Journalistenfilme – zwei Tipps

Fernsehen und Zeitung sind zwei unterschiedliche Medien. Die Zeitungsjournalisten reden, telefonieren, machen Termine und schreiben ab und zu in ihre Notizblöcke. Fernsehjournalisten sind mit einem Tross an Technik unterwegs, ihre Recherchen folgen der Regie und unterliegen dramaturgischen Zwängen, von denen die Zeitungsreporter befreit sind.

Ist das der Grund, warum dann die Zeitungsjournalisten erfolgreicher sind? Ihre Enthüllungsgeschichte zu den Missbräuchen kanadischer Priester löst Lawinen aus. Die Hinweise des Fernsehens dagegen, ob US-President Bush sich durch sein Berufung in die Nationalgarde vor dem Einsatz in Vietnam gedrückt hat, versanden im Streit darüber, ob die mehr als plausiblen Kopien von echten Dokumente stammen können.

 

Spotlight und Der Moment der Wahrheit sind zwei sehenswerte Filme mit beeindruckenden Schauspielern, die sehr gut die Zwänge des Journalismus und der Journalisten schildern. Erstaunlich bei beiden ist, dass sie sehr kurzweilig sind, obwohl man als Zuschauer ja nur Zeuge der Recherche ist. Man wird aber förmlich in den Strudel der Wahrheitsfindung mit einbezogen und zittert mit jedem Anruf, ob der entscheidende Zeuge in ein Interview einwilligt oder nicht.

Bezeichnend finde ich, dass Mary Mapes laut Abspann im Film seit Ihrer Entlassung im Jahr 2004 nicht mehr für das Fernsehen gearbeitet hat. Mary Mapes war eine Produzentin von 60 Minutes, der CBS-Nachrichtenshow mit dem legendären Dan Rather, verkörpert im Film vom Robert Redford. Redford sagt zum Schluss (aus dem Kopf zitiert): „Guten Journalismus wird es nicht mehr lange geben, er ist zu teuer.“

Schade eigentlich, dass es solche Filme über deutsche Medien nicht gibt. Dürfen wir vielleicht in einigen Jahren einen ähnlichen Film zu den Panama Papers erwarten?

 

Erstes Ergebnis der re:publica – fünf Thesen zum Journalismus

Wie in den letzten vier Jahren immer, waren auch auf der zehnten re:publica gefühlt 20 bis 30 Prozent der Veranstaltungen direkt oder indirekt dem Journalismus verhaftet. Einige davon habe ich besucht, einiges diskutiert. Daneben habe ich auch an einzelnen Blogger-Sessions teilgenommen. Mit viel eigener Interpretation, aber inspiriert von der #rpTEN komme ich nun auf fünf Thesen zum Journalismus, die im Prinzip nichts neues sind, aber alte Erkenntnisse (leider) erneut bestätigen:

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Erst wenn ihr die letzte Webseite geschlossen habt…

… werdet ihr merken, dass Facebook nur euer bestes will: eure Inhalte. Dabei definiert natürlich Facebook nach ganz eigenen Regeln oder besser gesagt geheimen Algorithmen, was die besten Inhalte sind. Sind Facebook eure Inhalte nicht mehr gut genug, werden sie Facebook auch nicht mehr interessieren. Das heißt, ihr habt von jetzt auf gleich erheblich weniger Leser und damit setzt eine Abwärtsspirale in Gang: weniger Leser heißt, weniger Sichtbarkeit in den Timelines und das geht so weiter, bis ihr verschwunden seit. Naja, fast. Denn wenn ihr immer schön liked und teilt und versucht, im Gespräch mit euren Freunden und Fans zu bleiben, wird euch die Timeline nicht ganz vergessen.

Edelfeder: Lösen einzelne Publizisten die Medienmarken im Internet ab? (Foto: Fred Guillory: Pen and Ink via Flickr CC BY-SA 2.0)

Edelfeder: Lösen Blogs einzelner Publizisten die Medienmarken im Internet ab? (Foto: Fred Guillory: Pen and Ink via Flickr CC BY-SA 2.0)

Außerdem könnt ihr natürlich bezahlen dafür, dass eure Inhalte in den Timelines angezeigt werden. Die Konkurrenz, die den Wettbewerb und damit die Preise für die besten Timelineplätze bestimmt, ist von euch nicht zu sehen, die kennt nur Facebook und bestimmt damit, wie viel ihr zahlen müsst.

Also nur, dass das klar ist: Dann müssen nicht eure Leser dafür bezahlen, dass sie eure Inhalte zu sehen bekommen, sondern ihr müsst an Facebook bezahlen, dass eure Inhalte Leser bekommen. Merkt ihr was?

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Lasst euch von der Timeline nicht verar…

Gedenken vor dem französischen Generalkonsulat in München an die Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo am 7. Januar 2015. Schrecklich, dass ich das Bild nochmal hervorkramen musste.

Gedenken vor dem französischen Generalkonsulat in München an die Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo am 7. Januar 2015. Schrecklich, dass ich das Bild nochmal hervorkramen musste.

Twitter ist toll und viele andere Social Media ebenso. Trotzdem sollte man Distanz wahren und nicht gleich alles für bare Münze nehmen, was einem die Timeline so auf den Schirm spült. Selbst die kurzfristige Erregung und der Konkurrenzdruck bei den Boulevardmedien-Machern führt zu Berichterstattung und zu Kommentaren, die man im nachhinein nur als absurd bezeichnen kann.

Medienkompetenz gilt auch für Social Media

Zur Medienkompetenz (das schließt „Social-Media-Kompetenz“ mit ein) sollte es demzufolge nicht nur gehören, sich in kurzer Zeit einen seriösen Überblick verschaffen zu können, sondern auch, inne zu halten und auf den gesunden Menschenverstand zu hören.

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Zeitschriften. Medienkritik: Bergwelten und Terra Mater

Manchmal verspüre ich Lust auf Zeitschriften – vielleicht ist mir nach haptischer Lust: blättern statt klicken, beim Thema bleiben, statt surfend prokrastinieren. Auf jeden Fall stand ich einem unscheinbaren Zeitschriftenladen und griff einfach aus (wahrscheinlich auch berufsbedingter) Neugierde, unter andere, zu zwei Zeitschriften. „Bergwelten“ und „Terra Mater“.

Was mich bei beiden Ansprach, auch wenn das Grunddesign völlig unterschiedlich ist, ist die wenig marktschreierische Titelseite. Während die Bergwelten eher daherkommen wie ein angenehmer Spätsommertag, der zu Entdeckungen einlädt, präsentiert sich Terra Mater nüchtern sachlich. Ich kannte beide Zeitschriften vorher nicht, wurde aber dann beim Blättern und Lesen angenehmen überrascht.

Bei den Bergwelten fehlt der alpenvereinshafte, bergführeroberlehrerhafte Stil, statt dessen wird erzählerisch geplaudert in einer Sprache, die leicht lesbar, aber nie schlicht ist; das sprichwörtliche Lesevergnügen stellt sich ein. Auch weil man auf die Schnelle zwischendurch mal eine Geschichte lesen kann. Die Bildsprache ist füllig, aber nicht übertrieben. Raum für Product Placement ist viel, aber nicht aufdringlich. Beispiel: Canyon-Retter stellen ihre Ausrüstung vor, da fallen viele Markennamen des Bergsports, seisdrum, wer macht schon Extreme Canyoning… Optisch ansprechend inszeniert, aber oberflächlich kommentiert die beliebige Auswahl von Fotokameras (aber vielleicht bin ich auch zu Experte.) Modern gemacht dagegen die Ratgeberseiten: mit anschaulichen Skizzen werden etwa fünf Punkte geschildert, die es in Klettersteigen zu beachten gilt. Das abwechslungsreiche aber nie unaufgeräumte oder unübersichtliche Layout trägt seinen Teil zum Lesevergnügen bei. Als prominenter Gastautor ist Reinhold Messner dabei (der über Erstbesteigungskatastrophen philosophiert), das sorgt sicher für zusätzliche Aufmerksamkeit. In Kürze: ich bin auf die nächste Ausgabe gespannt.

Sehr angenehm überrascht war ich auch von Terra Mater. Letztendlich eine Konkurrenz zum Magazin Geo: Geschichten aus aller Welt, die Menschen und menschengemachte Ereignisse in den Mittelpunkt stellen. Auffällig ist das zurückhaltende Layout, das mit relativ viel Weißraum arbeitet und dabei immer einem strengen Layout folgt. Auch hier handelt es sich um angenehmes Lesevergnügen, auch wenn die Themen durchaus kritische sind: ausführlich wird etwa beleuchtet, was der Sojaanbau mit den Menschen in Argentinien anstellt, wo nur wenige reich, aber viele krank davon werden. Beeindruckt hat mich die Infografik, die darstellt wie viele Mannjahre in welches menschengeschaffene Werk geflossen sind. Die Mondlandemission der Amerikaner liegt hier noch vor den Pyramiden von Gizeh – Wikipedia und CERN sind dagegen ein Nichts.

Bei den Bergwelten bin ich schnell hinter den Urheber (Verleger) gekommen, schließlich wird im Heft laufend auf die Bergwelten Sendung in Servus TV hingewiesen. Eine Seite gibt auch eine Programmvorschau – wie gesagt, nicht aufdringlich, sondern informativ.

Überrascht war ich bei Terra Mater, die vom Design so ganz anders daherkommt: Werbung für Uhrenboutiquen in Wien und Automarkenwebseiten mit .at am Ende. Welcher österreichische Verlag gönnt sich so eine aufwändige Zeitschrift. Natürlich auch hier: Red Bull Media House, wie bei Bergwelten.


 

Ich bin positiv überrascht. Während die Branche diskutiert, inwieweit ein Brausehersteller selbst Medien herausgeben darf, um Werbung für sein Produkt zu machen, sehe ich nun eher den „Tchibo-Effekt“: Medienhaus mit angeschlossener Brauseproduktion, statt wie von vielen gedacht und erwartet umgekehrt. Was ist daran so schlecht, muss man sich fragen – auch deutsche Medienkonzerne wie Pro7 Sat1 verdienen mittlerweile fast mehr an ihren Internetaktivitäten, als an TV-Programmen.

Eigentlich ist es doch nur positiv, wenn die Medienlandschaft neue Unternehmer bekommt, die sich unabhängig von Einnahmen aus den Medienprodukten machen bzw. es verstehen durch geschickte Cross-Channel-Medien- und Vertriebsaktivitäten genug zu verdienen, dass (mindestens) zwei so gut gemachte Zeitschriften herauskommen.

PS: Obwohl ich  keinen Fernseher mehr besitze, werde ich jetzt wohl doch mal gezielt Servus TV schauen müssen. Und ich erwarte nicht, dass Red Bull Media House kritisch über sich selbst berichtet. Das müssen wiederum andere tun…

60 Euro für Krautreporter und 120 für correct!v – wer will noch?

Das Dankeschön von "Deiner Korrespondentin" aus Kairo

Das Dankeschön von „Deiner Korrespondentin“ aus Kairo

Post von Sabine Rossi aus Köln: kenne ich nicht. Was ich in dem Umschlag finde, sind zwei in Ägypten von jungen Künstlern gefertigte Untersetzer und eine handgeschriebene Postkarte aus Kairo: „vielen Dank, dass du ‚Deine Korrespondentin‘ unterstützt hast.“ Jetzt erinnere ich mich: das ist das angekündigte Geschenk der Crowdfunding-Kampagne, die ich unterstützt habe. Derzeit werben ja auch die Krautreporter um alte und neue Mitglieder.

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Die Vermarktung war wichtig. Die Kaufland-Postille unser bevorzugtes Werbemedium. Dafür wurden Fotos gebraucht.

Mein erster Termin: Flugzeugabsturz

Mein erster Dienstwagen: Reporterfahrzeug. Zum ersten Termin musste ich noch mit dem Chefauto fahren.

Mein erster Dienstwagen: Reporterfahrzeug. Zum ersten Termin musste ich noch mit dem Chefauto. (Fotograf unbekannt, bitte melden)

Ein Flugzeugabsturz klingt dramatisch, das war er auch. Als der Münchner Flughafen noch praktisch in der Stadt lag, war (wieder mal) ein Kleinflugzeug abgestürzt, wie 1987, damals auf den McDonalds. Mehr wussten wir in der improvisierten Redaktion des neuen Radiosenders, der noch nicht sendete, auch nicht. Woher wir das wussten – natürlich vom Abhören der Konkurrenz. Der Sender war auf den Trümmern eines der ersten privaten Münchner Rocksender aufgebaut und sollte als „Tantenfunk“ dem damaligen (!) Bayern 1 Konkurrenz machen, das hieß: viel Volksmusik, viel Schlager und natürlich eine Lokalredaktion.

[Update: der Flugzeugabsturz, den ich hier schildere, war am 12. Mai 1989, mit vier Toten. Dokumentiert hier vom Münchner Wochenanzeiger]

Journalisten erzählen: Mein erster Termin

Warum ich das hier erzähle? Weil Max Kater eine tolle Idee hatte und Geschichten von Journalisten unter dem Titel „Mein erster Termin“ auf seinem Blog sammelt. Ich habe aber gesehen, dass Kollegen das Thema auch über ihre eigenen Blogs spielen, was ich hiermit auch tue.

Das Praktikum, erste Lektionen in Journalismus

Für mich war früh klar, dass ich Journalist werden will, motiviert dazu hat mich die tägliche Zeitungslektüre, seitdem ich lesen konnte. Begann ich am Anfang mit dem Vermischten, dann dem Lokalen, kamen dann späte Politik und Wirtschaft hinzu. Der Sportteil hat mich allerdings nie sonderlich interessiert.

Ein kurze Orientierung während des Zivildienstes, Zeit hatte ich ja schließlich dauerte der damals 24 (!) Monate, ergab, dass ohne Praktika gar nichts im Journalismus geht. Also heuerte ich gleich nach dem Zivildienst bei der Landkreisausgabe der Süddeutschen Zeitung an.

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Reklame via Blog - bald Realität oder noch lange Wunschtraum?

Blogger Relations go Local! Neue Chance für lokale Blogger?

Jede Woche wieder - eines meiner unbestellten Anzeigenblätter

Jede Woche wieder – eines meiner unbestellten Anzeigenblätter

Anzeigenblätter ärgern mich: in den wenigsten steht etwas, das mich interessiert; vom Layout laden sie sowieso nicht zum Lesen ein und der Anspruch, lokale Nachrichten zu verbreiten, wird meistens von der Boulevard-Berichterstattung zugedeckt. Kritischer Journalismus beschränkt sich zudem darauf, über Bürgerbeschwerden zu berichten – eigene Recherche findet kaum statt, deshalb werden Hintergründe und Zusammenhänge nur selten aufgezeigt. Und am schlimmsten: mittels beigelegter Prospekte wird das Werbeverbot an den Briefkästen umgangen. Warum gilt nicht, wie im Internet, dass in den Briefkasten nichts unbestelltes eingeworfen werden darf, außer wenn ich dem ausdrücklich zugestimmt habe? Ich fordere ein Opt-In für Anzeigenblätter.

Zumal ich nach dem letzten Bloggerstammtisch „das Lokale“, wie es bei Zeitungsmachern genannt wird, durchaus als weitere Chance für Blogger sehe.

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Vor den Vortragssäälen

Ich will doch nur schauen… eine sehr persönliche Abrechnung* mit der #dmexco

Glücksrittertreffen der Online-Werber

Glücksrittertreffen der Online-Werber

Für mich ist es nur Bildschirm-Shopping, aber für die Marketing-Strategen der Beginn einer Customer Journey. Also der Beginn meiner Reise vom zufälligen Gucker bis zum endgültigen Kunden, auf dem mich das Marketing begleiten will. Im Digitalzeitalter tut es das übrigens ohne mich zu fragen. Früher im Laden konnte ich auf die Frage „Kann ich Ihnen helfen? Suchen Sie etwas bestimmtes?“ antworten „Danke. Ich will nur schauen.“ Meistens wurde ich dann in Ruhe gelassen. Nur der Buchhändler meines Vertrauens (der übrigens rechtzeitig vor der Amazon-Krise in Rente gegangen ist) durfte kommen und flüstern „übrigens ich hab da was, das könnte sie interessieren“.

Heute bekomme ich, vielmehr mein Browser, vom Internet-Shop eine Nummer verpasst, ohne dass ich es merke und ohne, dass ich überhaupt etwas kaufe.

*Bitte Disclaimer am Ende des Posts beachten.

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Journalisten und die Eistonne der Fußballer

 

Sehr lustig – aber a bisserl ungeschickt vom Reporter und ebenso ein wenig unprofessionell vom Herrn Mertesacker. Hier hat jeder seine Rolle zu spielen, so ist das Fußball-Business organisiert.

Der Fußballer hat zu kicken und der Reporter Fragen zu stellen. Dafür ist das ein Millionenspiel für alle Beteiligten inkl. FIFA, Sponsoren, Moderatoren, TV-Anstalten und Fernsehwerbern. Dass Mertesacker aus der Rolle gefallen ist, macht ihn sympathisch und authentisch, denn…

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