weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Zwei SZ-Pakete: Wenig Wein für viel Geld

Posted by Markus

Eigentlich bin ich ja ein “positive blogger”, aber irgendwann ist es auch mir zuwenig des Guten. Die Probe von zwei Paketen aus der Vinothek der Süddeutschen Zeitung (SZ) förderte Erschreckendes bis Untrinkbares zu Tage. Eigentlich war nur einer von elf Weinen gut trinkbar, drei gerade noch so tolerabel. Insbesondere der Ausfall bei Klassikern wie Barolo, Chianti und Bordeaux, Chateauneuf-du-Pape hat uns überrascht. Selbst bei den einigermaßen trinkbaren Weinen, konnten wir keine regions- oder sortentypischen Merkmale erkennen. Probiert haben wir alle Weine aus den Paketen “Viel Wein für wenig Geld” und “Für Anspruchsvolle und Kenner”. Dass es statt zwölf Weinen nur elf Weine wurden, lag daran, dass eine Flasche in einem Paket kommentarlos vom Lieferanten ausgetauscht wurde und deshalb ein Weißwein doppelt war.

Bei der herben Kritik hier nochmal kurz zu den Rahmenbedingungen: alle Weine hatten die korrekte Temperatur; sie waren bereits mehrere Tage am Verkostungsort, also ruhig gelagert; die Verkostungsrunde bestand aus neun erfahrenen Hobby-Weintrinkern, die sich regelmäßig treffen (zugegebenermaßen aber aufgrund einer über zehnjährigen Weinrundentradition einen ähnlichen Weingeschmack aufweisen). Wir sollten also über genug Erfahrung verfügen, gute und schlechte Wein zu unterscheiden, unabhängig davon, ob sie uns selbst gut oder schlecht schmecken.

Im Übrigen hatten wir in diversen Weinproben auch schon Flaschen aus anderen SZ-Vinothek-Paketen, an denen nichts auszusetzen war, siehe unter anderem bei unserer Übersee-(ohne Nordamerika) Probe.

Für die Süddeutsche Zeitung haben wir folgenden Tipp: Es liegt in der Natur der Sache, dass verschiedene Weinfachleute unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben haben. Derzeit beschäftigt die Süddeutsche offenbar nur einen Experten mit der Auswahl der Weine. Deshalb wäre es vielleicht ratsam, auch mal mit anderen Experten zusammen zu arbeiten, um in den Weinpaketen eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen.

Einen ganz persönlichen Hinweis an die SZ kann ich mir als jahrzehntelanger überzeugter SZ-Leser dennoch nicht verkneifen: In den überregionalen Ressorts macht ihr eine gute Zeitung (leider nicht mehr in den Lokal- und Regionalteilen)! Passt auf, dass ihr mit Büchern, DVDs, Weinen usw. nicht zu einem Tchibo mit angeschlossener Zeitung verkommt. Anders gesagt: Verleger bleib bei deinen Journalisten! Dazu noch der Verweis auf einen kritischen Beitrag zur Vermischung von Redaktion und Werbung im Titel-Magazin o­nline über die Tchiboisierung der Süddeutschen Zeitung.

Und nun endlich zu den Weinen im Einzelnen (detailierte (Marketing-) Beschreibungen und Preise sind in der SZ-Vinothek erhältlich:

Sizilien: Mirabile Inzolia 2006, 13.5% A: wenig frisch, bananig, dick, ca. 8,80 Euro. Inzolia ist eine lokale sizilianische Rebsorte, auch unter dem Namen Ansonica in der Toskana und auf Elba bekannt. Von den schönen Beschreibungen, wie “in die Richtung weiße Blüten, Birnen oder Quitten gehen. Die Weine sind meist frisch und haben eine leichte Säure.”, wie sie hier zu finden sind, war leider nichts zu schmecken.

Österreich: Grüner Veltliner 2006 MF Weingut Felsner, Kremstal, Grunddorf, 13% A: sehr zurückhaltende Nase, leicht parfürmiert aufgesetzt, angekündigtes ‘Pfefferl’ fehlt.

Frankreich: Sauvignon-Blanc, Touraine, 2005, Christoph Davault: seltsam würzige Nase, fällt zusammen, charakterlos, bitter, “schon durch”. Da mutet der Spruch des Winzers, “Le debut d’une amitie”, zu Deutsch: der Beginn einer Freundschaft, etwas komisch an.

Portugal: Alentejo, Fonte de Moura Linda, 2006, 14, Hazienda de Malhardina Nova, Familie Soares: Aragones, Alicante, Syrah, Alfrocheiro, Touriga Nacional, metallisch-würzig, zu wenig dicht, wenig Beeren, ca. 10 Euro.

Spanien: La Montesa Herencia Rioja 2004, Alfaro Espana, Palacios Remondo, 13.5% A: kirschig-würzig, leicht krautig, typische Rioja Nase und Mund, 12 Monate Barrique, Garnacha, Temperanilla, Mazuelo, Graciano.

Spanien: Graves de Marisa 2004, Cigales, 14% A: warme, runde, tiefere Noten, 95% Temperanillo, süße rote Beeren, leicht marmeladig, 10 Euro.

Frankreich: Chateau Valrose Cuvee Alienor, 2004, Bordeaux, St.-Estephe, Croignon, 13,5% A: 50% Merlot, 40% Cabernet-Sauvignon, 10% Cabernet-Franc, tolle Farbe, Vanillenote, zu wenig Körper, vordergründig, bei mehr Luft krautig, bitter.

Frankreich: Chateauneuf du Pape, Jas de Bressy 2005, Vignobles Mousset Barrot, 15% A: sauer-bitter-dünn, erwartete Würze fehlt, typisch???, später banal süßlich (Grenache), 24 Euro!!!

Italien: Chianti Classico, Altromare, Riserva 2003, Felsino: 100% Sangiovese, braunes, saures, Wässerchen, Nase flach, 19 Euro!!!

Italien: Barolo Bava 2003, Coccionato, Scarrone, Az. Altacosta, 13,5% A: anders schlecht als der Chianti, riecht kaputt, dünn bräunlich, bitter, sauer

Chile: Errazuriz Cabernet Sauvignon - “Single Vineyard” 2005, 14,5% A: 93% Cabernet-Sauvignon, 6% Cabernet-Franc, 1% Petit Verdot, Cassis, Schmackes, schiebt, Minz, Eukalyptus, Tabak, Wacholder, bester Wein! Sehr gut vorstellbar zu Wild und Schokoladensauce! 16 Euro.

Urlaubsweinprobe am 11.11.2007

Posted by Markus

Im Vergleich zu anderen Proben war es diesmal eher wieder eine Weinprobe nur von gehobener durchschnittlicher Qualität. Erfreut haben, uns die Bordeaux, bei denen wir - erst recht in der Preisklasse - sonst sehr skeptisch sind. Wie immer: solide Qualität bei den Österreichern.

Österreich: Jöbstl, Wernersdorf, Schilcher Ried Krass 2006: Paprika, weiss-pfeffrig. 8 Euro.

Österreich: Ziss, Weinviertel/Röschitz, Grüner Veltliner 2006 Mühlberg: Nase etwas zurückhaltend, schönes Pfefferl im Mund, wenig Nachhall. Verliert der etwa schon oder ist es nur der kräftige Schilcher zuvor?

Österreich: Weingut Skoff, Südsteiermark, Sauvignon-Blanc classic 2006 ,12,5% Alkohol: brennesselig, stachelbeerig, trotz hefig-petroliger Anklänge, feine struktur. Um die 10 Euro. Leider ein wenig zu warm probiert.

Italien: Giogantino, Sardinien, Vermentino di Gallura 2006 DOC, 13% Alkohol: Akazie, breit keine Säure, kein Ausdruck. Diskussion darüber, ob der Wein schnell zu alt geworden ist oder einfach Weißweine, die südlich von Trento angebaut werden, nur im Urlaub zu trinken sind…

Deutschland: Weingut Winter, Dittelsheim/Rheinhessen, Scheurebe trocken 2006: Überreife Ananas, bischen zu wuchtig und zu breit, dafür zu wenig Säure, könnte noch kühler getrunken werden. Ca. 10 Euro.

Österreich: Weingut Hirtl, Weinviertel/Poysdorf, Merlot 2006: kirschig, pflaumig, röstiger Abgang, schlanker aber charaktervoller Wein. 9,50 Euro ab Hof.

Frankreich: Chateau Barbeyron 2005, St.-Emilion Grand Cru: kräftige Farbe, tolle Nase aber im Mund mager, zarte Himbeere, schlanke Struktur (auch: “Toastbrot in der Nase”). Aus dem Zeit Probierpaket, umgerechnet ca. 10 Euro. Erstaunlich akzeptabler B-Wein.

Frankreich: Les Haldes de Luchey 2003, Pessac-Leognan, Merignac, 12,5% Alk.: voll krautig, füllig-fleischig, kräftig-schwer, Süße und Hefe. Zeit Probierpaket, umgerechnet ca. 10 Euro. Erstaunlich im Übrigen die Preisunterschiede im Internet: zwischen 13,30 Euro bei der Zeit und 17,89 Euro bei Ebrosia.

Spanien: Marques de Grinon, Toledo, Petit Verdot 2001, 13% Alk.: Farbe violett-schwarzrot, schöne Noten, Kräuterwürzig, aber kantig-beißend obwohl es doch schon ein 2001er ist. Ca. 15 Euro.

Die nächste Probe steht an für 16. Dezember: eine Blindprobe, bei der die Rebsorten erkannt werden sollen.