Rock the Blog – 2016 gezeichnet von Snapchat

Optimierung, Influencer, Bewegtbild und natürlich Snapchat – das waren die beherrschenden Themen von Rock the Blog 2016, kurz #rtb16. RTB fand letztes Jahr zum ersten Mal statt und bildet nun den letzten Veranstaltungstag der Global Conferences im Rahmen der CeBIT in Hannover.

Beste Idee der Veranstalter: Der Solo-E-Gitarrist als Weckrufer und Pausenfüller. Virtuos und rockig: Damian Salazar.

Beste Idee der Veranstalter: Der Solo-E-Gitarrist als Weckrufer und Pausenfüller. Virtuos und rockig: Damian Salazar.

Nach meiner Interpretation ist das ein gelungener Versuch der CeBIT-Veranstalter, neue Zielgruppen zu erschließen – Social-Media-Afficionados an die CeBIT zu binden.

Die Mitteilung auf der Messeseite spricht dann auch von 600 Besuchern dieses Side-Events. Nur, das muss erlaubt sein zu erwähnen, weder verstand jemand auf RTB den Hashtag #cgc16 (für CeBIT Global Conferences), noch interessierte sich jemand von den Anwesenden tatsächlich für die anderen CeBIT-Messehallen. Wie auch, Social Media war dort nicht präsent – bis auf den prominenten Blogger Sascha Pallenberg, der das von Intel gesponserte CeBIT Messestudio in der „Bloghütte“ betrieb. Pallenberg war dann auch der Eröffnungsredner (aka Keynote Speaker) von RTB, der wundervoll demonstrierte, dass auch deutsche Redner in deutscher Sprache leichte, schwungvolle und trotzdem substanzielle Auftritte hinlegen können.

Die Open Stage auf Rock the Blog. Flexibilität und Offenheit machten schnellen Wechseln möglich, sorgten allerdings auch für Dauerunruhe.

Die Open Stage auf Rock the Blog. Flexibilität und Offenheit machten schnellen Wechseln möglich, sorgten allerdings auch für Dauerunruhe. Auf der Bühne Karin Hertzer und Günther Elia Treppner vom Münchner Bloggerstammtisch.

Snapchat dominiert die Debatten

Danach und davor kam Snapchat; Snapchat dieses allesbeherrschende Thema jedes Social-Media-Gesprächs der letzten Monate. Als App schon beim Erscheinen 2011 viel genutzt, angeblich zum ungefährlichen Austausch von Nacktbildern, die sich nach dem dritten Mal ansehen, selbst zerstören. Heute kann jeder nicht nur Bilder weiterleiten, sondern öffentlich Geschichten damit erzählen, die erst nach 24 Stunden (aus der App) verschwinden. Im Gegensatz zu vielen anderen Social-Media-Plattformen ist allerdings das Finden und Suchen von Freunden sehr kompliziert, wenn man deren Snapchat-Namen nicht weiß. Viele offene Worte waren auf RTB über die App deshalb zu hören.

Allerdings hörte ich nicht den prominenten Blogger und Journalisten Richard Gutjahr, der Szenenapplaus für seine Snapchat-Vortrag, den ich nicht sah, bekam. Aber die bekannte Fashion-Bloggerin Sara Bow gab zu, dass Snapchat Dauerbeschäftigung für sie ist und noch tiefer in ihr Leben eindringt, als es ihr Blog und andere Aktivitäten sowieso schon mit ihr tun. Sven Wiesner von der Hamburger Agentur Beebop sagte offen, erst im zweiten Anlauf nach einem halben Jahr Pause mit der App warm geworden zu sein, jetzt habe sie für ihn Suchtfaktor. Auch die Gespräche mit den Teilnehmern drehten sich um die App: letztendlich herrschte die Einsicht, dass man „das Phänomen“ kennen müsse um mitzureden. Dann folgten die Klagen, über die wenig intuitive Menüführung, so dass wir öfter mit gezückten Smartphones und geöffneter Snapchat-App herumstanden, um uns zu gegenseitig zu helfen. Schön zu hören, dass man nicht alleine ist 😉

Beispielhaft hier der Snap von meinem Tag auf der CeBIT vor RTB:

Von Mode bis Mops – Influencer werden immer besser

In punkto Optimierung bot RTB Tipps von Gestaltung bis SEO für Blogger, was zeigt, dass für die (semi-) professionelle Blogosphäre diese Themen erkannt werden und zunehmend an Bedeutung gewinnen.  Der Umgang mit Analytics-Tools für Blogs ist ein Muss, denn Werbetreibende und Sponsoren wollen die Reichweiten ihrer Blogger kennen.

Strotzt vor Selbstbewusstsein, begann das Bloggen mit 14 und lebt mit 22 nun davon: Fashion-Bloggerin Sara Bow.

Strotzt vor Selbstbewusstsein, begann das Bloggen mit 14 und lebt mit 22 nun davon: Fashion-Bloggerin Sara Bow.

Bei den Influencern für Consumer-Produkte, insbesondere im Fashion-Bereich, scheint es so zu sein, dass Model, Testimonial, Werbe-Plattform, Blog, Blogger und Vermarkter zunehmend Eins werden. Hier kreeirt sich eine Online-Persönlichkeit im Sinne der Zielgruppe und nennt das dann Authentizität. Für mich ist das so authentisch, wie die Bilder, Werbungen und die redaktionelle Unabhängigkeit von Modezeitschriften. Dennoch scheint es ein feines Gespür dafür zu geben, was die Zielgruppe verträgt und was nicht, wenn Sara Bow sagt, „Meine Leser und Zuschauer sind für mich wie gute Freundinnen.“ Sie wisse ganz genau, dass sie keine plumpe Werbung machen dürfe.

Auf den Mops gekommen sind dagegen Neckermann Reisen. Zur Einführung ihres neuen Markenauftritts engagierten sie den Mops von Ana Sampaio Barros. Dieser war in Social Media schon gut etabliert (derzeit 23.300 Abonennten auf Instagram), konnte als Sympathieträger für die Zielgruppen weiter ausgebaut werden (familienfreundlich und reisefreudig) und machte gute Miene zu jedem Spiel, deshalb war er auch live auf RTB präsent. Der Auftritt war in meinen Augen weit authentischer, als es Fashion-Blogger (und Modezeitschriften) je sein werden.

Der Mops als Influencer für Neckermann mit Frauchen.

Der Mops als Influencer für Neckermann mit Frauchen.

YouTube ist beim Bewegtbild immer noch Maß aller Dinge, der YouTuber mindestens so wichtig wie der Blogger. Auch hier wurde wieder Snapchat angeführt, wenn es darum ging, dass der Trend zum Bewegtbild weiterhin ungebrochen ist.

Nur am Rande: Meinungsfreiheit und Flüchtlinge

Auch Randthemen, die Veranstaltungen wie die re:publica auszeichnen, wurde eine Chance gegeben: So wurde von Dragana Djermanovic das südosteuropäische Bloggernetzwerk beeblognetwork vorgestellt. Die Initiatorin betonte dabei nicht nur, wie wichtig die Influencer für die Werbetreibenden in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens und darüber hinaus sind, sondern, dass es immer noch gelte, um Bürgerrechte zu kämpfen. Freie Meinungsäußerung muss dort immer noch verteidigt werden. Ein politisches Statement für Blogs und Bürgerjournalismus, das auf RTB leider nur leise und einsam zu hören war. Die schöne Aussage in Zusammenhang mit dem Bloggers Right Project: „Wer die Rechte der Blogger stärkt, stärkt letztlich auch Europa.“ hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Auch das aus dem Münchner Bloggerstammtisch hervorgegangene Projekt der Bloggerschule für Flüchtlinge, das nun unter dem Dach des Münchner Presseclubs betrieben wird, hätte man noch etwas mehr Zuspruch gewünscht. Immerhin fanden sich sowohl für Bloggerstammtisch, als auch für die Bloggerschule einzelne Interessenten, die vergleichbare Aktionen in ihren Städten umsetzen wollen.

We will, we will auch 2017 wieder?

We will, we will auch 2017 wieder?

Keep on Rockin‘ the Blog auch 2017

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Hoch anzurechnen ist den Veranstaltern, dass es gelungen ist, den Flair der doch eher spröden CeBIT durch das offene und fließende der typischen Social-Media-Veranstaltungen zu ersetzen. Inwieweit RTB allerdings auf die CeBIT abstrahlt, wage ich zu bezweifeln. Eine Verzahnung mit den Ausstellern beispielsweise ist nicht erkennbar, vielleicht auch gar nicht möglich. Ob RTB in Hannover das Zeug hätte, sich ohne CeBIT zu etablieren ist eine spannende Frage. Für den Tag wurde zumindest der versteckte Block der Halle Acht gerockt. Mal sehen, was 2017 den Blog rockt (und vielleicht die CeBIT).

 

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7 Antworten auf Rock the Blog – 2016 gezeichnet von Snapchat

  1. Thorsten Ising sagt:

    Schöne Zusammenfassung 🙂

    • Markus sagt:

      Danke 🙂 Leider habe ich deinen Vortrag nur ganz entfernt wahrnehmen können; ich war „hinten“ in ein Gespräch vertieft. Wenn ich es richtig verstanden habe, ging es bei dir aber auch um Optimierung, nämlich von Content für das Web.

      • Thorsten Ising sagt:

        Ja, habe darüber gesprochen, dass es nicht nur auf das „gut schreiben“ ankommt und was man darüber hinaus tun kann, um seinen Blog erfolgreicher zu machen.

  2. Danke für die Zusammenfassung. Und weiter geht’s…

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