„Es ist schon alles fotografiert, nur noch nicht von jedem“ – frei nach Karl Valentin. Dieser Aphorismus gilt besonders für attraktive Motive wie den Hamburger Hafen. Trotzdem juckt es mich jedes Mal wieder, den Fotoapparat mitzunehmen und nicht nur das Handy. Das habe ich auch dieses Mal nicht bereut, auch wenn ich nach zehn Stunden Anreise de facto nur sechs Stunden Zeit für die Stadt hatte – dazu noch zwei Stunden an den Landungsbrücken am Vorabend eines Geburtstagsfests, zu dem ich eingeladen war.
Fotografisch ist dazu zu sagen: Ich wollte mein Reisegepäck leicht halten und wusste zudem, dass ich keine ausgedehnten, selbstständigen Fototrips machen konnte, sondern immer in einer Gruppe mit vielfältigen Interessen unterwegs war. Deshalb habe ich versucht, auch das Fotogepäck so leicht wie möglich zu halten. Zu meiner Kamera, der bewährten und kompakten Olympus OM-D E-M1 Mark 3, hatte ich noch mein geliebtes Leica 15 mm f/1.7 dabei, dazu das Olympus 9–18 mm Weitwinkel und das 45 mm Tele. Letzteres kam allerdings kaum zum Einsatz.


Abendstimmung an den Landungsbrücken
Vor allem abends an den Landungsbrücken hat das Leica 15 mm f/1.7 wieder seine Stärken bewiesen: Mit ihm lässt sich auch bei reiner Scheinwerferbeleuchtung noch gut aus der Hand fotografieren, und man bekommt knackscharfe Bilder. Der Bildwinkel von umgerechnet 30mm Kleinbildobjektiv ist ideal, um Architektur, Schiffe und Menschengruppen einzufangen oder auch ein gutes Stück des leicht bewölkten Abendhimmels.





Die Hafenrundfahrt zur Mittagszeit
Am nächsten Tag habe ich dann auf meine obligatorische Hafenrundfahrt bestanden. Bis wir aus den Hotels kamen allerdings zu einem für Fotografen äußerst schlechten Zeitpunkt, nämlich genau zur Mittagszeit. Die Sonne stand hoch und heiß und beleuchtete alles kräftig, Sonnenschutzfaktor 50 war Pflicht.
**Mein Tipp zur Barkassenfahrt:** Wir sind gleich oben an den Landungsbrücken auf eine Barkasse gestiegen. Diese hatte leider nur einen kleinen offenen Sitzbereich hinten, und unter dem Plastikverdeck staute sich die Hitze. Zudem war das Fotografieren durch die Fenster sehr unpraktisch. Deshalb seht ihr hier vor allem Motive, die durch das weggeklappte Verdeck sowie vorne am offenen Ausstieg entstanden sind, wo ich praktisch die ganze Zeit gesessen habe.
Wer die störenden Spiegelungen im Fenster vermeiden möchte: Weiter östlich an den Landungsbrücken gibt es noch einen roten Barkassenanbieter, wie ich gesehen habe. Deren Boote scheine größere, offene Plattformen zu haben, was für Fotografierfreudige deutlich besser sein dürfte. Wer Zeit hat sollte also nicht gleich auf den am lautesten schreienden Kundenfänger hereinfallen.




Obwohl ich sonst das große und schwere 7–14 mm Weitwinkel von Olympus bevorzuge, habe ich mich diesmal aufgrund seiner kompakteren Größe für das kleinere, nicht so lichtstarke Olympus 9–18 mm entschieden. Das hat sich als die richtige Wahl herausgestellt: Es ist zwar nicht ganz so weitwinkelig wie das 7–14 mm, aber dafür konnte ich einen Polfilter aufschrauben – eine Möglichkeit, die das große Objektiv mangels Filtergewinde nicht bietet. Wie man an den Farbbildern sieht, war der Polfilter unbedingt nötig, um den Mittagshimmel wenigstens einigermaßen blau erscheinen zu lassen.







Schwarz-Weiß-Bearbeitung mit Nik/DxO
Wer meinen Blog schon länger verfolgt, kennt mittlerweile meine Vorliebe für Schwarz-Weiß-Bilder. Aus diesem Grund arbeite ich auch mit den Nik-Efex-Werkzeugen (Silver Efex) in DxO PhotoLab, mit denen ich vielfältige Möglichkeiten habe, die Schwarz-Weiß-Bilder noch nach meinem Geschmack zu bearbeiten – etwa um den blauen Himmel mit einem Rotfilter-Effekt noch weiter abzudunkeln, gleichzeitig aber zum Beispiel das Gebäude der Elbphilharmonie, das teilweise viel zu dunkel war, gezielt aufzuhellen.
Nach meinem Eindruck heben sich die Bilder so etwas vom bunten Einerlei ab und vermitteln eine ganz eigene Dramatik – trotz des hellen Mittagshimmels. Es hat sich wieder gezeigt: In Hamburg lohnt sich der Fotoapparat, auch wenn man nur sechs Stunden Zeit hat.








Was ich verpasst habe: Street Photography in Ottensen
Was ich verpasst habe, war der Ausflug in die Street Photography: Gleich nach dem üppigen Frühstück im Hotel habe ich einen Spaziergang durch den Stadtteil Ottensen gemacht, wo sich mir zahlreiche Motive geboten hätten. Da war ich aber ohne Kamera unterwegs, weil ich nur schnell Kaffeebohnen besorgen wollte.
Hamburg-Tipps: Übernachten, Kaffee & Souvenirs
An dieser Stelle noch ein paar Tipps für Hamburg:
Übernachtet habe ich diesmal im Hotel Gastwerk, mit dem ich sehr zufrieden war. Obwohl das Hotel in ein ehemaliges Gaswerk eingebaut ist, strahlt es eine ganz eigene Gemütlichkeit aus. Insbesondere die großzügigen, schön ausgestatteten Zimmer haben eine individuelle und gemütliche Wohlfühlatmosphäre. Das Frühstück war abwechslungsreich, wenn auch nicht überbordend – dafür von sehr hoher Qualität, was absolut ausreichend und preislich angemessen war. Genauso hat der Preis fürs Zimmer zum Gebotenen gepasst. Das Hotel ist knappe 10 Gehminuten vom S-Bahnhof Ottensen entfernt, ein Bus quasi direkt vor dem Hotel bringt einen bis zu den Landungsbrücken.
Kleiner Tipp am Rande: Nicht alle Zimmer sind mit Klimaanlage ausgestattet, wie ich erfahren habe. Andere haben stattdessen einen Deckenventilator – so wie meines. Für mich war das aber vollkommen ausreichend, wenn man den Ventilator praktisch unhörbar über Nacht auf niedriger Stufe laufen lässt.
In Ottensen, unweit vom Hotel Gastwerk, bin ich zum Café Elbgold in der Ottenser Hauptstraße gegangen, um Kaffeebohnen zu besorgen, die ich von früher kannte – die Qualität hat sich wieder bestätigt. In der Barenfelder Straße gibt es übrigens zahlreiche schicke Cafés, aber auch kleine italienische Espressobars, die verlockend aussehen.
Als etwas anderes Souvenir empfehle ich den Laden The Art of Hamburg im Portugiesenviertel, der von einem Künstler gestaltete Kleidung sowie Taschen und Beutel mit stilisierten Motiven von Hafenschiffen, Ankern, Möwen und Hamburg verkauft. Individuell und eben keine billige Einheitsware.
Kurz gesagt: Hamburg ist immer eine Reise wert – und dabei habe ich die ganzen Museen, Galerien und sonstigen Sehenswürdigkeiten noch gar nicht erwähnt.
All die in diesem Beitrag beschriebenen Geräte und Leistungen wurden von mir selbst vollständig bezahlt. Ich erhielt keine Rabatte oder sonstige Gegenleistungen für diesen Beitrag.
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