Die erste Liebe vergisst man nicht…

Wie sich hier wahrscheinlich schon herumgesprochen hat, bin ich kein großer Fan von Facebook: zu viel Algorithmus, zu viel Werbung, zu viel Allmachtsanspruch. Trotzdem fasziniert mich das soziale Netzwerk immer wieder mit Geschichten, die es ohne nicht geben würde. Das wird jetzt allerdings keine soziale Helfergeschichte und auch keine Lovestory.

liebe bar ich hab durst

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Rock the Blog – 2016 gezeichnet von Snapchat

Optimierung, Influencer, Bewegtbild und natürlich Snapchat – das waren die beherrschenden Themen von Rock the Blog 2016, kurz #rtb16. RTB fand letztes Jahr zum ersten Mal statt und bildet nun den letzten Veranstaltungstag der Global Conferences im Rahmen der CeBIT in Hannover.

Beste Idee der Veranstalter: Der Solo-E-Gitarrist als Weckrufer und Pausenfüller. Virtuos und rockig: Damian Salazar.

Beste Idee der Veranstalter: Der Solo-E-Gitarrist als Weckrufer und Pausenfüller. Virtuos und rockig: Damian Salazar.

Nach meiner Interpretation ist das ein gelungener Versuch der CeBIT-Veranstalter, neue Zielgruppen zu erschließen – Social-Media-Afficionados an die CeBIT zu binden.

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Warum ein Blog keine normale Webseite ist.

Aus technischer Sicht mag diese Frage Stirnrunzeln hervorrufen, aus Sicht des Bloggers ist es aber noch erstaunlich oft erforderlich, dem geneigten Laien zu erläutern, was den Unterschied ausmacht. Letztendlich böte ja jede Webseite die Möglichkeit, Beiträge in chronologischer Ansicht darzustellen, was ja der Ursprung des Internetz-Tagebuchs, des Weblogs, war.

  • Eigentlich ist „das Blog“ (wie Puritaner noch heute artikeln) entstanden als Brücke, zwischen dem programmierorientierten HTML-Editor und einem anwenderfreundlichen Publikations-Software.
  • Das heißt, das Ziel, nämlich die schnelle und einfache Publikation steht im Vordergrund und nicht die Technik. Auch der öffentlichkeitsinteressierte Laie sollte die Chance bekommen, seine Text und Bilder schnell und einfach zu publizieren. Die Basis dafür bot das Internet, wo standardisierte Technologien kostengünstig für jedermann erschwinglich und zugänglich wurden. Eine Domain mit Webspace und den dazugehörigen Programmen gibt es für ein paar Euro und die notwendige Software (z.B. das populäre WordPress) ist oft kostenlos erhältlich und mittlerweile fast selbsterklärend.
  • Dahinter steht die Idee dessen, was man heute auch als „Demokratisierung durch das Internet“ bezeichnet, das heißt Publizieren, Veröffentlichen für Jedermann (und jede Frau). Gedanken, Meinungen, Sichtweisen, ermittelte Fakten und Bilder oder Videos (auch von Katzen) können direkt, ohne Umwege, von einem Milliardenpublikum abgerufen werden. Die Umwege waren früher Rundfunkanstalten und Verlage. Sendezentren und Druckmaschinen waren unermesslich teuer, weshalb nur Informationen das Licht der Öffentlichkeit erblickten, die von Journalisten und Redakteuren ausgewählt wurden. Sie bestimmten, was gesendet oder gedruckt wurde. Heute kann jeder, der sich an die Gesetze hält, veröffentlichen, was er möchte – zumindest in Deutschland ist das zum Glück so.
  • Damit einher geht eine neue Unübersichtlichkeit. Wenn Abermillionen von Menschen zu Verlegern und Sendeanstalten werden, wer kennt sich da noch aus. Wer findet das interessante, relevante, wie heraus. Woher weiß man, ob es stimmt. Da kommt das Grundparadigma des Internetz ins Spiel, die Vernetzung. Je besser vernetzt ein Blog ist, desto sichtbarer wird er; gleiches gilt auch für den Blogger, je besser der Urheber sichtbar ist, desto bekannter wird sein Blog. Dank der Vernetzung werden aber Fehler auch meistens schnell entdeckt; oder Inhalte können mittels Internetz schnell verifziert werden.
  • Und hier herrscht oft das größte Missverständnis im Vergleich mit einer Standardwebseite: einen Blog zu betreiben ist laufende, harte Arbeit. Arbeit, die bei einem Verlag etwa, arbeitsteilig in verschiedenen Händen lag: Für die Artikel ist der Journalist zuständig, für den Verkauf der Werbung der Anzeigenvertrieb, für den Verkauf der Zeitung das Abo-Marketing und der Vertrieb, für die Druckmaschinen der Techniker. Bei einem Blog ist in nahezu allen Fällen der Blogger in Personalunion alles: er kümmert sich um die Inhalte und um die Technik und zwischendurch muss er seinen Blog und sich selbst noch bekannt(er) machen. (Ausnahmen bestätigen mittlerweile die Regel, wenn große Blogs, die viel gelesen werden und verhältnismäßig hohe Einnahmen erzielen, mittlerweile von Autorenteams betreut werden und ihre Blogger die technische Betreuung in Expertenhände geben.)
  • Wichtig ist bei einem Blog deshalb immer die Persönlichkeit des Bloggers. Seine Handschrift ist überall sichtbar: von der Gestaltung des Layouts über den Stil der Texte und die Auswahl der Bilder oder anderer audiosvisueller Komponenten. Auch auf der inhaltlich-technischen Ebene spielt die Vernetzung eine große Rolle: Auf welche Blogs wird verwiesen, von welchen Urhebern werden Inhalte mit eingebaut, auf welche Quellen verweist man.
  • Bloggen heißt auch, sich vernetzen, wo das Vernetzen am besten geht, nämlich in Social Networks. Hier findet man seine Leser, Zuschauer, Gleichgesinnte und kann auch mal diskutieren, wenn die Diskussionen direkt auf dem Blog nicht in Gang kommen. Zudem ist die Präsenz in den Netzwerken wichtig, um seine Inhalte viral weiterzuverbreiten und andere Inhalte teilen zu können. Auch das gehört zur Arbeit des Bloggers.
  • Und nicht zuletzt findet der Austausch und die Vernetzung im echten Leben auch offline statt. Man trifft sich auf Veranstaltungen, mehr oder weniger regelmäßig und tauscht sich zum Thema seines Blogs oder zur Technik aus. Dabei trifft man andere Blogger und lernt von ihnen und gibt selbst Erfahrungen weiter, so dass hier ebenfalls ein wertvoller Beitrag zur Vernetzung stattindet – übrigens, wenn man es so sehen möchte, auch wieder zeitaufwändige Arbeit, meistens am Abend oder Wochenende.
  • Private und Firmenblogs (sogen. Corporate Blogs), die meinen, sie könnten einen Blog wie eine Webseite betreiben, werden mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Sie werden keine, oder zumindest kaum, Beachtung finden, weil das wesentliche Element – die Persönlichkeit und die Vernetzung – fehlt. Eine Webseite ist wie das Schaufenster eines Supermarkts: großes Angebot, das marktschreierisch und unpersönlich von Plakaten herab angeboten wird. Ein Blog dagegen ist wie ein Besuch im Tante-Emma-Laden: persönlich, mit ausgewählten Empfehlungen und einem Ladenbesitzer, der einlädt zu bleiben und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Da kommt man gerne wieder.
  • Abschließend muss erwähnt werden, dass ein Blog im Jahr 2016 nicht unbedingt so aussehen muss, wie meiner hier. Es gibt Blogs, die die chronologische Sortierung nicht mehr in den Vordergrund stellen, sondern statt dessen auf inhaltliche Sortierung setzen; die aussehen, wie ein buntes Magazin und nicht wie ein fortlaufender Strom von Artikeln. Was ich damit zum Schluss sagen will: nicht das Design und die Technik machen den Blog aus, sondern die Haltung des Bloggers, das ist der Unterschied zur normalen Webseite.
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„Und wo das Wasser talwärts rinnt…

… wia von am Gletscher im April“ singt der Austrorockbarde Rainhard Fendrich in seiner inoffiziellen österreichischen Hymne „I am from Austria„. Damit sind meine schönsten Orte eigentlich ganz gut beschrieben, auch wenn sie nicht immer in Österreich liegen.

In vielen Beiträgen zur Blogparade „Eure schönsten Orte“ von Markus Scholz vom Outdoor-Blog spielen Wasser und Berge eine Rolle. Für mich ist es jedoch nicht der Meeresstrand mit Sonnenuntergang oder die tosende Brandung oder das Gipfelkreuz oder die Aussicht. Für mich zählt die Verbindung aus Bergen und fließendem Wasser zu meinen schönsten Orten: kleine oder größere verwunschene Bäche oder Flusstäler mit kleinen oder größeren Wasserfällen und Gumpen.

Das kann an einem späten Frühsommernachmittag der einsame Wasserfall am Ende der Wolfsschlucht sein, in der toskanischen Sommerhitze eine mit Schwemmholz gefüllte Gumpe, das ausgiebige Bad im kühlen Fluss nach einer viertägigen Bergtour auf Korsika oder der heiße Sommertag in der Aschauer Klamm.

Wolfsschlucht

Wolfsschlucht

Geheimtipp gesucht und gefunden

Einen echten Geheimtipp dazu bot vor Jahrzehnten der Reiseteil der Süddeutschen Zeitung. Mit dem Motorrad war der Autor durch Südfrankreich in den Hügeln und kleinen Bergen rund um Carcassone unterwegs. Er schwärmte in seinem Artikel von einer paradisischen Gumpe und einem ausschließlich Bikern vorbehaltenen Campingplatz in der Nähe (vermutlich handelt es sich um den Gegend der Corbières). Vor über zwanzig Jahren ohne Navi und Google Maps im VW Bus unterwegs, versuchten wir, die beschriebene Badestelle im verwunschenen Flusstal auf der Karte zu identifizieren.

Nur: Es gab sie nicht; zumindest nicht so, wie in dem Beitrag beschrieben. Weiterlesen

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Outdoor-Kulturtipp: Spoerri Skulpturengarten in der Toskana

Schnittkanten an den Olivenbäumen leuchten golden, erst recht bei dem Wetter.

Schnittkanten an den Olivenbäumen leuchten golden, erst recht bei dem Wetter.

Ostern in der Toskana hat aufgrund der Überraschungen, die das Wetter bieten kann, immer etwas spannendes. Es kann schon fast sommerlich warm werden, andererseits habe ich im April auch schon in tieferen Lagen Schneeregen erlebt.

Letzteres Wetter kam mir bei dem Aufruf zum „Outdoor-Kulturtipp“ in den Sinn, denn Outdoor verbindet man ja immer mit etwas Anstrengung und Abenteuer, also für den Stadtmenschen Unbequemlichkeit im weitesten Sinne. Wir hatten also Novemberwetter zu Ostern Ende März 2008 erwischt, weshalb wir mal aus der Bude mussten, trotz Schneeregen und kühlem Wind.

Dafür sorgte das Wetter für eine ganz besondere Stimmung im Garten von Daniel Spoerri. Der Skulpturenpark wurde von dem Schweizer Künstler Anfang der 90er Jahre angelegt und ist seit 1997 zu besichtigen (von Ostern bis November). Er liegt an den Hängen des Monte Amiata, der aufgrund des schlechten Wetters manchmal schneebedeckt durch die Wolken spitzte. Weiterlesen

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Nur ein Foto…

Es ist mir selten passiert, aber der geplante Beitrag verlässt den Entwurfsordner nicht. Eine eigentlich schöne Geschichte verliert, wenn sich die Protagonisten später, außerhalb der Geschichte, nicht so verhalten, wie man es erwartet hat dann doch so verhalten, wie man es sich nicht gewünscht hat. Mal sehen, vielleicht überwindet die Geschichte irgendwann später doch noch den Entwurfsstatus, sie ist zeitlos.

Deshalb heute hier nur die Freude über die dichten Schneeflocken am Mittwochmittag in München in einem Bild dokumentiert. Die Nonne, neben der ich in der Straßenbahn saß, erzählte ganz begeistert von ihrer Kindheit in Niederbayern, und wie viel Schnee es damals gab und was für eine Freude das für die Kinder war. In München hat es ja diese Saison noch nicht mal für einen kleinen Schneemann gereicht. Auch dieser Schneeschauer war nur von kurzer Dauer.

Dichter Schneefall am 17. Februar, mittags in München am Sendlinger Torplatz.

Dichter Schneefall am 17. Februar, mittags in München am Sendlinger Torplatz.

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Weiße Burgunder und Syrah – eine Weinprobe

Da es in diesem Blog um Vieles geht, ist heute wieder mal der Wein an der Reihe. In aller Kürze:

Weinprobe im Bild

Weinprobe im Bild

Der Tagessieger in Rot; rund und füllig, ohne zu schmeicheln oder zu protzen: Saronsberg Shiraz 2010, Tulbagh, Südafrika, Berts Weinexpress

Bester Weißer, weil jung und spritzig: Tabernus Weißer Burgunder 2015, Pfalz, Jacques Weindepot

Typisch weiße Burgunder, wenig Ausdruck, wenig Idee: Weingut Krebs, Baden, Binzen, Weisser Burgunder 2014, Kabinett trocken; Grauer Burgunder 2014 „Königschaffhauser Hasenberg“ WG Königschaffhausen-Kiechlingsberg

Überraschung des Abends, gealtert, aber gut sehr gut erhalten und auch in der Karraffe stabil: Moss Brothers Shiraz 2002, Margaret River Australien, Australian Winestore

Wie erwartet, leider zu alt: Viljoensdrift River Grandeur Shiraz 2004, Robertson Valley, Südafrika, Berts Weinexpress

Interessante Abteilung ohne Holz von der Suppe bis zum Käse passend: Yaku Syrah 2014, Chile, Rindchen’s Weinkontor

Junge Freude, fruchtig, kräftig: Escudo Rojo, Syrah 2012, Maipo, Chile, Baron Philippe de Rothschild

Mehr erwartet, fiel im Vergleich zu anderen Roten etwas ab: Gravel Pit Shiraz 2012, Willow Bridge Estate, Western Australia, Australian Winestore

Tat sich schwer, wußte weder von Frucht, noch vom Körper zu überzeugen: Ormonde Shiraz 2012, Südafrika, Jacques Weindepot

Rot mit Weißwein, aber die Power hat gefehlt: Anura Arpeggio 2013, Syrah mit Mourvèdre und Viognier, Stellenbosch, Südafrika

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Erst wenn ihr die letzte Webseite geschlossen habt…

… werdet ihr merken, dass Facebook nur euer bestes will: eure Inhalte. Dabei definiert natürlich Facebook nach ganz eigenen Regeln oder besser gesagt geheimen Algorithmen, was die besten Inhalte sind. Sind Facebook eure Inhalte nicht mehr gut genug, werden sie Facebook auch nicht mehr interessieren. Das heißt, ihr habt von jetzt auf gleich erheblich weniger Leser und damit setzt eine Abwärtsspirale in Gang: weniger Leser heißt, weniger Sichtbarkeit in den Timelines und das geht so weiter, bis ihr verschwunden seit. Naja, fast. Denn wenn ihr immer schön liked und teilt und versucht, im Gespräch mit euren Freunden und Fans zu bleiben, wird euch die Timeline nicht ganz vergessen.

Edelfeder: Lösen einzelne Publizisten die Medienmarken im Internet ab? (Foto: Fred Guillory: Pen and Ink via Flickr CC BY-SA 2.0)

Edelfeder: Lösen Blogs einzelner Publizisten die Medienmarken im Internet ab? (Foto: Fred Guillory: Pen and Ink via Flickr CC BY-SA 2.0)

Außerdem könnt ihr natürlich bezahlen dafür, dass eure Inhalte in den Timelines angezeigt werden. Die Konkurrenz, die den Wettbewerb und damit die Preise für die besten Timelineplätze bestimmt, ist von euch nicht zu sehen, die kennt nur Facebook und bestimmt damit, wie viel ihr zahlen müsst.

Also nur, dass das klar ist: Dann müssen nicht eure Leser dafür bezahlen, dass sie eure Inhalte zu sehen bekommen, sondern ihr müsst an Facebook bezahlen, dass eure Inhalte Leser bekommen. Merkt ihr was?

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Warum die Hysterie? 10.000 Zeichen auf Twitter

Wie ich durch meine Mittwochmorgen-Twitter-Timeline scrollte, wurde ich wieder von Twitter selbst überrascht. Neben viel schlimmeren Dingen auf dieser Welt, hatte Twitter CEO wohl auf der CES in Las Vegas nicht dementiert, ab dem zweiten Quartal 2016 Tweets mit bis zu 10.000 Zeichen zu erlauben. Wer sich selbst ein Bild der Lage machen will, suche dort unter #Twitter10k, #beyond140 oder #pro140.


Hauptargument des Twitter-Chefs Jack Dorsey: Nutzer würden heute schon durch Text in Bildern und Videos und Bilder selbst, mehr Informationen verbreiten, als in 140 Zeichen passen. Als Beispiel lieferte er gleich sein Nicht-Dementi als Bild:

Neben wenigen uneingeschränkten Befürwortern machte sich vor allem Unmut breit. Schönes Beispiel lieferte die Twitter-Umfrage des Social-Media-Monitoring-Anbieters Brandwatch. Als ich mitmachte und auf die Ergebnisse blicken konnte, waren bei über 60 Teilnehmern 82 Prozent gegen die Auflösung der 140-Zeichen-Grenze.

Auch meine erste spontane Reaktion war Ablehnung. Ich beschloss aber, auch die Argumente der Pro-Fraktion zu lesen. Diese fasste Daniel Fiene @fiene in seinem Beitrag „fiene & warum xxl-twitter eine gute idee ist“ schön zusammen. Allerdings so  richtig überzeugen kann er mich nicht. Warum, steht hier:

  1. 10.000 Zeichen sind Text! Im Snapchat-, Periscope-, Hangouts- und YouTube-Zeitalter ist es doch eher peinlich, dass der CEO eines führenden Silicon-Valley-Unternehmens Druckbuchstaben als Argument für grundlegende Änderungen seines Dienstes anführt. Es gehe ihm um Durchsuchbarkeit, sagt er. Hm, eigentlich ein Armutszeugnis, dass sich immer nur noch Text, nicht aber Bilder und Videos durchsuchen lassen, oder? Wie siehts aus, ihr vielgepriesenen Start-ups? Und Twitter, wo ist eigentlich deine Suchfunktion, von Hashtags mal abgesehen?
  2. Twitter ignoriert erneut seine Nutzer. Wenn wir mal die ganzen A-B-C- und Kurzzeit-Promis weglassen, wer ist auf Twitter wichtig? Richtig: die Info-Junkies; Nachrichtenabhängige aus aller Welt und solche, die Nachrichten produzieren und verbreiten. Es sind Nutzer, die gelernt haben, sich auf Twitter ihr eigenes Bild der Welt und von Ereignissen zusammenzustellen, das auf einer Vernetzung aus Medien, Journalisten vor Ort und Originalquellen beruht. Engagierte, intelligente Nutzer, die sich nicht abhängig machen wollen von einzelnen Medienportalen oder algorithmusgesteuerten Newsfeeds. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf große Politik, sondern durchaus auch auf Fachinformationen für praktisch alle Branchen. Twitter war bisher nie die Quelle, sondern der beste Weg zu nahezu unerschöpflichen Quellen. Deshalb ist Twitter für Journalisten, Pressesprecher und Kommunikationsprofis so wichtig.
  3. Das bedeutet für mich: Twitter ignoriert erneut seine Kernkompetenzen. Um es mit einem Bild vom Bild zu sagen: Statt die Vorschau von Instagram auf Twitter absichtlich wegzuprogrammieren, war das genau die Stärke von Twitter. Nutzer gaben anderen Nutzern Hinweise, was für Themen (bei Instagram Bilder) sie wichtig und teilenswert fanden. So stellte man sich im Laufe der Zeit eine Twitter-Timeline aus Quellen für seriöse, lokale, internationale, humorvolle, persönliche News zusammen, ganz nach eigenem Geschmack. Je länger man den Quellen folgt, desto besser kann man sie einschätzen, desto sicherer ist man sich der Glaubwürdigkeit („für gewöhnlich gut informiert“, würden es die klassischen Medien nennen). Die Folge ist, dass Twitter für mich immer nur ein kurzer Zwischenstopp zwischen zwei Plattformen ist. Twitter führt mich auf Blogs, Webseiten, Facebook, Medium, Instagram, Pinterest und wie sie alle heißen. Nochmal: Twitter war aber nie selbst Quelle. Deshalb reichten auch die 140 Zeichen dank Kurz-URLs; Kürze, Würze und so.
  4. Ich glaube fürchte, dass Twitter auch von der Content-Schwemme profitieren will. Der Verweis reicht nicht mehr, man möchte selbst Quelle sein. Statt „beste Hinweis-Maschine mit den bestinformiertesten Nutzern“ möchte man „Me Too“ werden. Ich höre den CEO schon gegenüber Entwicklern quengeln und seinen Investoren versprechen: „Ich will aber auch Instant Articles und Notes wie Facebook, ich will aber auch Schriftstellern wie auf Medium, ich will aber auch Minibloggen wie auf Tumblr.“ Den Kampf gegen die etablierten Content-Plattformen wird Twitter aber nicht gewinnen können – woher diese Zuversicht kommt, ist mir schleierhaft (und wieso Investoren das glauben sollen sowieso).
  5. Das Problem, das Sascha Lobo – man muss wohl sagen ‚in weiser Voraussicht‘ – Mitte Dezember beschrieben hat, bleibt also: die Investoren verstehen den Unterschied zwischen Facebook und Twitter nicht und können deshalb nicht kapieren, dass Twitter nicht mit diesem konkurriert. Statt dessen zwingen sie offenbar den Twitter-Chefs die Idee auf, dass Twitter so viele User wie Facebook bekommen könnte. Wie Sascha Lobo schreibt:

    Twitter möchte noch facebookiger werden.

Das möchte ich aber nicht, denn Facebook habe ich schon, und ich liebe es nicht.

Ich verstehe Twitter nicht. Ich bin ein Freund von Veränderungen. Nur, ich will sie verstehen. Eine Veränderung ist nie per se gut, nur weil es eine Veränderung ist. Vermutlich muss ich nicht immer 10.000 Zeichen twittern, sondern kann auch nur 140 schreiben, richtig. Wenn ich aber zwischen vollständigen Hinweisen plötzlich immer wieder Teaser, schlimmstenfalls à la Buzzfeed, aussortieren muss, wird es mühsam. Was bekomme ich? Eine neue Plattform, deren Inhalte ich dann doch wieder auf pocket oder Evernote speichern muss? Wofür, was ist MEIN Nutzen?

Mir wäre es lieber, Twitter würde die Vorschaufunktionen optimieren und dafür enger mit den anderen, vermeintlich konkurrierenden, Content-Plattformen zusammen arbeiten (aberwitziges Beispiel: ein Tweet-This-Button auf Facebook) .  Twitter könnte so die führende Maschine für die Verbreitung von hochwertigem Content werden, ein Traffic-Generator – den Traffic müssten dann die Plattformen bezahlen. Neben Mitgliedsgebühren ein weiteres Geschäftsmodell… aber das ist wieder eine neues Thema.

Wenn ich meine Zweifel habe, bin ich noch lange kein Fortschrittsverweigerer. Nur schon mal so vorgweggenommen.

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2015 war mein Spotify Jahr

Spotify Werbung zum Jahresende 2015 in München.

Spotify Werbung zum Jahresende 2015 in München.

Ich muss gerade scharf nachdenken: wie viele CDs habe ich mir 2015 gekauft? Vier, drei oder doch nur zwei – auf jeden Fall nur im Sonderangebot, im Drogeriemarkt. Warum? Weil ich mittlerweile fast schon abhängig von Spotify bin. Musiksammlungen auf Spotify sind nicht nur platzsparender als CDs, sondern auch jederzeit verfügbar (Online-Verbindung vorausgesetzt) sowie stetig erweiter- und veränderbar, unabhängig von Ladenschlusszeiten. Und das für nur 10 Euro pro Monat.

Hier nur ein Beispiel, wie das funktioniert:

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