotweine aus Süditalien: unter den Erwartungen

Posted by Markus

Wie angekündigt, hier der Bericht über unsere Süditalien Weinprobe am vergangenen Sonntag.

Santa Lucia - Vigna del Melograno 2003, Uva di Troia, Apulien, Probensieger: Santa Lucia - Vigna del Melograno 2003, Uva di Troia, ApulienBezug über Falstaff (6,90 Euro), 13 % Alk.: wilde rote Beeren, tanninig, würze, zu wenig Körper, vermutlich ein guter Begleiter zu kräftigem Käse. Die Teilnehmer waren unterschiedlicher Meinung darüber, ob der Wein tatsächlich zu tanninig ist und zu wenig Körper hat. Am Ende der Weinprobe hat sich jedoch der Santa Lucia als Gewinner herausgestellt. Er war über alle Rebsorten, Winzer und Preisklassen hinweg Sieger. Das lag daran, dass er als einziger einen deutlichen individuellen Charakter besaß.

Nero d’Avola 2005 von Zisola in Sizilien (gehört zum Imperium Mazzei, in dessen Besitz u.a. Castello die Fonterutoli im Chianti ist), Bezug über Käfer (11 Euro), 14 % Alk.: Teer, röstig, leicht brandig, Alkohol bleibt stehen, weil zu wenig Körper, stark vodergründig, ein “Blender”.

Nero d’Avola 2005, Cantine Sette Soli, Sizilien, Bezug über Tengelmann (4,90 Euro), 13 % Alk.: marmeldig, hinten dünn und bissig. Ein kurzes, klares Urteil\’85

Nero d’Avola 2004, Cent’are, IGT, Sizilien, Bezug über Kaufhof (6,99 Euro), 13 % Alk.: röstig, Körper klar, aber wenig; dunkle Beeren, Rumtopf, geröstete Kakaobohnen,
tierisch-ledrig

Nero d’Avola-Cabernet-Sauvignon 2005, Sizilien, itinero, Mondo del Vino, Bezug über Gallier (7,95 Euro), 14 % Alk.: kurz-süß-weg! Füllig, ohne Charakter, Sauerkirsche ohne Wärme

Nero d’avola - Syrah 2005, Cusomano, Benuara, Sizilien, San Carlo, Bezug über Internet (7,90 9,50 Euro), 14 % Alk.: würzig, leicht animalisch, samtig, aber leider zu wenig “Charakterstärke”!?

Bonera Mandra Rossa 2003, Bezug über Kaufhof (8,99 Euro), IGT, Sizilien, Cantine Setti Sole, Alk? Gewürz, Anisplätzchen, deutliche Barrique-Noten

Syrah 2005, Ronna, Terre di Giurfo, Sizilien, Bezug über Weinmusketier (12,80 Euro), 13,5 % Alk.: “Säftchen”, süß, wohlschmeckend, “nicht weh tuend”, dünn, ist nett aber unspannend

Salento Primitivo 2003, IGT, Tenuta Palese, Bezug über Bremer Braunschweig (7 Euro), 13,5 % Alk.: weniger beerig, mehr kantig, trotzdem dünn, beißt und brennt

Appollonio 2001, DOC Squinzano, Lecce (Absatz vom Stiefel), 6 Monate Barrique, 70 % NA, 15 % SG, 15 % MV, Bezug über Bremer (8,50 Euro), 14 % Alk.: Grosser Wein? Nein! Kantig in der Nase, Süß im Abgang, Maggi, Liebstöckl