Weinralley (ins Weinviertel) – wie früher

Der Ironblogger ist ja ständig auf der Suche: einerseits mag er das Bloggen, weil er meint, was zu sagen zu haben (und es aufschreiben zu können); andererseits, wenn es drauf ankommt, gehen ihm doch wieder die Themen aus. Um so schöner, dass mich @Julia_MUC via Twitter auf ihren Blogbeitrag zur Weinralley #65 aufmerksam gemacht hat.

 

 

Wein war das Thema meines ersten Blogs (der leider in den Tiefen einer für mich zur Zeit unleserlichen Datenbank schlummert) und damit habe ich schon damals, ab 2006, bei einigen Weinralleys mitgemacht. Nun sollen also heute Urlaubsweine das Thema der Ralley sein. Ich gestatte mir jedoch, aus relativ aktuellem Anlass, das Thema umzudrehen. Es soll also um einen Weinurlaub und Tipps dafür gehen – dass dabei zum Schluss auch Urlaubsweine rauskommen, sollte selbstverständlich sein.

Mit Freunden bin ich also wieder Mal ins Weinviertel in Österreich gefahren. Das Weinviertel beschreibt die große Region nordöstlich von Wien bis zur tschechischen Grenze im Norden und zur slowakischen Grenze im Osten. Aufgrund ihrer Größe verteilt sie sich auf zahlreiche Weinorte und auch viele Gegenden, in denen kein Wein wächst. Dieser aktuelle Trip beschränkte sich auf das nördliche Weinviertel an der Grenze zum westlich gelegenen Waldviertel. Unser Ziel war und ist es, Weine beziehungsweise Winzer und Weingüter zu finden, die ein vernünftiges Preis-Genussverhältnis bieten.

Wichtig: das richtige Preis-Genussverhältnis

Weinanbauflaechenkarte Weinviertel -  Quelle: Österreich Wein Marketing GmbH, Wien

Weinanbauflaechenkarte Weinviertel – Quelle: Österreich Wein Marketing GmbH, Wien

Die Weine sollten regionstypisch, aber von moderner Machart sein, ohne zu viel auf internationale Trends Rücksicht zu nehmen. Idealerweise zeichnet sich der Winzer noch durch eine typische Handschrift aus, die für Wiedererkennbarkeit und solide Weine auch über unterschiedliche Jahrgänge hinweg sorgt. Preislich liegen unsere Vorstellungen für diese Region bei unter fünf Euro für ordentliche Alltagsweine und acht bis zwölf Euro für außergewöhnliche Weine, die eine spezielle Idee verkörpern oder besondere Vinifizierung erfahren haben.

Diese Preisspanne mag recht niedrig erscheinen – dafür muss man für diese Region aber in Betracht ziehen, dass sie im internationalen Vergleich nahezu unbekannt ist und sich (noch) keine Winzer als herausragende „Lichtgestalten“ positionieren. Trotzdem ist es erstaunlich, immer wieder zu erfahren, dass viele der gehobenen Betriebe in die USA, nach China und Russland exportieren. Jedoch lässt wohl auch die Größe der Betriebe eine umfangreichere Vermarktung kaum zu – die Nachfrage würde vermutliche das Angebot ganz schnell übertreffen.

Tipp 1 – „Eine Oase inmitten einer Wüste“

Traditionsgemäß fahren wir von München aus über die Salzburger Autobahn Richtung Wien und biegen bei Melk von der Autobahn ab und setzen über die Donau. Diesmal sind wir jedoch weitergefahren, weil wir schnellstmöglich zum Gasthof Winkelhofer in Eggendorf am Walde wollten. Eine echte Überraschung als wir das Restaurant vor einigen Jahren entdeckt haben und immer noch zu empfehlen. Hier verbindet sich eine lokale Gastwirtschaft mit österreichischer Gastlichkeit und hoher Qualität. Auffällig auf den ersten Blick: die für ein Dorfwirtshaus elegant eingedeckten Tische. Und dann eine solide Speisekarte mit regionalen Gerichten, die hervorragend zubereitet werden. Nicht umsonst schreibt der Gault Millau:

„Eine Oase inmitten einer Wüste (…) Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet.“

Ergänzend dazu eine kleine, aber feine regionale Weinkarte. Nicht zu vergessen die eigenen Weine von Winkelhofer, unser Liebling: der Weißburgunder (= Urlaubswein).

Tipp 2- Zwischen Grünem Veltliner und Merlot

Generell ist es in dieser Gegend des Weinviertels nicht einfach, spontan ordentliche Gasthäuser oder einigermaßen solide Übernachtungsquartiere zu finden. Zu oft scheint die Zeit vor dem Mauerfall stehengeblieben; Investitionen in zeitgemäße Gästezimmer oder eine inhaltliche oder geistige Aktualisierung der Küche sind oft Fehlanzeige; manche Orte besitzen nicht einmal ein Wirtshaus, geschweige denn einen Geldautomaten. Es empfiehlt sich deshalb auf Tipps oder eigene gute Erfahrungen zurückzugreifen.

Wein-Portfolio von Karl Ziß

Wein-Portfolio von Karl Ziß

Nun aber erstmal zum Wein: Ein Muss seit Jahren ist das Weingut von Karl Ziß in Röschitz. Der bescheidene Winzer zeichnet sich über Jahre durch gleichbleibende Qualität aus; jeder seiner Weine ist ohne Einschränkungen trinkbar. Die Palette der Grünen Veltliner reicht vom einfachen Sommerwein (= Urlaubswein) bis zum üppigen Hochprozenter. Mein Geschmack sind eher die  Leichteren. Immer wieder überraschend ist sein Sauvignon Blanc. Rote gibt es bei Karl Ziß allerdings keine.

Dafür sollte man dann ins Pulkautal weiterfahren. Die Distanzen im Weinviertel lassen sich leicht bewältigen. Im Ort Hadres im Pulkautal gibt es ein Mikroklima, dass den Anbau von roten Rebsorten begünstigt. Auf den Tipp einer Weinzeitschrift hin, haben wir vor drei Jahren das Weingut von Johannes Autrieth ausprobiert. Er ist wohl der Rotweinkönig dieses Ortes: zu seinem Reben-Portfolio zählen Cabernet-Sauvignon, Merlot und sogar Syrah.

Wein von Autrieth

Wein von Autrieth

Daraus entwickelt er neben einigen Weißen Rotweine, die sich durch ihren speziellen Charakter auszeichnen, ohne dabei ihre Sortenherkunft zu verleugnen. Anspruch, Kreativität und Experimentierfreude verbinden sich in diesem lebenslustigen und familienfreundlichen Mann. Er gehört zu den Winzern mit einer größeren Fläche, setzt sich aber selbst eine Obergrenze von  18-20 ha. Dieses Jahr haben mir besonders geschmeckt: Merlot, Fumé Blanc Sekt aus der Sauvignon-Blanc Traube (leicht, spritzig, knackig = Urlaubswein), Cuvée Hadres (Cabernet-Sauvignon, Merlot, Pinot Noir), Merlot, Cuvée Triccolore (Syrah, Zweigelt, Cabernet-Sauvignon). Nicht zu verachten waren auch seine Süßweine, vor allem der Eiswein vom Grünen Veltliner und die Beerenauslese vom Riesling.

Tipp 3 – Unerwartetes ausnutzen

Das Gegenteil von unerwartet war das Gasthaus an der Kreuzung in Guntersdorf. Das war sogar sehr geplant. Denn auch dieses ist wieder ein typisches Beispiel dafür, dass Gastronomie am Rand von viel befahrenen Bundesstraßen durchaus Qualität bieten kann. Je nach Gastraum sitzt man unterschiedlich schön, am besten natürlich bei gutem Wetter im Garten (Wochenends und Feiertags Reservierung empfohlen). Auch hier wieder eine solide Speisekarte mit regionalen und österreichischen Spezialitäten und die obligatorische regionale Weinauswahl. Hier der Tipp: wenn man die Chance hat, die Gelegenheit nutzen, Weine von Winzern auszuprobieren, die man noch nicht kennt.

Urban Days oder, umgekehrt, Urban Nights

Urban Days oder, umgekehrt, Urban Nights

So geschehen in diesem Wirtshaus mit dem Sauvignon-Blanc vom Weingut Urban. Und siehe da: eine Überraschung ein kräftiger Sauvignon-Blanc in der Nase von eher steirischem Format: brennesselig, grüne Paprika; auch im Abgang fein, vielleicht wäre etwas mehr Säure wünschenswert um den kräftigen Aromen in der Nase besseren Halt zu geben. Da das Weingut in der Nähe liegt und der soeben probierte Wein mehr versprach, gleich vorbeigefahren. Und auch die anderen Weine entpuppten sich als solide. Als Urlaubswein würde ich hier, nicht zuletzt aufgrund der netten Etiketten, die Urban Days (leichter Grüner Veltliner mit 11,5% Alkohol) und Urban Nights (Zweigelt Reserve) empfehlen.

Ziemlich unerwartet lernten wir vor einigen Jahren auf einer Weinmesse Renate Schuster vom gleichnamigen Weingut in Hohenwarth am Manhartsberg kennen. Ihre Weine und ihr Anspruch überzeugten sofort (Derzeit nur eine Weinliste online, PDF). Glasklare Weine, sehr fokussiert – keine Blender und Kraftprotze, sondern eher filigran und zu entdecken. Meine Lieblingsweine seitdem sind der Grüne Veltliner „alter stock“, der trotz 13,5 Prozent Alkoholgehalt nicht so üppig und breit daher kommt, wie viele andere in dieser Liga (= kräftiger Urlaubswein). Ebenfalls (m)ein Dauerbrenner ist bei Frau Schuster ausnahmsweise auch ein Rotwein, ihr „Rotlehm“, eher ein kräftiger, aber nicht aufdringliche dunkelrote Beeren (= Winterurlaubswein).

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Damit war unsere Reise durchs Weinviertel zu Ende. Dass der Abend vor der Rückfahrt in Langenlois im Kamptal stattfand und einen Besuch beim Weingut Rabl und ein Abendessen im Heurigenhof-Bründlmayer beinhaltete, ist wieder eine andere Geschichte.

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3 Kommentare zu Weinralley (ins Weinviertel) – wie früher

  1. Victoria sagt:

    Hallo Markus,
    schön, dass Du noch teilgenommen und mir damit diese (mir) bislang noch ziemlich unbekannte Weingegend erschlossen hast!
    Gruß Victoria

  2. Julia sagt:

    Schön, dass ich Dich inspiriert habe – und gleich auch ein paar Tips fürs Weinviertel bekommen konnte 🙂 Ich liebe Grünen Veltliner und würde zu gerne mal einen lauen Sommerabend in einm (wenig touristischen) Heurigen verbringen…

  3. Markus sagt:

    Was vielleicht zu wenig rauskommt in dem Text: Alle diese Winzer lieben ihr Land und ihre Heimat. Sie tun deshalb alles, um Gäste zu überzeugen, wie gut ihre Weine und wie schön ihre Gegend ist. Spontane Proben sämtlicher Weine eines Weinguts sind daher eher die Regel als die Seltenheit. In anderen Weinregionen, wie in der Toskana oder dem Burgund oder Bordeaux, habe ich das auch bei unbekannten Winzern schon ganz anders erlebt.

    @Julia hm, mit Heurigen ist es im Weinviertel auch eher ein Glückstreffer. Richtig gut, aber fast kein Heuriger mehr, der vom Weingut Dürnberg: http://www.duernberg.at/ oder im Kamptal (auf dem Weg ins Weinviertel) in Mollands hinter Langenlois die Weinbeisserei http://www.hagermatthias.at/weinbeisserei.htm Eher gehobene Küche als traditionelle Heurige aber sehr, sehr lecker.

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