weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Bester Weißwein in der Maremma diesmal aus dem Friaul

Posted by Markus

Ich habe es schon öfter thematisiert: wenn man auf die jungen, spritzigen, frischen, knackigen Weißweine steht, tut man sich nördlich des Trentino in Italien meistens schwer. Deshalb lag es nahe in der Pacianca Osteria in Follonica in der Toskana (derzeit noch ohne Webauftritt, aber schon bei Google Maps zu finden), einen Weißwein aus dem Friaul auszuwählen:

Zu Spaghetti Carbonara di Mare (also Spaghetti Carbonara mit weniger Speck aber viel Meeresfrüchten) gab es einen Sauvignon-Blanc La Tunella, Colli Orientali del Friuli, 2007.

Bild von der Webseite www.lautenella.it frei downloadbarEr zählt bei La Tunella zu der Serie der klassischen Rebsorten, die im Stahltank ausgebaut werden. Deshalb zeichnet er sich erfreulicherweise durch die oben erwartete Frische aus, Noten von Stachelbeere und leichte Zitrusanklänge ergänzen diesen Eindruck. Nach dem ersten Schluck bedauert man, dass diese Kraft im Bukett nicht am Gaumen anhält. Beim weiteren Trinken jedoch, entsteht ein schönes Gleichgewicht. Preislich lag der 2006er nach Internet-Quellen bei rund 10 Euro.

Zum Wildschweinragout (dem hervorragendsten, was ich je gegessen habe) musste es dann natürlich ein Rotwein sein. Offen im Ausschank war der Sangiovese von Villa Patrizia aus Roccalbegna in dem relativ unbekannten und neuen DOC Gebiet Montecucco, in der südlichen Toskana unterhalb des Monte Amiata gelegen. (Erstaunlich, dass eine DOC sich über 400 Höhenmeter erstrecken kann: von den ersten Hügeln ab dem Meer bis zur letzten Besiedelung am Monte Amiata.) Der Wein war der ideale Treffer für das Wildschwein-Ragout: ein starker, aber nicht zu bissiger San Giovese (mit fünf Prozent Ciliegolo) aus 380 Meter Seehöhe, der drei Monate in gebrauchten Barriques (2. Füllung!) ausgebaut wurde. Wieder mal eines der seltenen Beispiele dafür, dass auch aus der heimischen Rebsorte gute Weine gemacht werden können, sofern mit ihnen richtig umgegangen wird. Nach mühsamer Recherche habe ich auch einen unbestätigten Preis von 11 Euro gefunden. Schön ist auch das Motto von Villa Patrizia gemäß einem alten italienischen Sprichwort:

Ein Fass Wein kann mehr Wunder bewirken als eine Kirche voller Heiliger.

Sieben Gänge mit acht Weinen

Posted by Markus

Sieben Gänge, vier Weißweine, zwei Rotweine und zwei Süßweine, die insgesamt ein großes Vergnügen verursachten.

Salat vom weißen und grünen Spargel mit Frankfurter (grüner) Sauce

Sauvignon-Blanc 2006, Domaine du Haut Perron, Guy Allion, Tourraine, Val de Loire, 13%, Marascheck, ca. 6,80 Euro. Ein Beschreibung befindet sich an der Quelle, bei Der Weinladen Machacek (als Quelle für die Beschreibung wird die Zeitung tz angegeben).

Scharfes Chutney mit Paprika, Gurken und Ananas, dazu Tortillachips

Stuck, Reichsrat von Buhl 2006, Pfalz, Deidesheim, 12%, Riesling; auf seiner Webseite schreibt das Weingut dazu:

“…Cuvée aus den Rebsorten Riesling und Gewürztraminer, die schon vor über 100 Jahren als “Gemischter Satz” in unserer Region bekannt war. Der Name Stuck ist Sinnbild für den Brückenschlag aus Erneuerung und Tradition.”

Forellencremesuppe

Pignoletto Superiore 2007, Vigneto Bagazzana, Gaggioli, Colli Bolognesi, 13,5%, Marascheck, ca. 10 Euro. Ein würziger, kräftiger aber dennoch trockener und nicht zu “fetter” Wein. Die Rebsorte ist eher als Seltenheit zu betrachten. Sie stammt von den Ausläufern des Apennin um Bologna und wird, laut Wein-Plus, ausschließlich dort auf 7.000 Hektar angebaut. Eine ausführliche Beschreibung auf Englisch bietet das Weinkonsortium der Colli Bolognesi. Der Wein wurde ebenfalls bei Der Weinladen Machacek gekauft für rund 10,- Euro.

Nudeln mit Flusskrebsen in Safransauce

Gelber Muskateller 2006, Sabathihof, Südsteiermark, Glanz an der Weinstraße, 11%. Eigentlich ist Muskateller nicht so unsere Rebsorte, da sie oftmals aufgesetzt und parfümiert daherkommt. In dem Fall ist das anders: ersten schwächt der kräftige Safrangeschmack den Muskatellerton ab und zweitens, und wichtiger: die Muskatellernote ist gut in den Körper des Weins integriert und wird von einer leichten nicht aufdringlichen Säure getragen. Da macht selbst uns der Muskateller Spaß.

Hirschragout

Blaufränkisch Ried Gmärk 2006, Ernst Triebaumer, Rust im Burgenland, 13%, Sonderangebot Oesiwein: 10,50 Euro. Ein sehr guter, kräftiger Blaufränkisch mit der typischen Note vonnDörrzwetschgen und dunklen Beeren, dennoch ein schöner zurückhaltender Ausbau, der nicht auf oberflächliche Kraft und Fülle ausgelegt ist, trotzdem kräftig genug für den Hirschen.

Zu beachten übrigens die Webseite, die zwar weniger Auskunft zu den Weinen gibt, dafür aber viele Bilder über Tiere und Pflanzen im Weinberg enthält. Ein Link führt zur Seite des Sohnes Richard Triebaumer, der die Weine seines Vaters mit kulinarischem aus der Region ergänzt - eine etwas andere Webseite und Produkte, die einem das Wasser im Mund zusammelaufen lassen.

Pinot Noir Divino 2006, Franken, Winzergenossenschaft Nordheim (WGN), 14,5%. Weine der WGN sind hier öfter schon erwähnt worden, einfach, weil sie erwähnenswert sind. In dem Fall war der kräftige, starke, holzbetonte Pinot Noir die ideale Folge auf den Blaufränkisch und das kräftige Essen.

Blauschimmelkäsevariationen

Peth-Wetz Bacchus Beerenauslese 2006, Rheinhessen, Bermersheim, 6,5%, um die 5 Euro. Ein runder Wein, der durch eine klare aber nicht überbordende Süße überzeugt, dem geringen Alkoholgehalt entspricht auch die nicht vorhandene Säure. Ein solider, aber keinesfalls außergewöhnlicher Wein.

Die Bezugsquelle ist erstaunlich, denn es ist die Drogeriekette Rossmann. Sie hat ein kleines Weinangebot, in dem aber laut Aussagen des Käufers manchmal gute Weine günstig zu erhalten sind. Bei meinem Test musste ich zwar feststellen, dass die Such- und Filterfunktionen etwas unausgereift sind. Und hoffentlich verzeichen uns die Österreicher, dass sie bei Rossmann Deutschland zugeschlagen werden ;-)

Schokoladentorte mit Erdbeeren

Chateau Guiraud, 1er Cru Sauternes 2003, 13,5%; ein Wein, der den gelungenen Abschluss des Abends bildete. Kräftige, konzentrierte Honig-Akazien-Süße mit einem sehr guten Rückgrat im Wein. Da reichen ein zwei kleine Gläser… Empfehlenswert ist die Webseite des Chateau, auf der ausführliche Beschreibungen zu Anbau und allen Herstellungsphasen des Weins zu finden sind.

Fazit des Abends: Gutes Essen und treffend ausgewählte Weine ergänzen einander optimal - das ist zwar nichts Neues, macht aber immer wieder Spaß.

Veganer Wein im Restaurant - Fehlanzeige

Posted by Markus

Ich wurde überredet, in ein vegetarisches Restaurant zu gehen, das sogar Essen und Trinken für Veganer anbieten soll. Insbesondere auf die veganen Weine war ich gespannt, da mir bisher nicht bekannt war, dass es solche überhaupt gibt. Was sind vegane Weine? Dazu zitiere ich diese Webseite:

…ohne tierische Stoffe - wie Gelatine (aus Haut und Knochen von Tierkadavern), flüssiges Hühnereiklar, Hausenblase (Schwimmblasen von Fischen) - gekeltert. Die Klärung erfolgt mit Bentonit und durch Abkühlung…

Die Lektüre des Getränketeils in der Speisekarte hat mir Hoffnung gemacht. Ausführlich wurde erläutert, wodurch sich biologisch, dynamisch oder vegan produzierte Weine unterscheiden. Leider habe ich übersehen, Details der Karte zu dokumentieren. Ich erinnere mich jedoch gut daran, dass der Abschnitt über vegane Weine vor allem Verweise darauf enthielt, welche tierischen Produkte alle bei der konventionellen Weinbereitung verwendet werden (s.o.), so dass man richtig Lust auf vegane Weiche bekommen konnte. Die folgende Weinliste war in puncto Vegan dann allerdings Fehlanzeige: kein einziger veganer Wein auf der Karte.

Ich habe mich deshalb für den Sauvignon-Blanc Tasnim vom Weingut Loacker aus Südtirol entschieden. Eine Ode auf diesen Wein befindet sich hier.

Kurzbericht vom Vinland Erding

Posted by Markus

imageEs war ein selektiver Messebesuch mit einigen High- und wenigen Lowlights. Zu den Highlights zählte definitiv die Entdeckung eines weiteren Weinguts aus dem Weinviertel mit knackigen grünen Veltlinern und einem Sauvignon-Blanc: Renate Schuster aus Hohenwarth .

Angetan waren wir weiterhin von den modernen Spaniern bei Bodega Joaquin Peral aus Ulm: viele klassische spanische Rebsorten, ergänzt um Cabernet-Sauvignon, Merlot und Syrah; alkoholreich, kräftig, ausdrucksstark - aber nicht ganz billig.

Außerdem entdeckten wir ein süditalienisches und ein chilenisches Weingut mit unschlagbarem Preis-/Genussverhältnis bei Ferdls Wein Eldorado (Webseite leider noch in Bau): Es handelt sich um die Weine von Terre di Campo Sasso aus Italien (hier deckten wir uns besonders mit Nero d’Avola und Primitivo ein) sowie um das Weingut Vinedos Terranoble aus Chile (hier gefiel uns der Syrah besonders; Tipp: einen Tag offen stehen lassen, dann verflüchtigt sich die anfänglich starke Frucht und die interessante Würze kommt zum Tragen).

Bewährtes hat sich erfreulicherweise wieder bewährt: Weine aus Australien beim Australien Winestore (mit spannenden Schaumweinen aus Tasmanien), trockene Frankenweine von der Winzergenossenschaft Nordheim. Aus der “Juventa”-Serie haben wir uns für den “Inselwein” entschieden, aus der “Franconia”-Serie für die “Domina” und, wenig erstaunlich, für den Divino Pinot Noir 2006: “süße Frucht, köstlich, opulent, freundlich, weich”. und Rotweine für jeden Tag bei Falstaff. Außerdem lief uns noch ein knackiger Schilcher (Lazarus 2007) über den Weg sowie ein Händler mit ungarischen Weinen (Familie Ambrus aus Freising) - die guten sind allerdings, wie so oft in Osteuropa, zu teuer.

Insgesamt ein erfolgreicher und interessanter Nachmittag, der wieder mal gezeigt hat, dass gute Weine teuer sein können, aber nicht müssen. Die Aussteller waren offenbar auch ganz zufrieden mit dem Besucherandrang, so dass wir uns schon auf das nächste Jahr freuen.

Zwei SZ-Pakete: Wenig Wein für viel Geld

Posted by Markus

Eigentlich bin ich ja ein “positive blogger”, aber irgendwann ist es auch mir zuwenig des Guten. Die Probe von zwei Paketen aus der Vinothek der Süddeutschen Zeitung (SZ) förderte Erschreckendes bis Untrinkbares zu Tage. Eigentlich war nur einer von elf Weinen gut trinkbar, drei gerade noch so tolerabel. Insbesondere der Ausfall bei Klassikern wie Barolo, Chianti und Bordeaux, Chateauneuf-du-Pape hat uns überrascht. Selbst bei den einigermaßen trinkbaren Weinen, konnten wir keine regions- oder sortentypischen Merkmale erkennen. Probiert haben wir alle Weine aus den Paketen “Viel Wein für wenig Geld” und “Für Anspruchsvolle und Kenner”. Dass es statt zwölf Weinen nur elf Weine wurden, lag daran, dass eine Flasche in einem Paket kommentarlos vom Lieferanten ausgetauscht wurde und deshalb ein Weißwein doppelt war.

Bei der herben Kritik hier nochmal kurz zu den Rahmenbedingungen: alle Weine hatten die korrekte Temperatur; sie waren bereits mehrere Tage am Verkostungsort, also ruhig gelagert; die Verkostungsrunde bestand aus neun erfahrenen Hobby-Weintrinkern, die sich regelmäßig treffen (zugegebenermaßen aber aufgrund einer über zehnjährigen Weinrundentradition einen ähnlichen Weingeschmack aufweisen). Wir sollten also über genug Erfahrung verfügen, gute und schlechte Wein zu unterscheiden, unabhängig davon, ob sie uns selbst gut oder schlecht schmecken.

Im Übrigen hatten wir in diversen Weinproben auch schon Flaschen aus anderen SZ-Vinothek-Paketen, an denen nichts auszusetzen war, siehe unter anderem bei unserer Übersee-(ohne Nordamerika) Probe.

Für die Süddeutsche Zeitung haben wir folgenden Tipp: Es liegt in der Natur der Sache, dass verschiedene Weinfachleute unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben haben. Derzeit beschäftigt die Süddeutsche offenbar nur einen Experten mit der Auswahl der Weine. Deshalb wäre es vielleicht ratsam, auch mal mit anderen Experten zusammen zu arbeiten, um in den Weinpaketen eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen.

Einen ganz persönlichen Hinweis an die SZ kann ich mir als jahrzehntelanger überzeugter SZ-Leser dennoch nicht verkneifen: In den überregionalen Ressorts macht ihr eine gute Zeitung (leider nicht mehr in den Lokal- und Regionalteilen)! Passt auf, dass ihr mit Büchern, DVDs, Weinen usw. nicht zu einem Tchibo mit angeschlossener Zeitung verkommt. Anders gesagt: Verleger bleib bei deinen Journalisten! Dazu noch der Verweis auf einen kritischen Beitrag zur Vermischung von Redaktion und Werbung im Titel-Magazin o­nline über die Tchiboisierung der Süddeutschen Zeitung.

Und nun endlich zu den Weinen im Einzelnen (detailierte (Marketing-) Beschreibungen und Preise sind in der SZ-Vinothek erhältlich:

Sizilien: Mirabile Inzolia 2006, 13.5% A: wenig frisch, bananig, dick, ca. 8,80 Euro. Inzolia ist eine lokale sizilianische Rebsorte, auch unter dem Namen Ansonica in der Toskana und auf Elba bekannt. Von den schönen Beschreibungen, wie “in die Richtung weiße Blüten, Birnen oder Quitten gehen. Die Weine sind meist frisch und haben eine leichte Säure.”, wie sie hier zu finden sind, war leider nichts zu schmecken.

Österreich: Grüner Veltliner 2006 MF Weingut Felsner, Kremstal, Grunddorf, 13% A: sehr zurückhaltende Nase, leicht parfürmiert aufgesetzt, angekündigtes ‘Pfefferl’ fehlt.

Frankreich: Sauvignon-Blanc, Touraine, 2005, Christoph Davault: seltsam würzige Nase, fällt zusammen, charakterlos, bitter, “schon durch”. Da mutet der Spruch des Winzers, “Le debut d’une amitie”, zu Deutsch: der Beginn einer Freundschaft, etwas komisch an.

Portugal: Alentejo, Fonte de Moura Linda, 2006, 14, Hazienda de Malhardina Nova, Familie Soares: Aragones, Alicante, Syrah, Alfrocheiro, Touriga Nacional, metallisch-würzig, zu wenig dicht, wenig Beeren, ca. 10 Euro.

Spanien: La Montesa Herencia Rioja 2004, Alfaro Espana, Palacios Remondo, 13.5% A: kirschig-würzig, leicht krautig, typische Rioja Nase und Mund, 12 Monate Barrique, Garnacha, Temperanilla, Mazuelo, Graciano.

Spanien: Graves de Marisa 2004, Cigales, 14% A: warme, runde, tiefere Noten, 95% Temperanillo, süße rote Beeren, leicht marmeladig, 10 Euro.

Frankreich: Chateau Valrose Cuvee Alienor, 2004, Bordeaux, St.-Estephe, Croignon, 13,5% A: 50% Merlot, 40% Cabernet-Sauvignon, 10% Cabernet-Franc, tolle Farbe, Vanillenote, zu wenig Körper, vordergründig, bei mehr Luft krautig, bitter.

Frankreich: Chateauneuf du Pape, Jas de Bressy 2005, Vignobles Mousset Barrot, 15% A: sauer-bitter-dünn, erwartete Würze fehlt, typisch???, später banal süßlich (Grenache), 24 Euro!!!

Italien: Chianti Classico, Altromare, Riserva 2003, Felsino: 100% Sangiovese, braunes, saures, Wässerchen, Nase flach, 19 Euro!!!

Italien: Barolo Bava 2003, Coccionato, Scarrone, Az. Altacosta, 13,5% A: anders schlecht als der Chianti, riecht kaputt, dünn bräunlich, bitter, sauer

Chile: Errazuriz Cabernet Sauvignon - “Single Vineyard” 2005, 14,5% A: 93% Cabernet-Sauvignon, 6% Cabernet-Franc, 1% Petit Verdot, Cassis, Schmackes, schiebt, Minz, Eukalyptus, Tabak, Wacholder, bester Wein! Sehr gut vorstellbar zu Wild und Schokoladensauce! 16 Euro.