weintagebuch (”beta”)

Ein persönlich gehaltenes Weinnotizbuch, das, dank Internet, nicht verloren gehen kann.

Leckere schwarze Katze

Posted by Markus

Schwarze Katze 2006 aus 60 Prozent Zweigelt und 40 Prozent Merlot mit 13,5 Prozent Alkohol, Preis ca.20 Euro. Betörende Nase, vielschichtig: tiefe rote Frucht (saure Johannisbeere), Kaffee, Zeder, würzig, leicht mentholisch, Würze bleibt im Abgang erhalten, Tiefe fehlt etwas, evtl. zu jung.

Produziert und vermarktet von neun Winzerinnen aus Göttlesbrunn in Carnuntum unter dem Namen “schwarze Katze”. Dazu gehören Grassl Susanne, Graßl Maria, Markowitsch Christine, Netzl Christine, Oppelmayer Barbara, Pitnauer Edith, Wiederstein Margarete und Birgit. Sie stellen jeweils ein Fass ihres besten Weines für diese Cuvée zur Verfügung. Mehr zu den Winzerfrauen auf der Homepage www.schwarzekatzen.com, die leider keine Informationen zu dem Wein bietet. Schade auch, dass die Web-Adresse auf dem ansonsten sehr schönen Etikett falsch angegeben ist.

Mehr über Katzen in der Kulturgeschichte des Weines gibt es übrigens hier bei Vinaria.

Weinralley #11: Rosé - und das Wetter passt!

Posted by Markus

image Eigentlich ein optimaler Tag für eine Rosé-Probe: tagsüber 23 Grad und leichter bis mittlerer Ostwind haben den Himmel über Bayern wolkenfrei geblasen. Trotzdem wird es nur ein kurzer Bericht, da wir vor dem Aufbruch nach Italien stehen (in Bayern haben die Pfingstferien begonnen).

In der Flasche befindet sich in ein Rosé 2007 vom Weingut Schreiner in Gols im Burgenland (einer deutschsprachigen Region, wie es in der Ausschreibung gefordert war). Doch selbst bei flüchtigem Hinschmecken wird klar, dass die Farbe zwar schön rosé ist, der Wein aber seine Herkunft vom burgenländischen Zweigelt nicht verheimlichen kann.

Unsere mangelnde Begeisterung liegt an den vielen Vorurteilen und damit verbundenen Erwartungen über Rosé: Sommer, CIMG3930Sonne, Süden - ein umkomplizierter, ja erfrischender Wein, der ohne Folgen auch am frühen Nachmittag schon Spaß machen soll. Hier liegt ja oft auch das Problem dieses Weintyps: oft untertreiben die Winzer, dann hat man ein charakterloses Leichtgewicht im Glas, das man gerne für einen knackigen Weißwein eintauscht. Oder die Winzer meinen, der Rosé müsse gefälligst schmecken, dann kommen unserer Erfahrung nach oftmals parfümierte (Erdbeere! Gummibärchen!) oder gar lackige Weine heraus, die auch keinen Spaß machen - auf jeden Fall erfüllen sie nicht die oben beschriebene Erwartung.

Der im beschlagenen Glas befindliche Rosé von Schreiner versucht nun mit seinen 13 Prozent Alkohol gar nicht erst leicht zu sein. Er kommt auch eher breit an, das Zweigelt-typische kippt mangels Körper leicht ins Bittere. Für den schnellen, umkomplizierten Genuss also einfach zu kräftig.

Als Charakterdarsteller ist Rosé wohl generell von der Grundidee nicht geeignet, und ich bin deshalb gespannt, was die Zusammenfassung auf den Seiten des diesmaligen Ralley-Gastgebers Nikos Weinwelten erbringt.

Und immer wieder: Österreich

Posted by Markus

Gestern Abend nach dem Kino vier Achterl, natürlich zu Zweit, und ein fünftes Achterl vom Wirt gespendet, da der Winzer gerade seine Lieferung gebracht hat:

  • ein Neuburger [Details folgen] mit einer herrlichen Nase, leichte Zitrus- und Grasanklänge, im Abgang natürlich nicht kräftig - aber im Kopf entsteht schon der warme Sommersonntagnachmittag dazu. Der Wein stammte vom Weingut Tinhof, aus der Region Neusiedlersee-Hüglelland, das offenbar unter anderem auf diese Rebsorte spezialisiert ist. Eine meines Erachtens sehr passende und ausführliche Beschreibung des Weins befindet sich hier. Neuburger ist im Übrigen eine Kreuzung aus Rotem Veltliner und Sylvaner und wird seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Österreich angebaut.
  • ein Riesling von Leopold Aumann aus der Thermenregion, der sonst eher für seine Roten bekannt ist, mit wunderschönen Pfirsichnoten, und einem ausgewogenen Körper-/Säureverhältnis
  • ein Merlot 2005 vom Weingut Schreiner aus Gols. Ein freundlicher, weicher Rotwein, mit dem jeder Weißweintrinker zu Rotwein bekehrt werden kann. Manchen dürfte er zu “geschönt” sein.
  • Neuberg 2006, vom Weingut Grassl in Göttlesbrunn in der Region Carnuntum: ein Kraftprotz mit deutlichem Barrique-Einsatz (lt. Webseite “60% neuen und 40% gebrauchten Barriques (2. Befüllung) aus franz. Eiche”), ein Lagenwein aus 60% Zweigelt, 20% Blaufränkisch und 20% Merlot. Wuchtige Nase mit Anklängen von Tabak. Langer Abgang, sehr dicht und wuchtig, die 14,5% Alkohol deshalb “gut verpackt”.
  • Spende des Hauses: ein Heideboden Cuvée von Siegfried Gsellmann aus Gols am Neusiedlersee, der neben dem Neuberg erst verhalten wirkte, dann aber durch seine seidig-samtige Komplexität faszinierte. Ein durchaus schwerer Wein, der aber sehr unaufdringlich daher kommt und erst im Laufe des Genießens seine vielen Facetten zeigt. Die Sorten sind sehr schön kombiniert: Zweigelt, Blaufränkisch ,Sankt Laurent, Pinot Noir; der Alkoholgehalt passt mit 13,5% zum Körper des Weins.

Alles in Allem und unverhofft kommt oft: fünf Weine, die Spaß machen und wieder mal zeigen, welche Palette an Rot und Weiß die Österreicher mittlerweile drauf haben.

Banfalu 2002 von Sepp Moser aus dem Burgenland

Posted by Markus

Diese Cuvée aus Merlot, Cabernet-Sauvignon und Zweigelt haben wir getrunken anlässlich eines genussvollen Abends im Hardthaus. Das faszinierende an dem Wein war, dass wir ihm zunächst mangelnden Körper attestierten. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelten sich jedoch spannende und vielschichtige würzige und leicht röstige Noten. Im Vergleich dazu wirkten, zugegebnermaßen schlichtere, aber im Barrique ausgebaute Rotweine, ebenfalls aus Österreich, eher plump und aufdringlich. Je länger der Abend, desto mehr Spaß hat uns der dezent barriquisierte (?) Banfalu aufgrund seiner vielfältigen Nuancen gemacht. Zum Lammrücken konnte der Banfalu sogar mehr überzeugen, da sein Geschmack das Lamm hervorragend ergänzte und nicht mit schweren Röst- oder dunklen Fruchtaromen zudeckte. Der Preis für den (nicht probierten) Jahrgang 2004 beträgt 16,70 Euro. Auf der Webseite von Sepp Moser gibt es zu diesem Jahrgang übrigens ein ausführliches “Datenblatt”.