Glück gehabt: das Wetter war schön, wurde immer schöner, bis zum Schluss der Osterferien am letzten Aprilwochende. Urlaub zu Hause bedeutet ja nicht nur Staub wischen, Keller aufräumen, Klamotten ausmisten, Garten hübsch machen. In einer Gegend wie im Chiemgau ist man quasi verpflichtet, die schöne Umgebung auszunutzen. Ostern bietet sich dafür an, zumal, wenn die Feiertage so spät liegen, wie in diesem Jahr, Ende April. Der Vorteil dabei: das Wetter kann schon sehr warm sein, trotzdem hält sich die Zahl der Touristen noch in Grenzen. Umgekehrt fallen höherliegende Ziele, wie Almen oder Hütten, für den einfach ausgestatteten Wanderer aus, da man ab spätestens 1.500 Metern noch mit großen Schneefeldern rechnen muss; die Hütten sind sowieso noch nicht bewirtschaftet. Unser Ferienprogramm startete aus Traunstein, dem Herz des Chiemgau, wie sich die Stadt nennt und sah folgende Programmpunkte vor:

  • Zoobesuch in Salzburg
  • Spaziergang durch das Staudach-Egerndacher Moos (bei Grassau bzw. Übersee am Chiemsee gelegen)
  • Schifffahrt auf die Fraueninsel im Chiemsee
  • Gondelfahrt auf den Predigtstuhl bei Bad Reichenhall
  • Besuch der Lokwelt in Freilassing

Das Titelbild zeigt den Blick vom Predigtstuhl. Unterhalb des Gipfels liegt Bad Reichenhall, der Saalach entlang oberhalb rechts Salzburg mit dem Gaisberg dahinter. Wer genau hinschaut, erkennt die Umrisse von Wallersee und Trumer See im Salzburger Land; ich meine auch Ausläufer des Waginger Sees zu erkennen. Ein traumhafter Blick auf den Rupertiwinkel, das Grenzgebiet des Chiemgau; benannt nach dem Salzburger Erzbischof unter dem das Gebiet vereint war.

Der Zoo in Salzburg

Der Salzburger Zoo ist von der Lage her eine Attraktion für sich: nur hier kann man Nashörner vor der Kulisse des Watzmanns dösen sehen.

Salzburg Zoo
Nashörner dösen Mittags in der Frühlingssonne vor der Kulisse des Watzmanns im Salzburger Zoo.

Dem Zoo fehlt die spektakuläre Außendarstellung manch anderer Zoos, dafür hat er nicht weniger zu bieten. Im Gegenteil, durch die gute Einsehbarkeit und Zugänglichkeit der Gehege ist der Zoo für Besucher ab 60 cm Größe gut geeignet. Für kleine Kinder müssen es nicht immer die spektakulären Großtiere sein, auch Salat knabbernde Erdhörnchen, akkrobatisch kletternde Totenkopfäffchen (siehe Pippi Langstrumpf) und Zebras mit Jungen sorgen für Staunen. Schattige Spiel- und Rastplätze laden zu Pausen und zum Brotzeit machen ein. Die Anreise von Deutschland ist problemlos, über die Autobahn am schnellsten (A 10 Ausfahrt Salzburg-Süd Richtung Anif), hierfür benötigt man jedoch eine Vignette.

Die Fotos im Zoo entstanden übrigens alle mit dem 75-300mm Tele von Olympus (MFT, entspricht KB 150-600mm); Dank des Bildstabilisators der Olympus OM-D E5II sind damit auch unter schlechten Lichtverhältnissen aus der Hand gute Ergebnisse möglich. (Nur die Nashörner vor dem Watzmann sind aus dem Huawei Mate 20 Pro.) Details zu meiner Fotoausrüstung gibt es auch hier im Blog.

Das Moor in Staudach-Egerndach

staudach-egerndach im Chiemgau
Blick zurück auf Staudach-Egerndach im Chiemgau noch bevor es ins Moor geht.

Staudach-Egerndacher Moor, oder Filzn wie man im Chiemgau sagt, ist ein entspanner unanstrengender Spaziergang unterhalb der Berge in der Ebene vor Grassau und Marquartstein; vielleicht sogar das, was man einen Geheimtipp nennt, wenn man es unaufgeregt mag. Das kleine Moorgebiet mag nicht so groß und aufregend wie andere Moore in der Gegend sein. Genau das ist sein Vorteil: Spazier- und Feldwege sind nicht überfüllt; es gibt ein freundliches Miteinander der wenigen Spaziergänger, Kinderwagenschieber und Radfahrer. Der Weg ist auf einer Länge von 4,5 km einfach begehbar und führt vorbei am idyllischen ehemaligen Freibad von Staudach-Egerndach, heute würde man sagen ein Naturbadeteich, der allerdings nicht mehr in Betrieb ist. Ein paar nostalgische Bilder auf einer Schauftafel zeigen, wie das Bad in den 30er Jahren ausgesehen hat. Schließlich führt ein Pfad durch ein für Moore typisches Birkenwäldchen in unregelmäßigen Abständen folgen Erläuterungen zu Bienen, Wild und anderen Tieren sowie Hinweisen zur Entstehung des Moors. Unsere Hauptattraktion war eine glitzernde Blindschleiche, die sich mitten am Weg gesonnt hat. Am Hexenhaus vorbei, einer kleinen dekorierten Hütte am Wegrand, führt der Weg an den Damm der Tiroler Achen und von dort über freies Feld zurück nach Staudach-Egerndach. An schönen Tagen lohnt die Einkehr im authentischen Biergarten des Gasthof Ott mit viel Auslauf und einem Spielplatz für Kinder. Zu dem Moorrundweg gibt es ein kleines Faltblatt, das die Orientierung erleichtert und die Stationen erläutert. (Weitere Informationen im Internet konnte ich nicht finden.)

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Wenn sich die Natur das Moor zurück erobert, wachsen Birken, auch im Staudach-Egerndacher Moor.

Die Fraueninsel im Chiemse: Der See ruft

Sicher kein Geheimtipp ist die Fraueninsel im Chiemsee. Die Empfehlung kann hier nur dahin gehen, den Ausflugszeitpunkt optimal auszuwählen. An sonnigen Sonn- und Feiertagen in der Feriensaison zwischen Mai uns September übertrifft die Länge der Menschenschlangen die Länge der Anlegestellen der Chiemsee-Schifffahrt manchmal um ein Vielfaches. Wir hatten uns für den Mittwoch nach dem Ostermontag entschieden und hatten Glück. Traumwetter mit strahlend blauem Himmel, kleinen weißen Wölkchen und Fernsicht ließen das bayerische Meer in bestem Licht erstrahlen. Natürlich sollte man nicht nur einen Rundgang über die Insel machen, sondern auch mal einen Weg ins Inselinnere einschlagen, um die Idylle zu betrachten, die sich die Bewohner hier vielfach geschaffen haben.

chiemsee-fraueninsel
Anfahrt auf die Fraueninsel mit dem Schiff von Gstad aus; im Hintergrund der Hochfelln (l.) und der Hochgern.
Chiemsee Anlegestelle Gstad
Glück mit dem Wetter gehört auch dazu: ein warmer Tag mit strahlend blauem Himmel, ein paar strukturierenden Wolken und noch schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund.
Chiemsee Bayerisches Meer
Wenn bei solchem Wetter um die Jahreszeit die Wellen ans Ufer der Fraueninsel schwappen, trägt der Chiemsee zurecht den Titel “Bayerisches Meer”.
Sonderabfüllung für die Fischerei Lex: Grauer Burgunder 2017er trocken, Winzergenossenschaft Achkarren im Kaiserstuhl. Ideal zum Fisch aus dem Chiemsee.
Sonderabfüllung für die Fischerei Lex: Grauer Burgunder 2017er trocken, Winzergenossenschaft Achkarren im Kaiserstuhl. Ideal zum Fisch aus dem Chiemsee.

Wer nicht auf einen Gasthof mit Bedienung Wert legt, dem seien die Brotzeiten der Inselfischer empfohlen; wir haben eine hervorragende Fischsemmel belegt mit Chiemseerenken bei der Fischerei Lex gegessen – mit dem besten Grauen Burgunder den man auf der Insel (und vermutlich darum herum) finden kann: 2017er trocken, Winzergenossenschaft Achkarren im Kaiserstuhl; die Sonderabfüllung für die Fischerei Lex trägt den schönen Namen: “Der See ruft”. Die ganze Insel ist übrigens als Spielstraße deklariert, es fahren praktisch keine Autos, zur Freude von Kindern und allen anderen Fußgängern.

chiemsee-dampfersteg
Während der Osterferien Ende April noch zu erleben: der menschenleere Dampfersteg am späten Vormittag in Gstad am Chiemsee.
Chiemsee Fraueninsel Kloster
Über 1.000 Jahre zurück reichen die Ursprünge des Klosters auf der Fraueninsel. Der wohlgeformte Zwiebelturm ist zum Wahrzeichen der Insel geworden.

Der Predigtstuhl bei Bad Reichenhall

Von der Chiemseehöhe (518 Meter) ging es am nächsten Tag auf 1613 Meter, den Gipfel des Predigtstuhls. Der Berg liegt hinter Bad Reichenhall und den mühsamen Aufstieg zum Gipfel erspart die denkmalgeschützte Gondelbahn aus dem Jahr 1928.

Chiemgau Bad Reichenhall Predigtstuhlbahn
Über 90 Jahre alt ist die Bahn, das gilt für Kabinen, Stützen sowie Berg- und Talstation. Beängstigend ist das nicht, der Erhaltungszustand ist sehr gut. Allerdings ist Seilbahn deshalb nicht barrierefrei.

Leider muss man zu Beginn gleich die Frage stellen, ob der hohe Preis der Gondelfahrt berechtigt ist – immerhin zahlt ein Erwachsener pro Person für die Berg- und Talfahrt 34 Euro (Stand April 2019). Vergleichbare Aufstiegshilfen gibt es sicher billiger, dafür warten in der Gipfelregion zwei ausgebaute Spazierwege mit unterschiedlichen Längen, die ohne Bergerfahrung und lediglich mit festem Schuhwerk einfach begehbar sind (trotzdem die aktuelle Schneelage beachten oder erfragen; im April 2019 waren die Rundwege noch nicht möglich). Der Gipfel ist von der Bergstation in zehn Minuten zu Fuß schnell zu erreichen und bietet spektakuläre Ausblicke auf den Watzmann und den Hochkalter sowie nach Salzburg und in den Rupertiwinkel, den an Österreich grenzenden Teil des Chiemgau. Für die Verpflegung sorgt eine Almhütte, die ebenfals auf einem gut ausgebauten Weg unterhalb des Gipfels erreichbar ist. Wer es exklusiver mag, ist im Bergrestaurant neben der Gondelstation gut aufgehoben. Hier gibt es gehobene Küche, freundlichen Service und eine verglaste Panoramaterrasse. Die 35 Euro für das Dreigängemenü erscheinen angesichts der Qualität, des Ambiente und im Vergleich zu den Gondelpreisen angemessen. Von der Bundesstraße aus ist der Weg zur Talstation gut ausgeschildert.

Chiemgau Predigtstuhl Watzmann
Imposant beherrschen Watzmann (l.) und Hochkalter (r.) das Panorama.

die Lokwelt in Freilassing

Der letzte Punkt unseres Ferienprogramms war der Besuch der Lokwelt in Freilassing. Wie der Name schon sagt, eine Ausstellung von Lokomotiven in den Gebäuden des ehemaligen Bahnbetriebswerks. Ich bin wahrlich keine Eisenbahnexperte oder -Fan. Dennoch sind die riesigen Stahlrösser beeindruckend, wenn man auf Schienenhöhe direkt neben ihnen steht. Verglichen mit dem Führerstand einer modernen Schnellzuglok, wirken die unzähligen Steuerräder und Hebel einer Dampflok wie ein gewolltes Verwirrspiel. Aber auch die alten Elektrolokomotiven sind mit ihrem kantigen, bulligen Aussehen, das so gar nichts mit dem glatten ICE zu tun hat, beeindruckend.

Chiemgau Freilassing Lokwelt
Auch den frühen Elloks sieht man an, dass es auf Windschnittigkeit nicht so ankam.

Aufgeschnittene Lokomotiven geben tiefe Einblicke in die Funktionsweise einer Dampflok; Bergbahnen mit Zahnradantrieb sind besonders viele Exponate gewidmet. Vielleicht betont die Unbeweglichkeit der Kolosse deren Größe noch mehr; wer Bewegung sucht, wird bei zwei Modellbahnanlagen fündig, eine der Größe H0 (Maßstab 1:87), die allerdings nur selten in Betrieb ist und eine der Lehmann-Spurweite (Maßstab 1:22,5) mit Loks und Landschaften im Western-Look, die täglich mehrmals gestartet wird. Sogar die alte Drehscheibe vor den Hallen mit einem Durchmesser von über 23 Metern und einer Tragkraft von 140 Tonnen (früher 200), ist noch für “Rundfahrten” mit Besuchern in Betrieb. Der günstige Eintrittspreis (6 Euro/Erwachsener, April 2019) und die riesigen Exponate in der überschaubaren Umgebung hinter den knapp 20 Remisentoren, machen das Museum zu einem besuchenswerten Kleinod. Bei der Einfahrt nach Freilassing ist dir Lokwelt gut ausgeschildert.

Chiemgau Freilassing Lokwelt
Im Außengelände befindet sich die funktionsfähige Drehscheibe, die auch für “Rundfahrten” genutzt wird. Früher diente sie hauptsächlich zum Wenden von Dampfloks.

Mehr Blogs über den Chiemgau

Berge, Seen, Flüsse, Städtchen, Dörfer, Museen, Burgen, Klöster, Landschaften – der Chiemgau ist so reich an Attraktionen und Kleinoden, dass ein Blogbeitrag gar nicht und auch ein ganzer Blog kaum ausreicht, die vielfältigen Angebote der Region zu beschreiben. Ich werde auch nicht den Outdoor-, Familien-, Kinder- und sonstigen Bloggern Konkurrenz machen, die sich darauf spezialisiert haben, sondern weiterhin nur meine sporadischen Erfahrung mit viel Bildern hier teilen. Ich verweise lieber auf einige Blogger-Kollegen in der Region:

  • Verena betreibt den Blog mit Kind und Karte Bambini Chiemgau: Die Frau weiß, was sie publiziert. Hier gibt es für Familien unheimlich viel zu entdecken für die Region.
  • Stefanie aus Ruhpolding bloggt über ihr Gipfelglück: Wie der Name schon sagt, geht es hier oft höher hinaus, weniger mit Fokus auf die Kleinen, dafür auf die Gipfel:
  • Andreas aus Aschau im Chiemgau ist ständig im Gipfelfieber und bloggt mit hoher Frequenz vornehmlich übers Bergsteigen, aber auch einfachere Wanderungen rund um seine Heimat.
  • Um vierbeinige Begleiter geht es bei Andrea und mein Wanderhund mit Tipps auch weit über die Region hinaus.
  • Für Einheimische und Zugereiste unverzichtbar sind die Chiemgauseiten von Bernhard.

Euch fehlt noch ein wichtiger Blog hier, dann schreibt es bitte in die Kommentare.

Du bloggst auch aus und über den Chiemgau und angrenzende Gebiete, dann bist du in der Facebook-Gruppe “Blogger im Chiemgau/Südostbayern” richtig, melde dich bei uns.

2 Comments

  1. Kurzweilig und sehr informativ geschrieben lieber Markus. Tolle Bilder! Das macht Lust auf mehr und zum selber testen. Oft sucht man nach neuen Ausflugsideen und hier findet man sie.

    • Hallo Cerstin, danke für deinen Kommentar, genauso war der Beitrag gedacht. Wenn ich mir aber die Fülle der Möglichkeiten ansehe, kann das wirklich nur die alleroberste Spitze des Eisbergs sein: es geht noch weiter, etwa mit den Bauernhofmuseen in Amergang oder Salzburg, dem Holzknechtmuseum in Ruhpolding, dem Mammutmuseum in Siegsdorf oder einen Sternenwanderung in Reit im Winkl. Beste Grüße Markus

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