weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Archive for the ‘Weinrallye’ Category

Weinralley #17: Riesling aus Slowenien

Posted by Markus

Um es gleich vorweg zu sagen: uns sind die schlanken, säurebtonten Rieslinge lieber. Leider war die verfügbare Auswahl bei dem Thema - “Weine der letzten EU-Beitrittsstaaten” ausgerufen vom myexperience4u Blog - nicht so groß, so dass wir greifen mussten, was wir kriegen konnten. Diesmal am Forum Vini in München am Stand des Weinguts Dveri-Pax aus Jarenina in Slowenien (nordöstlich von Maribor). Offenbar handelt es sich dabei um eine Art Genossenschaftskellerei (Zitat aus der Broschüre: “Wir sind slowenische Winzer”). Insgesamt werden rund 68 ha in drei Gebieten der Region Untersteiermark bewirtschaftet. Dazu gehören: Maribor, Jeruzalem und Radgona sowie Kapele.

Der verkostete Riesling stammt laut der Riesling-Webseite aus der Region um Maribor und wartet mit folgenden technischen Daten auf:

  • Jahrgang: 2007
  • Weinanbaugebiet: KoÅ¡aki ( Maribor )
  • Sorte: Riesling 100%
  • Boden: Lehm / Sand
  • Weinlese: Zweite Hälfte Oktober, handgelesen.
    Analyse:
  • Alkohol: 12,00 % vol.
  • Restzucker: 6,10 g/l
  • Säure: 6,00 g/l

dveri-pax-rieslingWie bereits Eingangs erwähnt bevorzugen wir schlanke, säurebetonte Rieslinge. Dieser hier gehörte leider nur ansatzweise dazu. Im Glas ein klarer, hellgelber Riesling. In der Nase durchaus typische Kernobst- und Aprikosennoten. Im Mund wird die geringe Säure dann jedoch schnell von der Fruchtigkeit überlagert, bis hin zu einem leicht breiten Eindruck - und das, obwohl der Wein Kühlschranktemperatur hatte. Kurz und gut: für 9,50 Euro ab Hof ein Wein, der nicht unserem Geschmacksinteressen entspricht und wo wir für gleiches oder gar weniger Geld Weine finden, die uns mehr entsprechen.

Neben dem Riesling habe ich auf dem Forum Vini noch sechs weitere Weine vom Weingut Dveri-Pax probiert. Alles saubere, klare Weine in der Preisklasse zwischen 5,10 Euro (Janez Cuvée aus Welschriesling, Riesling, Sauvignon-Blanc) und 14,90 Euro (Pinot Noir). Die Weißweine zeichneten sich nach meinem Geschmack durchgehend durch niedrige Säure und, wenn vorhanden, viel Frucht aus. Der Sauvignon-Blanc hatte leider zu wenig Körper und war dafür von zu viel Holz überlagert.

Ich bin sehr gespannt und sicher, dass die Kollegen der Weinralley auch Weine aufgetrieben haben, die noch spannender sind. Insgesamt stellen wir jedoch fest, dass es schwierig ist, sich durch neue aufstrebende Weinbauländer zu trinken. An der Spitze der sehr schmalen Pyramide hochpreisige Weine, die meist internationalem Stil entsprechen (wollen); eine Stufe tiefer leider nur Weniges bzw. hierzulande schwer zu Entdeckendes, das ein interessantes Preis-Genuss-Verhältnis bietet; am untersten, breitesten Ende der Pyramide dann Massenweine. Wir lassen uns gerne eines Besseren belehren.

Weinralley #14: Weine zum Grillen - Holzfleisch!

Posted by Markus

Es kommt immer darauf an, was man wie, auf welche Grill legt, lautet meine Einleitung zur Weinralley #14, ausgerufen vom SanoViaBlog. Mittlerweile hat sich Grillen zu einem, ich vermute mal, wenn nicht Milliarden- so doch Millionengeschäft entwickelt. Eine Allensbacher Statistik bestätigt diesen Trend:

<iframe src=”http://de.statista.org/statistik/embedded/embType/StatSec/studie/80/umfrage/lust-zum-grillen/” id=”iframe” name=”input” scrolling=”no” width=”510px” height=”445px” style=”border: 0px;”><p>Leider kann Ihr Browser diese Grafik nicht anzeigen. Direkter <a href=”http://de.statista.org/statistik/daten/studie/80/umfrage/lust-zum-grillen/”>Link zur Statistik “Lust zum Grillen”</a></p></iframe>

Als Bezieher (nicht Abonnent!) der einschlägigen Fachzeitschrift “Fire&Food” kann ich ein langes Lied davon singen, welche Blüten das Grillen treiben kann - nichts, was es nicht speziell für den Griller gibt und Vereinsgrillen scheint das schönste zu sein. Auch die Grillhauptstadt wurde schon gekürt: Erfurt führt vor Saarbrücken und Dresden.

Dennoch ziehe ich das Holzfleisch vor: ohne Grillanzünder, ohne Kohle nur Holz und ein Rost. Das reicht. Demnach ist die Frage, was man für einen Wein dazu trinkt für mich eher akademischer Natur. Wenn man unbedingt kein Bier trinken will, dann bevorzuge ich einen jungen, süffigen Rotwein, der ruhig etwas Frucht oder Tannin haben darf.

Bistecca Fiorentina direkt vom Grill, so wie es sein soll!

Zu diesem Bistecca Fiorentina, das auf diesem Grill zu sehen ist, war es beispielsweise die rote Literware der Morris Farms aus Massa Marittima in der Toskana. Jeder andere Wein wäre von den Röstaromen erschlagen und kann sein Potenzial, sei es noch so kräftig, nicht ausspielen. Es wäre schade um jeden besseren Wein.

Dieser einfache Sangiovese wird in etwas verbesser Form mit Cabernet-Sauvignon und ein Jahr im Barrique auch flaschenweise verkauft, ca. fünf Euro vor Ort,  und vereint Frucht, leichtes Tannin und jugendliche Frische mit einem kräftigen, aber nicht dunklem, Rot. Ein idealer Wein zu stark geröstetem Fleisch oder gewürzten Würsten (Salsicce), die eher deftig und von starkem Geschmack, als fein sind. Für anderes Grillgut mag es andere Weine geben, zu dem geschilderten und bebilderten passt dieser (zumindest vor Ort ;-) ) am besten.

Weinralley #13: Diesmal nur engagierter Zaungast

Posted by Markus

Soeben lese ich auf Planet Bordeaux die Zusammenfassung der letzten Weinralley mit dem Thema „Bordeaux Blends outside Bordeaux“an der ich nicht teilnehmen konnte. Oder wollte!? Dennoch, und das betone ich zu Anfang, habe ich die Blogposts drumrum ausführlich studiert. Ich war bis zur letzten Sekunde unsicher, ob ich dabei sein werde.

Die Gründe für das kurzfristige Ausscheiden waren vielfältig, nur um die Spekulationen des geschätzten Kollegen Scheuermann etwas zu ergänzen: Erstensmal pflegen wir, evtl. generationsabhängig, gewisse Vorbehalte gegen etablierte B-Weine, d.h. automatisch, dass unser Keller in die Richtigung nicht sooo viel hergibt (wie man auch an den Inhalten dieses Blogs erkennen kann). Was der Keller hergäbe, wären allerdings schon Überseeweine aus der gefragten Richtung, doch die sind oftmals nicht so deutlich ausgezeichnet, dass man auf die Schnelle feststellen hätte können, ob sie die gewünschte “Blend” enthalten, was widerrum Vorab-Recherche erfordert hätte, für die ich keine Zeit hatte. Beim Hobby-Weintrinker zeigt sich halt ab und zu, dass er erstens Geld verdienen muss, um sich Weine leisten zu können und zweitens nur beschränkt Zeit hat, sich um sein Hobby zu kümmern (was sich leider auch in der Häufigkeit der Posts an dieser Stelle niederschlägt).

Abschließend finde ich es aber durchaus eine gute Idee, auch mal Ralleys auf anspruchsvolleren Themen zu fahren, selbst wenn die Teilnehmerzahl dann etwas sinkt; die Qualität der Beitrage der aktuellen Ralley spricht ja für sich. Wichtig ist jedoch, dass es einen Ausgleich zwischen anspruchsvollen und eher einfachen Themen gibt, so dass jeder die Chance hat teilzunehmen. Deshalb hoffe ich, dass der Freud’sche Vertipper von Mario Scheuermann:

war es auch eine spannende und interessanteste Rallye

wirklich nur ein Freud’scher war und die Ralleys so bleiben wie sie waren. In dem Sinne: wenn nix dazwischenkommt, bin ich bei der nächsten Weinralley wieder dabei, wenn es heißt, Weine für den Grillabend!

Weinralley #12: In Gottes Namen

Posted by Markus

Logo Weinralley“Is scho wieder Weinralley” - dieser Schock traf mich gestern Abend als ich den Termin sah. Keine Chance, dachte ich. Die berühmten “Clos” pflege ich nicht im Keller zu haben, österreichischer Messwein hat sich qualitativ nie als so hochwertig erwiesen und Abbaye de Valmagne hatte ich vor Jahren den letzten getrunken. Dennoch die Halbzeit von Holland-Italien genutzt und in den Keller gesprintet und siehe da, wir haben doch noch eine passende Einzelflasche gefunden:

Domaine de l’Oratoire St. Martin, Cuvée Prestige, 1999, einen Côtes du Rhone villages von Fredric & Francois Alary aus Cairanne.

Die Flasche haben wir bei einem unserer letzten Frankreich-Urlaube 2001 beim Winzer direkt gekauft, nach meiner Erinnerung für rund 45 Francs damals, alle weiteren Details kann ich aber nicht mehr nachvollziehen - doch da hilft ja heutzutage, acht Jahre später, das Internet:

Die Gebrüder Alary haben eine eigene Homepage sogar mit eigenem Blog, der aber noch neu zu sein scheint. Dort erschließt sich auch kurz, warum die Domaine de l’Oratoire so heißt, wie sie heißt: nämlich weil auf den 25 Hektar Rebfläche auf den Hügeln von St. Martin auch die gleichnamige Kapelle steht (zu der mir jetzt aber weitere theologische und kunsthistorische Kenntnisse fehlen). Damit erfüllt dieser Wein aber die Forderung des Themenstellers: “Wein dessen Herkunft eindeutig auf einen ehemaligen Besitz der Kirche schliessen läßt.” (bewiesen durch die Kirche auf dem Etikett ;-)

Domain de l\'Oratoire St. Martin, Cuvée Prestige, 1999Für den aktuellen Jahrgang 2006 (Cairanne Cuvée Prestige) wird auf der Homepage eine Zusammensetzung 60 Prozent Grénache und 40 Prozent Mourvèdre angegeben, was sich, wie wir gleich sehen werden, auch in Farbe, Geruch und Geschmack abbildet. Deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass die Rebzusammensetzung über die Jahre nur geringfügigen Schwankungen unterliegt.

In letzter Zeit waren wir oft erstaunt von der Haltbarkeit der Roten von der südlichen Rhône, auch wenn es sich nicht um teuerste Weine handelt, so auch jetzt wieder.

Gleich nach dem Einschenken entspringt dem Glas der würzige Duft der Provence zur Mittagszeit, so stark, dass es fast als streng zu bezeichnen ist. Das ganze mit fernen Anklängen von Süße, von konzentriertem Sauerkirschkompott. Die Farbe ist tiefrot, violett - bräunliche Anklänge kaum bis gar nicht zu erkennen. Im Mund dann ein Geschmack von Würze und Tannin, es bleibt auch im Abgang die leichte Süße erhalten. Toll! Mit der Zeit schwindet dann die extreme Würze und wird überlagert von Eukalyptus und Veilchennoten, die von der tanninigen Süße abgefedert werden.

Kurz und (sehr) gut: Danke an den Winzerblog für das Thema, wer weiß, wann wir die Flasche sonst geöffnet hätten.

Übrigens in Deutschland führt z.B. Vinisud die Weine, der aktuelle Jahrgang kostet dort 15,80 Euro.

Weinralley #11: Rosé - und das Wetter passt!

Posted by Markus

image Eigentlich ein optimaler Tag für eine Rosé-Probe: tagsüber 23 Grad und leichter bis mittlerer Ostwind haben den Himmel über Bayern wolkenfrei geblasen. Trotzdem wird es nur ein kurzer Bericht, da wir vor dem Aufbruch nach Italien stehen (in Bayern haben die Pfingstferien begonnen).

In der Flasche befindet sich in ein Rosé 2007 vom Weingut Schreiner in Gols im Burgenland (einer deutschsprachigen Region, wie es in der Ausschreibung gefordert war). Doch selbst bei flüchtigem Hinschmecken wird klar, dass die Farbe zwar schön rosé ist, der Wein aber seine Herkunft vom burgenländischen Zweigelt nicht verheimlichen kann.

Unsere mangelnde Begeisterung liegt an den vielen Vorurteilen und damit verbundenen Erwartungen über Rosé: Sommer, CIMG3930Sonne, Süden - ein umkomplizierter, ja erfrischender Wein, der ohne Folgen auch am frühen Nachmittag schon Spaß machen soll. Hier liegt ja oft auch das Problem dieses Weintyps: oft untertreiben die Winzer, dann hat man ein charakterloses Leichtgewicht im Glas, das man gerne für einen knackigen Weißwein eintauscht. Oder die Winzer meinen, der Rosé müsse gefälligst schmecken, dann kommen unserer Erfahrung nach oftmals parfümierte (Erdbeere! Gummibärchen!) oder gar lackige Weine heraus, die auch keinen Spaß machen - auf jeden Fall erfüllen sie nicht die oben beschriebene Erwartung.

Der im beschlagenen Glas befindliche Rosé von Schreiner versucht nun mit seinen 13 Prozent Alkohol gar nicht erst leicht zu sein. Er kommt auch eher breit an, das Zweigelt-typische kippt mangels Körper leicht ins Bittere. Für den schnellen, umkomplizierten Genuss also einfach zu kräftig.

Als Charakterdarsteller ist Rosé wohl generell von der Grundidee nicht geeignet, und ich bin deshalb gespannt, was die Zusammenfassung auf den Seiten des diesmaligen Ralley-Gastgebers Nikos Weinwelten erbringt.